US-Regierung sammelt Kinderpornografie

8. April 2003, 09:40
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Identifizierung von Opfern und Hilfe soll schneller werden

Die US-Regierung könnte schon bald Besitzer der größten Sammlung an Kinderpornografie sein. Um die Verbreitung dieses Materials im Internet zu stoppen und den Opfern schneller helfen zu können, werden derzeit alle von der Polizei beschlagnahmten oder im Web gefundenen Bilder und Videos in einer riesigen Datenbank gesammelt. Das Kinder-Opfer-Identifizierungsprogramm soll es dann einmal der Polizei erlauben, mit Hilfe einer speziellen Erkennungs-Software die Bilder zu vergleichen.

Kinder identifizieren und befreien

"Unser vorrangiges Ziel ist es, Kinder zu identifizieren und zu befreien, die gegenwärtig misshandelt werden", sagt Mike Netherland, dessen Abteilung gegen Internetschmuggel beim Amt für Zoll- und Grenzschutz das Programm entwickelte. Wie beim Vergleich von Fingerabdrücken soll festgestellt werden, ob Bilder neu im Internet sind oder ob es schon länger kursiert. "Wenn wir ein neues Bild sehen, dann könnte es sich um ein neues Opfer handeln, das wir schnell finden sollten", sagt Netherland. Die Bilder sollen dann auch mit denen von als vermisst gemeldeten Kindern verglichen werden. Das System wurde seit 1999 und auch unter Mitwirkung anderer Länder aufgebaut und soll in wenigen Monaten in Betrieb gehen.

Umfangreiche Datenbanken

Ähnliche Datenbanken gibt es unter anderem beim US-Zentrum für vermisste und missbrauchte Kinder. Sie sind aber alle nicht so umfangreich und die Software zur Identifizierung ist nicht so weit entwickelt. Gegen den Aufbau solcher Datenbanken gab es immer wieder auch Einwände, etwa, dass sie das Ziel von Hackerangriffen oder aber auch von skrupellosen Polizisten werden könnten.

Netherland erklärt dazu, das System arbeite weitgehend automatisch. Auch Polizisten könnten nicht einfach durch die Bilder browsen. Auf Bilder, die nicht unmittelbar mit einer Ermittlung zu tun hätten, gebe es nur begrenzten Zugriff.

Michelle Collins vom Zentrum für vermisste und missbrauchte Kinder erklärt, dieses neue System könne gerade für kleinere Polizeidienststellen, die nur selten etwas mit Kinderpornografie zu tun haben, sehr hilfreich sein. "Damit ist es egal, wo das Kind lebt. Mit dem neuen System und dank internationaler Unterstützung kann man sofort feststellen, ob ein Kind schon identifiziert wurde."(APA/David Caruso/AP)

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