Räikkönen der Mann der Stunde

7. April 2003, 16:54
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Titelverteidiger Michael Schumacher machte wieder einen Fehler und ist in der WM voerst zum "Nobody" verkommen

Wien/Sao Paulo - Die Formel-1-WM ist nicht wiederzuerkennen. Nach Jahren der Ferrari-Monotonie haben neue Regeln und verrücktes Wetter die Hierarchie auf den Kopf gestellt und den fünffachen Champion Michael Schumacher vorerst zum "Nobody" degradiert. Mann der Stunde ist hingegen McLaren-Pilot Kimi Räikkönen (23), der nach seinem Erfolg in Malaysia beim Regen-Chaos am Sonntag in Interlagos seinen bereits zweiten Saisonsieg in Folge feierte und die WM nach drei Läufen überlegen anführt.

Räikkönen im richtigen Moment an der Spitze

Auch wenn Räikkönen beim "historischen" 700. GP der Formel 1 eher zufällig zum Sieg kam. Schon zur Hälfte war mehr als die Hälfte des Feldes aufgerieben und als nach vielen Unfällen 18 Runden vor Schluss das "Demolition-Derby" von Sao Paulo nach einem schweren Unfall von Mark Webber (Jaguar) endgültig abgebrochen wurde, führte zwar Giancarlo Fisichella, gewertet wurde aber der Stand von zwei Runden davor. Und in der lag der Finne in Front, weil einige seiner Konkurrenten, darunter der führende Teamkollege David Coulthard, gerade an der Box gewesen waren.

"Ich hatte in der Vergangenheit viel Pech, also war es durchaus Zeit, auch einmal Glück zu haben", hatte Räikkönen aber kein schlechtes Gewissen. Fisichella durfte sich im 200. GP von Jordan nur Minuten über seinen vermeintlich ersten GP-Sieg freuen, der drittplatzierte Spanier Fernando Alonso (Renault) fehlte nach einem Unfall bei der Siegeszeremonie, ist aber nach einer Nacht im Krankenhaus wohlauf und auch in der WM sensationell Dritter.

Coulthard ziemlich sauer

Australien-Sieger Coulthard wurde trotz langer Führung nur unbedankter Vierter und meinte: "Ich fühle mich betrogen, denn ich war fest überzeugt das Rennen zu gewinnen." McLaren-Mercedes ist nach Siegen in allen drei bisherigen Rennen klarer Leader in der Konstrukteurs-WM.

Das konfuse Ende war der passende Höhepunkt eines chaotischen und hinter dem Pace-Car gestarteten Regen-Rennens mit vielen Unfällen sowie insgesamt fünf Safety-Car-Phasen. Offensichtlich war, dass das vieldiskutierte neue Kopfschutz-System HANS in Verbindung mit den modernen Cockpits eine Art Überlebensversicherung für die Fahrer ist. Ohne sie hätte es sicher schwerere Verletzungen bei einigen Piloten gegeben.

Schumacher ohne echte Sorgen

Bedenkliche Formen nimmt hingegen die Negativserie für Michael Schumacher an. Vierter in Melbourne, Sechster in Sepang, in Brasilien dritter Fehler in Folge und spektakulärer Abflug in Runde 27. Schlechter ist es zuletzt 2000 für den Deutschen gelaufen, als er fünf Grand Prix lang ohne Sieg blieb. In der WM liegt er mit 18 Punkten Rückstand nur auf Platz acht.

"Mich bedrückt vor allem, dass mein Zuverlässigkeitsrekord dahin ist", meinte der Ferrari-Star bedrückt. Trotzdem gab er sich entspannt. "Der Abstand zu Kimi ist nicht so groß, um sich echte Sorgen zu machen." In zwei Wochen beim Europa-Auftakt in Imola kann er zudem erstmals den neuen F2003-GA fahren.

Barrichello hadert mit dem Schicksal

Todtraurig war hingegen sein Teamkollege Rubens Barrichello, der nach Start aus der Pole hinter dem Safety Car als Führender mit Defekt ausfiel. Statt des ersten Sieges beim Heim-GP musste der Brasilianer den neunten Ausfall in Folge hin nehmen.

Der Strahlemann schlechthin war natürlich Räikkönen. "Kimi ist der Mann der Stunde", lobte Mercedes-Sportchef Norbert Hauf und "La Stampa" schrieb: "Räikkönen ist der König des Crashrennens. Das war Formel 1 des Wahnsinns in Brasilien." Ausgerechnet Jacques Villeneuve gab sich nach dem GP als Kritiker. "Es waren nicht nur die Bedingungen allein. Es liegt an den Piloten, aber einige sind da draußen ziemlich verrückt gefahren." (APA)

Stichwort Rennabbruch

Ein Formel-1-Rennen muss laut Paragraf 153 des FIA-Reglements (Formula One Sporting Regulations) dann gestoppt werden, wenn die Strecke durch einen Unfall blockiert ist, die Wetterbedingungen oder andere Gründe die Fortsetzung des Rennens als zu gefährlich erscheinen lassen.

Trotz des plötzlichen Endes wurde der Grand Prix gewertet, da über 75 Prozent der vorgesehenen Renndistanz absolviert wurden. Kimi Räikkönen wurde zum Sieger erklärt, obwohl er zum Zeitpunkt des Abbruchs auf Platz zwei lag. Paragraf 154 schreibt vor, dass die Reihenfolge, die zwei Runden vor dem Abbruch bestand, gewertet wird.

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    Kimi Räikkönen ließ zum zweiten Mal als Sieger den Korken knallen

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    Ein geknickter Weltmeister am Weg in die Box

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