"Hooligan" Fergie

8. April 2003, 15:35
7 Postings

Vor dem Viertelfinalschlager Real - ManU schlug Manager Ferguson verbal um sich - Ajax gegen Milan mit Personalsorgen im Angriff

Madrid/Amsterdam - Das Viertelfinale der Fußball-Champions-League startet am Dienstag mit einem vorweggenommenen Finale. Titelverteidiger Real Madrid empfängt im Bernabeu Manchester United. Die zweite Dienstag-Partie bestreiten Ajax Amsterdam und AC Milan, ehe die Hinspiele der Runde der letzten Acht am Mittwoch mit den Spielen Juventus - Barcelona und Inter Mailand - Valencia abgeschlossen wird.

Bereits vor dem großen Schlager sorgte ManU-Manager Sir Alex Ferguson für aufgeheizte Stimmung. "Kein Duell der spanischen und italienischen Klubs im Viertelfinale? Sie wollen uns nur nicht im eigenen Stadion im Finale sehen", mutmaßte der Schotte und legte nach. "Eigentlich müsste Roberto Carlos für seine Schiedsrichter-Attacke im Länderspiel gegen Portugal von der UEFA und FIFA für längere Zeit aus dem Verkehr gezogen werden. Jetzt kann ich nur beten, dass wir einen guten Schiedsrichter haben."

Fergusons Aussagen lösten bei Real-Sportdirektor Jorge Valdano Unverständnis aus. "Es wundert mich, dass so etwas von einem so großen Verein und von so einem großen Trainer kommt. Aber anscheinend macht uns die Anspannung alle klein", sagte der Argentinier. Die spanische Presse reagierte schärfer und bezeichnete Ferguson unter anderem als "britischen Hooligan".

Hochkarätige Duelle

Den Wortgefechten im Vorfeld des Aufeinandertreffens des erfolgreichsten gegen den reichsten Klub der Welt entsprechen hochkarätige Duelle auf dem Rasen wie zum Beispiel Roberto Carlos gegen David Beckham, Zinedine Zidane gegen Roy Keane oder Ronaldo gegen Rio Ferdinand. "Wir sind zwei Teams mit einer ähnlichen Spielauffassung: Angreifen vom Anpfiff weg", erklärte Reals wieder genesener Abwehrchef Fernando Hierro.

Die Formkurve scheint derzeit für Manchester zu sprechen. Während die Engländer am Wochenende mit einem beeindruckenden 4:0-Kantersieg gegen den Rekordmeister FC Liverpool nach Punkten zu Spitzenreiter Arsenal aufschlossen, kam das "weiße Ballett" im Stadtderby gegen den Tabellen-Vorletzten Rayo Vallecano vor eigenem Publikum nach einem 0:1-Rückstand nur dank eines starken Endspurts zu einem mühsamen 3:1-Erfolg.

Geht es nach der Statistik, wird der Sieger des Viertelfinal-Knüllers am 28. Mai im Old Trafford auch den Champions-League-Pokal in die Höhe stemmen. Drei Mal trafen die beiden Traditionsklubs bisher im Meister-Cup oder in den Final-Runden der Champions League aufeinander, jedes Mal gewann der Sieger dieses Duells am Ende den Bewerb. Zuletzt setzten sich die "Königlichen" im Viertelfinale vor drei Jahren nach einem 0:0 in Madrid mit einem 3:2 in Manchester gegen den damaligen Titelverteidiger durch.

Taxifahrer im Ajax-Sturm?

Während Real und Manchester auf ihre stärkste Formation zurückgreifen können, hat Ajax Amsterdam vor dem Heimspiel gegen den AC Milan Personalsorgen im Angriff. Der Einsatz des Schweden Zlatan Ibrahimovic ist nach einer abgeklungenen Oberschenkelblessur zwar wahrscheinlich, doch die Abgänge des Griechen Nikos Machlas und des Ägypters Ahmed Hossam könnten für die Amsterdamer von Nachteil sein. Der 20-Jährige Jamal Akachar, der vor kurzem noch sein Geld als Taxifahrer verdient hatte, steht daher vermutlich vor seiner Feuertaufe, fiel er doch durch starke Auftritte bei den Amateuren auf. Er soll nun auch die routinierte Hintermannschaft der Mailänder überraschen.

"Wir wollen uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel im Meazza-Stadion verschaffen", meint Milan-Trainer Carlo Ancelotti. Dagegen hofft Ajax-Coach Ronald Koeman, dass seine junge Mannschaft die Nerven behält und ein Ergebnis erreicht, dass ihr für die zweite Partie in Mailand alle Chancen offen hält. "Ein 1:0 wäre gut, 2:0 ein Traum-Resultat." (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    UEFA-Sprecher Mike Lee bezeichnet die Ferguson-Kritik an der Viertelfinal-Auslosung als "dumm und unglücklich"

Share if you care.