Sars-Erforschung: "Ein langer Weg"

7. April 2003, 19:18
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Schon mehr als hundert Todesopfer der mysteriösen Lungenkrankheit

Guangzhou/Toronto/Lissabon/ Brüssel - Seit Montag gib es mehr als hundert Todesopfer der noch unerforschten Lungenkrankheit Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom). Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO bemühten sich in der südchinesischen Provinz Guangdong (Kanton) weiterhin um eine Isolierung des Sars-Virus.

Chris Powell, der Sprecher dieser Ärztegruppe, sagte, bei dieser Arbeit habe die WHO "noch einen langen Weg" vor sich. Es sei unwahrscheinlich, dass der erste Patient und damit die Ursache der Krankheit gefunden werde. Das staatliche chinesische Fernsehen meldete am Montag den 53. Todesfall. Es wurde eingeräumt, dass sich die Sars-Toten über mehr Provinzen verteilten als bisher berichtet.

Rüge von WHO-Chefin

Gro Harlem Brundtland, die Chefin der WHO, hatte bereits am Sonntag die chinesische Regierung für ihre späte Information kritisiert. "Nächstes Mal, wenn etwas Merkwürdiges auftaucht (. . .), lasst uns so schnell wie möglich rein!", sagte sie dem britischen Rundfunksender BBC.

In der chinesischen Sonderzone Hongkong, wo mehr als 800 Menschen erkrankt und bereits 22 gestorben sind, fiel wegen der Reisewarnungen am Montag fast ein Viertel der An- und Abflüge aus.

In Kanada sind bisher die meisten Sars-Fälle außerhalb Asiens aufgetreten. Mehr als 200 Menschen haben sich wahrscheinlich schon infiziert; bisher sind neun Menschen an der Lungenkrankheit gestorben.

Seltsame Hochzeit

Auch in Portugal gibt es jetzt einen ersten Sars-Fall, die Patientin sei aber auf dem Weg der Besserung, berichteten Ärzte aus Lissabon.

In Brüssel hat Sars ein Brautpaar zu einer ungewöhnlichen Hochzeit gezwungen: Weil die chinesische Braut erst vor wenigen Tagen von einem Besuch in ihrer Heimat zurückgekehrt war, verlegte der Standesbeamte Eric Sax die Zeremonie kurzerhand ins Freie.

Der Beamte hielt einen Abstand von 15 Metern. Der Stift, mit dem die frisch Vermählten die Heiratsurkunde unterzeichneten, wurde danach sofort weggeworfen. In Belgien zeigte bisher ein aus Vietnam zurückgekehrter Soldat Symptome der hoch ansteckenden Krankheit. (Reuters, AFP, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2003)

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