Hart gegen Korruption und Diktatoren

8. April 2003, 11:16
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Luis Moreno Ocampo wird Generalankläger am Internationalen Strafgerichtshof - ein Kopf des Tages

Es sollte ein Kandidat von internationalem Gewicht sein. Jemand von unangreifbarer Autorität, der aber auch nicht zu sehr polarisiert. Also kam ein Unterausschuss der Versammlung der Vertragsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs (International Criminal Court, ICC) auf Luis Moreno Ocampo. Der Argentinier soll der erste Chefankläger am ICC in Den Haag werden. Seine Wahl muss nur noch von den bisher 89 Staaten, die das Strafgerichtshofsstatut ratifiziert haben, am 21. April offiziell bestätigt werden.

Luis Moreno Ocampo ist Anwalt, Bürgerrechtler und Buchautor, er spielte eine wesentliche Rolle bei der Demokratisierung Argentiniens nach der Ablösung der Militärdiktatur. Geboren in Buenos Aires, absolvierte er an der dortigen Universität ein Jusstudium und wurde Staatsanwalt. Er war einer jener Staatsanwälte, die 1985 die Anklage gegen führende Juntamitglieder und den früheren Polizeichef von Buenos Aires vertraten. Er war auch zweiter Ankläger im Prozess gegen den früheren Chef der Militärjunta und Präsident Argentiniens, General Jorge Rafael Videla.

1987 wurde er Distriktstaatsanwalt und übernahm die Anklage gegen die Verantwortlichen des Falklandkrieges und die Putschisten von 1988. Außerdem ermittelte er in mehreren großen Korruptionsskandalen. 1992 gab er sein Amt auf und eröffnete eine private Anwaltspraxis.

Seither berät er große Organisationen und Firmen in Sachen Korruptionsvermeidung und -bekämpfung. Die UNO und die American Development Bank engagierten ihn als Berater bei der Einführung von Antikorruptionssystemen in der Dominikanischen Republik, Bolivien und Venezuela. Bei "Transparency International" war er Präsident für Lateinamerika und die Karibik. Als Antikorruptionsexperte hielt Ocampo Vorlesungen in zwölf Ländern. Sein erstes Buch, "Selbstverteidigung oder wie man Korruption vermeidet", wurde nach dem Erscheinen 1993 auf Anhieb ein Bestseller.

In einer eigenen Fernsehsendung lehrte er friedliche Konfliktlösung und Vermittlungstechniken. Seit 1984 forscht er auch an seiner alten Hochschule in Buenos Aires. Gastprofessuren führten ihn an die Universitäten von Yale, Harvard und Columbia, wo er über humanitäres Völkerrecht las. Im vergangenen Jahr geriet er in die Kritik, weil er einen pädophiler Praktiken angeklagten Priester verteidigte.

Bei der "Koalition für den ICC", der Koordination von Nichtregierungsorganisationen, die sich für das Zustandekommen des Gerichts eingesetzt haben, war man mit der Kandidatur Ocampos hoch zufrieden. Irune Aguirrezabal von der Koalition: "Ocampo ist politisch nicht festgelegt, er hat Erfahrung mit internationaler Justiz und macht ganz den Eindruck, als würde er mit dieser Aufgabe fertig werden."(DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2003)

von Klaus Bachmann
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