Telekom Austria: Sundt für raschen Verkauf

7. April 2003, 22:13
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TA-General bestätigt Interesse strategischer Partner - UMTS werde "kein Bauchfleck" sein

Wien - Der Generaldirektor der Telekom Austria (TA), Heinz Sundt, wünscht sich einen raschen Verkauf von weiteren TA-Anteilen. Der Verkaufsprozess von weiteren TA-Anteilen "soll schnell zu Ende gebracht werden", sagte Sundt am Montag im Rahmen eines RZB-Business-Lunchs in Wien. "Ich habe keinen anderen Wunsch außer einer stabilen Aktionärsstruktur für die Telekom Austria als Basis für die strategische Unternehmensführung", betonte Sundt und weiter: "Entsprechende finanzielle Möglichkeiten wären für das Unternehmen wünschenswert."

Sowohl der Verkauf an einen strategischen Partner als auch weitere Börsengänge (Secondary Public Offering) hätten laut Sundt "ihre Für und Wider". Der TA-Vorstandschef bestätigte am Montag "Interesse im strategischen Bereich". Ob es zu einem Abschluss der Gespräche komme, wisse er aber nicht, sagt Sundt.

Ohne Partner im Festnetz

Im Festnetzbereich brauche die TA keinen strategischen Partner, weil dieses ein nationales Geschäft - in Österreich wegen der geringen Marktgröße sogar ein Nischengeschäft - sei. Ein strategischer Partner würde hier nur begrenzt Synergien bringen, meint Sundt.

Das Mobilfunkgeschäft hingegen "schreit nach Internationalisierung und Kooperation". Die Mobilkommunikation rufe danach, "international verwoben zu werden". Dies müsse aber nicht zwingend über eine Kapitalverflechtung passieren. Daher habe die Mobilkom eine strategische Partnerschaft mit Vodafone geschlossen. Eine Kapitalverflechtung mit Vodafone stehe "im Augenblick nicht zur Diskussion".

32,3 Prozenz in Streubesitz

In den vergangenen Monaten war wiederholt die Swisscom als möglicher Käufer für die TA gehandelt worden. Derzeit liegen noch 32,3 Prozent der TA in Streubesitz, 5,7 Prozent werden über verschiedene Fonds von der US-Investmentgesellschaft CI International (Los Angeles) gehalten. 14,8 Prozent gehören noch der Telecom Italia (TI), der Rest - 47,2 Prozent - der österreichischen Staatsholding ÖIAG.

In dem am vergangenen Dienstag vorgelegten Privatisierungsbeschluss der Regierung ist ein Verkauf der Staatsanteile an der TA von "bis zu 100 Prozent" vorgesehen. Auch der vollständige Rückzug der TI wird spätesten 2004 erwartet.

Sundt will TA flexibel halten

Der Generaldirektor der Telekom Austria (TA), Heinz Sundt, will bei der TA künftig "so gravierende Einschnitte" wie den seit 1999 bis 2002 vollzogenen Abbau von 4.000 Mitarbeitern vermeiden. Allerdings soll das Unternehmen künftig flexibel gehalten werden: "Die TA war jahrelang sehr statisch, das hat dem Unternehmen nicht gut getan", sagte Sundt.

Der Verkauf der 13-prozentigen TA-Anteile durch die Telecom Italia im November 2002 sei eine "wunderbare Transaktion" gewesen, da sie die Liquidität der TA vergrößert, die Kursentwicklung unterstützt und den Aktienüberhang im Markt abgebaut habe, meint Sundt. Wenn nun große Aktionäre der TA laufend von einem Teilverkauf sprechen würden, entstehe Instabilität in der TA, spielte Sundt auf die ÖIAG an. Daher müsse man so schnell wie möglich eine stabile Aktionärsstruktur schaffen.

Dem Entwurf für das neue Telekomgesetz (TKG), das bis 24. Juli beschlossen werden soll, steht Sundt gespalten gegenüber. Er könne dem neuen TKG "einige positive Ansätze" - wie der künftigen Gliederung des Telekommarktes in 18 statt bisher 4 Teilmärkte - abgewinnen, andere Elemente hätten seinen "Geschmack aber noch immer nicht getroffen". Wünschenswert sei etwa ein Abgehen von der ex-ante-Regulierung (im Vornhinein) oder eine Gleichbehandlung von internationalen Telekomunternehmen über die internationalen Grenzen hinweg. In Deutschland sehe das neue TKG etwa eine ex-post-Regulierung bereits vor, dem österreichischen Entwurf fehle diese Pragmatik.

Optimistisch gab sich Sundt bezüglich der vor der Einführung stehenden dritten Mobilfunkgeneration UMTS. UMTS werde "kein Bauchfleck" werden, zumindest in Österreich nicht, meint Sundt. Da die UMTS-Lizenzen in Österreich im internationalen Vergleich billiger verkauft worden seien, seien nun entsprechende Mittel für einen schnellen UMTS-Start frei. Die Netze würden bereits ohne größere Probleme funktionieren, der Gerätesektor mache aber Schwierigkeiten. Bei UMTS gebe es keine Killerapplikation wie bei GSM die Sprachtelefonie. Daher seien Telekomfirmen darauf angewiesen, dass verschiedene UMTS-Dienste "in Summe" zur Rentabilität führen würden. (APA)

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