US-Panzer feuerte auf "Palestine"-Hotel: "Mit einer einzigen Salve"

15. April 2003, 21:19
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Ein US-Panzer feuerte auf Bagdads "Palestine"-Hotel, wo ausländische Journalisten untergebracht sind, darunter die Österreicher Rados und Seifert sowie die STANDARD-Reporterin Seierstad - zwei Kameramänner starben

"Sie haben uns gesehen, wir haben sie gesehen. Da gab es absolut keinen Irrtum. Sie wussten, dass wir dort waren." David Chater, Korrespondent des britischen Senders SkyNews, hat am Dienstag die US-Truppen schwer belastet: Am Morgen hatte ein Panzer auf das Hotel "Palestine" in Bagdad gefeuert, von wo aus der Großteil der ausländischen Journalisten berichtet. US-Kommandant Buford Blount von der 3. US-Infanteriedivision rechtfertigte den Angriff auf das Hotel: Ein US-Panzer sei von dort aus mit Raketen und Schusswaffen angegriffen worden und habe daher das Feuer "mit einer einzigen Salve" beantwortet.

Fünf Journalisten wurden durch den Einschlag im 15. Stock des Hotels verletzt. Der Ukrainer Taras Protsyuk (35), ein Reuters-Kameramann, und der Spanier José Couso (37), Kameramann des Senders Tele 5, erlagen später ihren Verletzungen.

Ein Bild der Verwüstung

"Das Zimmer 1503, die Wohn- und Büroräume der Nachrichtenagentur Reuters sind ein Bild der Verwüstung: Der Fernseher liegt mit der Bildfläche nach unten auf dem Bett: Blut auf dem Boden, Akkreditierungskarten, TV-Kameras, alles liegt verstreut", berichtete Thomas Seifert (News), einer von zwei österreichischen Journalisten in Bagdad, zusammen mit Antonia Rados (RTL). Die Norwegerin Asne Seierstad, die seit Kriegsbeginn für den STANDARD aus Bagdad berichtet und auch im "Palestine"-Hotel untergebracht ist, blieb unverletzt (siehe Reportage "Alle sind schockiert und rennen sofort los").

Seifert meldete sich um 10.16 MEZ, wenige Minuten nachdem das Hotel von schwerem Geschütz getroffen worden war, in der Wiener Redaktion. Seifert, der sich im Moment des Angriffs im ersten Stock des Gebäudes befunden hatte: "Mehrere meiner Kollegen sind verletzt, mir ist glücklicherweise nichts passiert. Die Erschütterung, die wir hier im Haus verspürt haben, war nicht mit dem zu vergleichen, was wir in all den Bombennächten davor erlebt haben." Das 1982 unter dem Namen "Meridien" eröffnete Hotel (439 Zimmer) ist bei Journalisten beliebt, weil es die Sicht auf das am anderen Tigrisufer liegende Regierungsviertel ermöglicht. (dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe vom 9.4.2003)

Ansichtssache

Journalisten-Hotel getroffen

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Irak-Krieg von derStandard.at/Politik

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