"Euer Geld stinkt ...

8. April 2003, 11:20
posten

...nach dem Kadaver des Poeten, der ihr nicht zu werden gewagt habt" - Aktionismus bei Auktion des Nachlasses von Surrealisten-Chef Andre Breton

Paris - Mit kleineren Tumulten hat am Montag die Versteigerung des umfangreichen Kunst-Nachlasses des Surrealisten-Chefs Andre Breton begonnen. "Euer Geld stinkt nach dem Kadaver des Poeten, der ihr nicht zu werden gewagt habt", hieß es auf falschen Zehn-Euro-Scheinen mit einem Breton-Bildnis, die Demonstranten im Pariser Auktionshaus Drouot-Richelieu auf Kaufwillige und Neugierige warfen. Als einer von ihnen Texte des 1966 verstorbenen Schriftstellers Breton und des Kommunisten Leo Trotzki vorlesen wollte, wurde er unsanft aus dem Saal geführt.

Der Schriftsteller Matthieu Benezet warf der französischen Kulturszene vor, sie habe "nichts von der Bedeutung der poetischen und politischen Geste des Surrealismus verstanden". Das Auktionshaus erwartet sich von der Versteigerung der insgesamt 4.100 Stücke aus dem Breton-Nachlass einen Erlös von 30 Millionen Euro. Zum Surrealisten-Kreis um Breton, der sich in den 1920er Jahren zu einer der führenden Kunstbewegungen entwickelte, zählten Max Ernst, Paul Eluard, Louis Aragon und zeitweise auch Salvador Dali.

Bretons Wohnung in der Pariser Rue Fontaine, unweit vom Vergnügungsviertel am Moulin Rouge, war der wichtigste Treffpunkt der Surrealisten. Der Wortführer der Bewegung, der 1924 das Manifest des Surrealismus verfasst hatte, sammelte dort Gemälde seiner Zeitgenossen, Bücher und zahlreiche skurrile Gegenstände sowie Masken und andere Kunstgegenstände aus aller Herren Ländern. Versuche, das Erbe in eine Stiftung zu überführen, waren gescheitert. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Besucher betrachten einige der für die Auktion vorgesehenen Werke Andre Bretons.

Share if you care.