Lage in Krankenhäusern ist kritisch

7. April 2003, 14:19
posten

Rotes Kreuz: Situation in Bagdad dramatisch

Amman - Die Lage in den irakischen Krankenhäusern in den umkämpften Gebieten ist nach Angaben eines Sprechers des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) "kritisch". Wegen der schweren Kämpfe am Wochenende sei die Situation in den Kliniken im Gebiet um Bagdad sogar "dramatisch".

Mu'in Kassis, IKRK-Sprecher in Amman, sagte am Montag, vor allem die Versorgungslage in den Krankenhäusern der Städte Hilla, Kerbala und El Anbar gebe Anlass zur Besorgnis, was die Versorgung mit Medikamenten und Wasser betreffe. In Mahmudia könne das dortige Krankenhaus keine Verwundeten mehr aufnehmen, Verletzte aber auch nicht mehr nach Bagdad schicken, da dort selbst gekämpft werde. Kassis sagte, ihm lägen zurzeit noch keine neuen Berichte vom Montag vor.

"Niemand führt mehr Buch"

In Bagdad seien auf dem Höhepunkt der Kämpfe pro Stunde "bis zu hundert und mehr Verwundete" in die Krankenhäuser gebracht worden. Allerdings sei es unmöglich, angesichts des herrschenden Chaos genaue Angaben zu machen. "Niemand führt mehr Buch darüber, wer wann in eine Klinik eingeliefert wird", meinte Kassis. Da es nicht genügend Ambulanzen gebe, müssten leichter verwundete Soldaten aber auch Zivilisten zu Fuß zur Behandlung kommen.

Besonders kritisch ist die Wasserversorgung in allen Krankenhäusern, die unter den schweren Angriffen der USA besonders gelitten habe. Tausende speziellen Wasserbehältern seien vom IKRK in den vergangenen Tagen vorsorglich an die Hospitäler ausgeliefert worden. Der Vorrat an den Behältern sei inzwischen verbraucht. Mit Hilfe des Roten Kreuzes seien die meisten Krankenhäuser inzwischen an Notstromaggregate angeschlossen. Es gebe jedoch immer wieder technische Probleme und dringende Hilferufe nach Ersatzteilen.

Nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR gibt es trotz der schweren Kämpfe in und um Bagdad noch immer keinen Flüchtlingsstrom in Richtung iranischer, syrischer oder jordanischer Grenze. "Gestern sind ganze drei Iraker über die Grenze nach Syrien gekommen", sagte UNHCR-Sprecher Peter Kessler am Montag in Amman. Er rechne selbst im Falle eines Häuserkampfs in Bagdad oder der zweitgrößten Stadt Basra im Süden nicht unbedingt mit einem Flüchtlingsstrom. "In diesem Fall werden sich die Menschen zwar in Sicherheit bringen wollen, aber eher über kurze Entfernungen."

Sollte es allerdings in den von den alliierten besetzten Städten zu Vergeltungsaktionen und Bluttaten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen untereinander kommen, könne eine Massenflucht nicht ausgeschlossen werden. Nach Angaben Kesslers gibt es bereits unbestätigte Berichte über solche Übergriffe in der Stadt Basra. (APA/dpa)

Share if you care.