Hundert Jahre Holzhammermethode in den Kinderzimmern

7. April 2003, 18:35
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Eine Unternehmerfamilie rettete Matador vor dem Aussterben

Traiskirchen - Kinder sollten draußen bleiben. Weil sie Höllenqualen durchmachen: So viel. So schön. So einladend. Aber weil am Eingang groß "Museum" steht, steht drin überall "nicht angreifen" drauf. Auf Spielzeug. Auf Anfassspielzeug. Eigentlich absurd. Andererseits: Man kann ja später spielen. Weil es wieder Matadorbaukästen gibt.

Und deshalb verzeiht man Claudia und Michael Tobias, dass sie es nicht gerne sehen, wenn die Besucher der am Wochenende eröffneten Matador-Ausstellung in Traiskirchen begännen, die Eisen- und Kugelbahnen, Ringelspiele, Flugzeuge, Fußballmannschaften, Sägewerke, Windmühlen, Häuser, Hubschrauber, Autos oder Kräne zu zerlegen - Spiel hin oder her. Schließlich ist das Ehepaar aus Altlengbach "schuld", dass es die heuer hundert Jahre alten Holzklötze wieder gibt.

In den hintersten Rängen ...

Es war 1996, als Claudia und Michael Tobias über Matador stolperten. Oder eigentlich: nicht stolperten. Auf der Suche nach qualitativ hochwertigem Spielzeug fanden sie Matador - wenn überhaupt - in den hintersten Regalen der Geschäfte. Und - horribile dictu - das Zeug war großteils aus Plastik. Sie erinnerten sich an ihre eigene Kindheit und kauften kurzerhand Marke und Rechte des Holzklassikers, die damals in den Händen von Die ganze Woche-Herausgeber Kurt Falk lagen. Falk hatte damals schon lange den Spaß am Spielzeug verloren: "Wir haben uns rasch geeinigt", erzählt Claudia Tobias.

Bauklätze-Staunen

Die Tobiasse kehrten an die Anfänge zurück. Schließlich hatte einst - 1899 - auch der Matador-Erfinder, der Eisenbahntrasseur Johann Korbuly, auf der Suche nach brauchbarem Spielzeug begonnen, mit Holzblöcken und Schaschlickspießchen zu improvisieren - bis er 1901 das Patent mit den runden Holzzäpfchen anmeldete, 1903 den ersten Bausatz auslieferte und bald alle k. u. k. Kronländer Bauklötze staunten.

Hergestellt wurden die Bausätze im vierten Wiener Bezirk - und das Sortiment umfasste alles, was Technik und Ingenieurkunst stolz in die Welt stellten. Sowohl in Material- (Holz, Holz und noch einmal Holz) als auch in Sortimentfragen sind die Tobiasse zu den Wurzeln zurückgekehrt - mit den einstigen Kronländern geben sie sich aber nicht zufrieden: Exportiert wird in die ganze Welt. Und produziert im Waldviertel.

Eine kleine zeitgeistige Änderung hat man aber doch in der Produktpalette vorgenommen: Man verzichtet auf martialische Kriegsmaterialbaukästen. Mit sanftem Bedauern, merkt Claudia Tobias an: "Das Kanonenrohr eignet sich toll zum Lehrerärgern." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2003)

Link

www.matador.at

"100 Jahre Matador" bis 31.Dezember im Stadtmuseum Traiskirchen, Sonn- und feiertags von 9 bis 12 Uhr.

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