Mehr US-Häftlinge als je zuvor

8. April 2003, 10:24
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Mehr als zwei Millionen Menschen hinter Gittern - Anstieg bei Afroamerikanern

Washington - Mehr als zwei Millionen Menschen sitzen derzeit in den Vereinigten Staaten hinter Gittern, mehr als je zuvor. Junge Afroamerikaner sind dabei überproportional vertreten. Rund 12 Prozent der Afroamerikaner im Alter zwischen 20 und 34 Jahren sind in Haft, wie aus einer Statistik des US-Justizministeriums hervorgeht.

Die nun veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf den Stichtag 30. Juni 2002. Exakt 2.019.234 Menschen befanden sich an diesem Datum in Straf- oder Untersuchungshaft in Gefängnissen des Bundes, der einzelnen Staaten oder Gemeinden. Im Vergleich zum Jahr zuvor bedeutet dies einen Anstieg um 2,8 Prozent. Seit 1995 stieg die Zahl der Häftlinge jedes Jahr durchschnittlich um 3,8 Prozent, und das, obwohl die Verbrechensrate stetig gesunken ist.

Mehr Delikte oder längere Inhaftierung

Allen Beck, Leiter der Statistikabteilung im US-Justizministeriums sieht zwei Gründe dafür: "Offensichtlich gibt es zwei Erklärungen: Es gibt mehr Delikte, für die man ins Gefängnis kommen kann, und die Insassen bleiben länger inhaftiert", erklärt er im Gespräch mit dem STANDARD. Mitte der 90er-Jahre wurden besonders die Gesetze im Zusammenhang mit Drogenvergehen und gewalttätigen Attacken verschärft, was den Anstieg teilweise erklärt, meint Beck.

Phänomene wie die gerade vom obersten Gerichtshof bestätigte "Three times"-Regelung, hätten allerdings nur eine kleine Rolle gespielt. Diese Regelung besagt, dass Angeklagte auch für leichtere Delikte wie Diebstahl jahrelang ins Gefängnis geschickt werden können. Voraussetzung: Sie müssen dreimal wegen desselben Delikts verurteilt werden.

Einer von 142 US-Bürgern

Setzt man die Häftlingszahlen mit der Gesamtbevölkerung in Relation, ergibt sich, dass einer von 142 US-Bürgern eine Haftstrafe absitzt. Die Verteilung ist dabei höchst unterschiedlich: Während nur 1,6 Prozent der weißen Twens von der Haft betroffen sind, sind es bei den Afroamerikanern 12 Prozent.

Betrachtet man die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben in Haft zu kommen, wird die Diskrepanz noch größer: Laut Justizministerium werden 28 Prozent aller männlichen Afroamerikaner zumindest einmal ins Gefängnis kommen, bei den weißen US-Bürgern sind im Gegensatz dazu nur 4,4 Prozent von Haft bedroht. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2003)

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