Aufschwung lässt auf sich warten

8. April 2003, 18:15
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EU-Kommission: Eurozone wächst heuer nur ein Prozent

Brüssel - Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte heuer lediglich um 1,0 Prozent wachsen, nächstes Jahr könnten es dann wieder 2,3 Prozent sein, heißt es in der Frühjahrsprognose der EU-Kommission, die am Dienstag in Straßburg veröffentlicht wurde. Im Herbst hatte die EU für heuer noch 1,8 Prozent Plus erwartet. Die Wirtschaft der gesamten EU soll heuer 2,4 und 2004 dann 2,5 Prozent wachsen. Derzeit sei die Unsicherheit "besonders groß". Selbst bei Abebben der weltweiten Spannungen vor dem Sommer rechnet die EU-Kommission im zweiten Halbjahr nur mit einer "bescheidenen Erholung".

"Lage labil"

Trotz düsterer kurzfristiger Aussichten dürfte eine Rezession vermieden werden, so die Prognose. Aber "die Projektion der Kommission ist mit beträchtlichen Unsicherheiten behaftet, und ein schlechteres Ergebnis kann nicht ausgeschlossen werden, da der Krieg gegen den Irak länger dauern könnte als ursprünglich angenommen", so die EU-Kommission selbst. Die Lage sei insgesamt labil, besonderen Anlass zur Sorge geben das geringe Vertrauen, die zunehmenden Haushalts- und Leistungsbilanzungleichgewichte und die anhaltenden Kurseinbrüche an den Aktienmärkten.

Der Aktienpreisverfall von rund 60 Prozent gegenüber den Spitzenwerten vom Frühjahr 2000 sei in "Geschwindigkeit und Umfang dem Börsenkrach von 1929 vergleichbar".

Inflation bleibt bei 2,1 Prozent

Trotz langsameren Wachstums wird die Inflation heuer in der Eurozone wie in der EU-15 voraussichtlich bei 2,1 Prozent verharren und erst 2004 unter zwei Prozent, dem von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesetzten Zielwert, sinken. Die hohen Ölpreise und eine Anhebung der indirekten Steuern hätten ein weiteres Absinken der Inflation verhindert.

Drei Staaten überschreiten Defizitgrenze

2003 dürften Deutschland (3,4 Prozent), Frankreich (3,7 Prozent) und Portugal (3,5 Prozent) die Defizitgrenze von drei Prozent überschreiten, so die Vorhersage. 2004 würde bei unveränderter Politik Italien (3,1 Prozent) erstmals und Frankreich (3,5 Prozent) sowie Portugal (3,2 Prozent) abermals über die Schwelle rutschen. Deutschland bliebe mit 2,9 Prozent knapp darunter. Das Defizit Österreichs soll heuer auf 1,1 Prozent steigen aber 2004 wieder auf 0,4 Prozent fallen. Im Schnitt wird sich das Defizit in der Eurozone verschlechtern, die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern nehmen aber zu: Finnland etwa wird einen Überschuss von über drei Prozent erzielen. (APA)

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