Stürme behindern Suchaktion

7. April 2003, 18:14
posten

Verlorene Spuren im Wüstensand

Algier/Illizi - "Noch bis Mitte April haben wir die Zeit der Sandstürme. Nicht einmal fünf Meter weit kann man dann sehen, und selbst die Straßen werden unpassierbar. Es ist wie bei einem Schneesturm in Europa."

Aitmesbh Farouk von der Ölfirma Petro Canada aus Illizi im tiefen Südosten Algeriens kann es nicht verstehen, dass viele Touristen gerade in dieser gefährlichen Jahreszeit auf eigene Faust zu Expeditionen in die algerische Sahara aufbrechen. Auch er will bei der Suche nach den verschollenen 29 europäischen Reisenden - darunter acht Salzburgern - helfen und rätselt wie viele in der Gegend, was passiert sein kann.

"Sandstürme erschweren Suchaktion"

"Die Sandstürme der letzten Zeit erschweren die Suchaktion. Die Spuren werden sofort verwischt", berichtet das Tourismusbüro der Region Wilaya, in dem das Städtchen Illizi liegt - Ausgangspunkt und Durchgangsstation für viele Wüstenfahrer. Von Illizi aus ist das algerische Militär vor gut einer Woche zur größten Suchaktion aufgebrochen, die in den vergangenen Jahrzehnten nach ausländischen Touristen unternommen wurde.

Mit Nachtsichtgeräten werden die Grenzregionen nach Libyen und Niger abgesucht. Der Radius reicht inzwischen bis nach Tamanrasset im Hoggar-Gebirge. Während die algerischen Behörden weiter strikt schweigen, verlautete aus dem Tourismusbüro in Illizi: "Es sind nur uralte Autowracks gefunden worden." Hinweise auf die Verschollenen habe es nicht gegeben.

"Nichts als Sand"

Die Nachforschungen am Boden und aus der Luft konzentrierten sich bisher auf einige hundert Kilometer eines ausgetrocknetes Flussbettes (Oued) in der Region um Illizi, hieß es. "Dort gibt es nichts als Sand, soweit das Auge reicht.

Die Hubschrauber können aber bei den Stürmen niemanden sichten", erklärte Tourveranstalter Achmed Zegri aus Illizi. Erst nach dem Ende der Sandsturmzeit würden sich die Bedingungen bessern, um die Touristen zu finden, vorausgesetzt, sie befinden sich noch auf algerischem Gebiet.

Entführung nicht weiter ausgeschlossen

Denn auch eine mögliche Entführung durch terroristische Gruppen wird weiter nicht ausgeschlossen. Darüber wird in der Presse spekuliert, die den Ruf hat, freier berichten zu können als in anderen afrikanischen Ländern. Schwere Gewaltakte gegen Touristen habe es in der Region aber seit Jahren nicht gegeben.

Gegend ist sehr ruhig und friedlich", wird allerorts versichert. Die 35.000 Tuaregs sind für ihre Gastfreundlichkeit bekannt und behandeln ausländische Touristen mit Respekt. Sie sind teilweise Nomaden, aber auch sesshaft und leben in der Gegend zum Teil von Viehzucht und Tourismus und arbeiten auch in der Ölindustrie.

Ohne gute Karte

Fahrten-Veranstalter in Illizi sagen, dass die Gästezahl zuletzt wieder auf viertausend gestiegen ist, so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch Zegri hofft mit den Angehörigen der Vermissten noch auf ein gutes Ende. Aber hinter vorgehaltener Hand kritisieren Einheimische auch westliche Touristen. Die Vermissten seien meist aus Tunesien angereist und auf eigene Faust unterwegs, ohne sich einen einheimischen Führer anvertraut zu haben.

Sie hätten sich weder bei den Behörden gemeldet, noch mit heimischen Reiseagenturen Kontakt aufgenommen. Erst die Angehörigen hätten das Verschwinden gemeldet, die allerdings häufig nichts von den geplanten Reiserouten wussten.

"In dieser Gegend reicht es oft, nur wenig von der Piste abzuweichen, um sich zu verirren. Ohne gute Karte, einen fähigen Führer und ein Satellitentelefon ist man verloren", meint Zegri. Und die Zeitung "le Quotidien d'Oran" zitiert Reisende: "Besonders die deutschen Touristen verlassen sich gern vollständig auf ihre elektronischen GPS-Ortungsgeräte, dabei kann man aber große Fehler machen." (APA/dpa)

Share if you care.