Strenge Rechnung, gute Nachbarn

7. April 2003, 19:57
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Gemeinsam mit Oberösterreich hat Niederösterreich einen Großrechner in Betrieb genommen, weil beide Länder dabei sparen können

St. Pölten/Linz - Niederösterreich und Oberösterreich wollen näher zusammenrücken. Als erstes Beispiel dieser länderübergreifenden Zusammenarbeit haben sie jetzt einen gemeinsamen Großrechner angeschafft, über den ein Großteil der EDV der beiden Bundesländer laufen soll.

Die Feuerprobe hat der Rechner bereits bestanden, er war bei der niederösterreichischen Landtagswahl am 30. März im Einsatz - und funktionierte reibungslos, wie der niederösterreichische Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka und der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer am Montag im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs in Linz betonten.

Beispiel für Verwaltungsreform

Der gemeinsame Großrechner - er wurde am Montag so richtig offiziell in Betrieb genommen - sei, sagen beide Landespolitiker, ein Beispiel für eine Verwaltungsreform, bei der nicht auf Kosten der Bürger, sondern innerhalb der Strukturen gespart werde. Niederösterreich spart sich dadurch jährlich 2,54 Millionen Euro.

Die beiden Länder wickeln über den Großrechner die gesamte Personalverwaltung ab, Wohnbau- und Sportförderung, auch alle Bezirkshauptmannschaften sind angeschlossen, und selbstverständlich sämtliche Büros der Landesregierung.

Landeshauptmann Pühringer sprach von einem "Meilenstein in der Zusammenarbeit über Bundesländergrenzen hinaus". Für Landesrat Sobotka "geht es darum, die vorhandenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen". Solche Projekte seien sinnvoll, "solange die Identität eines Bundeslandes vollkommen gewahrt bleibt".

Raumordnungsleitbild

Und tatsächlich ist man bei der Suche nach Synergien mit den Oberösterreichern schon sehr weit. So arbeiten Nieder-und Oberösterreich derzeit an einem Raumordnungsleitbild, im Rahmen dessen gemeinsame Ziele in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und Tourismus formuliert werden sollen.

Gemeinsam will man etwa die Fachhochschule im oberösterreichischen Steyr nutzen, was wiederum bedeutet, dass das Angebot auf die Interessen der Niederösterreicher abgestimmt werden soll. Bei der Planung einer Fachhochschule im Mostviertel sollen wiederum oberösterreichische Wünsche berücksichtigt werden.

Als gemeinsame Infrastrukturziele wurden der viergleisige Ausbau der Westbahn sowie der dreispurige Ausbau der Westautobahn festgelegt. Im Bereich Tourismus soll der Radweg entlang der Donau noch attraktiver gestaltet werden. (dam/DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2003)

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