Grabstätte aus dem 9. Jahrhundert in Grazer Innenstadt entdeckt

7. April 2003, 14:40
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Körper der Verstorbenen "alle sehr geordnet in West-Ost-Ausrichtung" bestattet

Graz - Ein österreichweit bemerkenswerter Fund hinsichtlich der mittelalterlichen Siedlungsgeschichte ist in der steirischen Landeshauptstadt zu Tage getreten: Im Zuge von Revitalisierungsarbeiten an der alten Jesuiten-Universität in der Nähe der Grazer Burg wurde ein frühmittelalterliches Gräberfeld gefunden. Auf Grund der Grabbeigaben kann man die Nekropole ins neunte Jahrhundert datieren und hat damit eine der frühesten Zeugnisse mittelalterlicher Besiedelung der Stadt.

Erst vor kurzer Zeit haben Grabungen am Grazer Hauptplatz gezeigt, dass dieser zentrale Stadtplatz nicht erst seit dem 15., sondern schon seit dem elften Jahrhundert besiedelt war. Die neuesten Funde zeigen, dass die Wurzeln der mittelalterlichen Besiedelung der Stadt noch ein Stückchen weiter, nämlich bis in die Karolingerzeit, zurückreichen. "Der Fund hat uns wirklich überrascht", berichtet Landeskonservator und Grabungsleiter Bernhard Hebert. Erwartet haben sich die Archäologen, die zur Beobachtung der Bauarbeiten herangezogen wurden, spätmittelalterliche Vorgängerbauten der jetzigen Verbauung, gefunden hat man eine Nekropole, die vor rund 1.200 Jahren angelegt wurde und damit zu den ältesten mittelalterlichen Zeugnissen österreichweit gehört.

Fortlaufende Arbeiten

Auf die Nekropole ist man im Zuge der Revitalisierungsarbeiten der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Jesuiten-Universität gestoßen, die zu einem Repräsentations- und Pressezentrum des Landes umgestaltet wird. Der Bau wird im Nachhinein unterkellert. Im Zuge dieser Aushubarbeiten hat man in etwa eineinhalb Metern Tiefe die ersten Funde gemacht. "Wir sind auf ein Gräberfeld mit rund einem Dutzend Bestatteten gestoßen", berichtet Hebert. Auf Grund der Grabbeigaben - vor allem Keramikgefäße, aber auch einige Metallgegenstände - könne man den Totenacker gut ins neunte nachchristliche Jahrhundert oder etwas früher datieren.

Die Körper der Verstorbenen selbst seien "alle sehr geordnet in West-Ost-Ausrichtung" bestattet worden, so Hebert. Dennoch könne man nicht sagen, ob es sich in diesem Fall um ein christliches Gräberfeld handelt oder nicht: "Christen sollten ja eigentlich keine Grabbeigaben haben, das ist eine heidnische Tradition", erläutert der Grabungsleiter. Der Archäologe vermutet, dass sich die Nekropole im Frühmittelalter am Rande der eigentlichen Siedlung befunden hat. Sie dürfte direkt an der alten Handelsroute gelegen sein, die vom Süden kommend über den heutigen Hauptplatz und die Sporgasse Richtung Ungarn geführt hat.(APA)

Am 12. April kann man sich von 10.00 bis 17.00 Uhr in der alten Jesuiten-Uni Bürgergasse / Hofgasse bei einem Tag der offenen Tür selbst ein Bild von den bisherigen Grabungen machen.
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