Brüssel fordert EU-Zentrum für ansteckende Krankheiten

7. April 2003, 15:01
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Reisefreiheit soll notfalls auf den Prüfstand

Brüssel - Als Reaktion auf die weltweite Verbreitung der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS schlägt die EU-Kommission die Einrichtung einer zentralen Behörde zur Koordinierung der EU-weiten Schutzmaßnahmen gegen ansteckende Krankheiten vor. Noch vor der Sommerpause wolle die Kommission entsprechende Vorschläge ausarbeiten, kündigte eine Sprecherin am Montag in Brüssel an.

Zwar reichten im Fall des Schweren Akuten Atemwegssyndroms derzeit die bisherigen Vorschriften aus, da die Zahl der SARS-Verdachtsfälle stabil bleibe. Sollten sich ansteckende Krankheiten aber zu regelrechten Epidemien entwickeln, genüge das Regelwerk nicht, ebenso wenig wie bei Fällen von Bioterrorismus, sagte die Sprecherin.

Keine Handhabe

Anders als bei ansteckenden Tierkrankheiten wie Maul- und Klauenseuche (MKS) oder Geflügelpest habe die EU-Kommission wegen des freien Reiseverkehrs innerhalb der EU keine Handhabe, die Reisefreiheit von Menschen einzuschränken. Schon für den Fall, dass die nationalen Behörden unterschiedliche Reiseempfehlungen abgeben, könne dies zu Problemen für die Krankheitsprävention in den Mitgliedstaaten führen.

Nach den Vorstellungen der Kommission soll das EU-Zentrum für ansteckende Krankheiten bis 2005 eingerichtet werden. Seine Aufgabe werde es sein, Gegenmaßnahmen zu koordinieren, den Aufbau eines Netzes von Referenzlabors voranzubringen und sich mit internationalen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auszutauschen. (APA/AFP)

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