Zahl der in Irak getöteten Journalisten steigt täglich

8. April 2003, 19:50
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Bis Dienstagnachmittag mindestens zehn getötete Reporter seit Kriegsbeginn

Kriegsberichterstatter haben einen gefährlichen Job, bei dem sie ihr Leben riskieren. Allein am Dienstag kamen bei Kampfhandlungen in der irakischen Hauptstadt Bagdad drei Journalisten ums Leben. Mit dem Tod des Al Jazeera-Reporters Tarek Ajub, des Reuters-Kameramannes Taras Protsyuk undd des spanischen Kameramannes Jose Couso stieg die Zahl der im Irak-Krieg getöteten Journalisten auf insgesamt zehn. Ein weiterer Journalist verstarb nicht gewaltsam, sondern aufgrund einer Erkrankung.

Insgesamt sind nach Schätzung der Organisation "Reporter ohne Grenzen" mehr als zweitausend Berichterstatter in dem Konflikt im Einsatz.

Die bisher bekannten Todesfälle

Der 35-jährige gebürtige Ukrainer Taras Protsyuk und der 37-jährige spanische Kamermann Jose Couso kamen am Dienstag (8. April) beim Beschuss des Journalisten-Hotels "Palestine" in Bagdad durch einen US-Panzer ums Leben. Der ukrainische Kameramann hatte im Büro der Nachrichtenagentur Reuters in Warschau gearbeitet. Er hinterlässt eine Frau und einen achtjährigen Sohn. Couso arbeitete für den privaten spanischen Fernsehsender Tele Cinco.

Der 34-jährige Al-Jazeera-Korrespondent Tarek Ajub starb ebenfalls am Dienstag, als ein Geschoss im Gebäude des Büros des katarischen Fernsehsenders in Bagdad einschlug. Der Jordanier palästinensischer Abstammung hatte zuvor von der jordanisch-irakischen Grenze aus über den Irak-Krieg berichtet und befand sich seit weniger als einer Woche in Bagdad. Er hinterlässt zwei Kinder.

Der 35-jährige deutsche "Focus"-Journalist Christian Liebig und der 32-jährige Korrespondent der spanischen Tageszeitung "El Mundo", Julio Anguita Parrado, starben am Montag bei einem irakischen Raketenangriff auf eine US-Militärstellung in der Nähe von Bagdad.

Der US-Journalist Michael Kelly (46) verunglückte am 4. April auf dem Weg nach Bagdad. Er saß in einem US-Militärfahrzeug, dessen Fahrer versuchte, irakischem Beschuss auszuweichen und dabei in einen Kanal stürzte. Kelly begleitete die 3. Infanteriedivision. Er war Kommentator der "Washington Post".

Der aus dem Iran stammende Kameramann Kaveh Golestan wurde am 2. April bei der Explosion einer Mine in Kifri in Nordirak getötet. Der 52-Jährige arbeitete für die BBC.

Der ITN-Reporter Gaby Rado (48) starb unter ungeklärten Umständen im kurdischen Nordirak: Er stürzte vom Dach des Abu-Sanaa-Hotels in Suleimaniya.

Der australische Fernsehjournalist Paul Moran (39) wurde am 22. März bei einem Selbstmordattentat im Nordirak getötet. Ein Taxi fuhr an ihn heran und explodierte.

Der Brite Terry Lloyd geriet am 22. März in der Nähe von Basra zwischen die Fronten und wurde bei einem Angriff der US-geführten Streitkräfte getötet. Der 50-Jährige war ein Veteran der Kriegsberichterstattung. Er arbeitete für den britischen TV-Sender ITN. Sein libanesischer Übersetzer Hussein Osman (28) und sein französischer Kameramann Fred Nerac (43) werden seit dem Angriff vermisst.

Eines nicht gewaltsamen Todes starb bisher ein Journalist während des Krieges: Der US-Fernsehjournalist David Bloom (39) starb am 6. April in der Nähe von Bagdad an einer Lungenembolie. Er arbeitete für die US-Senderkette NBC. (APA)

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