Streetworker sollen Anrainer beruhigen

8. April 2003, 12:56
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Es muss nicht immer die Polizei kommen, oft reicht es, wenn vermittelt wird, meint Wiens neuer Drogenkoordinator Michael Dressel

Wien - Die Wiener Drogenszene soll "sozial verträglicher" werden. Das bedeutet nach Ansicht von Michael Dressel, neuer Wiener Drogenkoordinator, mehr Streetworker müssten losgeschickt werden: "Man muss mehr tun, als nur Suchtkranke betreuen".

Daher sollen die Streetworker an bekannten Plätzen der Wiener Drogenszene, wie dem Karlsplatz, bei der Kettenbrückengasse, dem Westbahnhof oder an der Gumpendorfer Straße auch zu Ansprechpartnern "für Geschäftsleute, Anrainer und für Schulen werden". Das Ziel dieses Ansatzes ist, dass die Bevölkerung sich sicherer fühlt.

"Subjektives Gefühl" versus "objektive Sicherheitslage"

Denn Dressel bemerkt, dass das "subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen nicht mit der objektiven Sicherheitslage" übereinstimme. Das bedeute: Die Leute gingen von wesentlich mehr kriminellen Delikten in der Drogenszene aus, als tatsächlich passieren, erklärt Dressel. Es sei nicht immer notwendig bei Konflikten gleich die Polizei zu holen. Die sei nach wie vor für Kriminelles zuständig, aber oft reiche es, wenn besorgte Bürger sich mit Streetworkern besprechen könnten.

Natürlich will sich Dressel in der Sache mit der Wiener Polizei koordinieren, wenngleich er für "medienwirksame Einzelaktion" mit Massenverhaftungen von Dealern wenig Verständnis zu haben scheint. Es sollen die Strategien der Sozialarbeit mit jener der Polizeiarbeit abgestimmt werden: "Ich bin neu, bei der Polizei gibt es viele Neue" - man werde zusammenfinden.

Um die Jugend bemüht

Neben der Betreuung von Anrainern und Geschäftsleuten will sich Dressel auch mehr um die Jugend kümmern. Er meint, man müsse Präventionsarbeit vom "Drogenetikett" befreien. Das wirke stigmatisierend. Eine Freigabe weicher Drogen wie Cannabis vertritt der Koordinator nicht.

Dressel, der bereits am Wiener Drogenkonzept für eine offene und damit leichter kontrollierbare Szene mitgearbeitet hat und im "Ganslwirt" seine praktische Erfahrung gesammelt hat, wird demnach bei der Organisation der Wiener Drogenpolitik einiges umstrukturieren. Wie das gut 10- Millionen-Euro-Budget künftig ausgegeben wird, welche Bereiche erweitert oder gekürzt würden, könne er noch nicht sagen. Dafür würden Details erst erarbeitet. Aber soviel steht fest: Es werden mehr Streetworker und -workerinnen finanziert.

Die Bestellung Dressels wird von der Opposition kritisiert. Vor allem das Ausschreibungsverfahren für den Posten des Koordinators und damit Bereichsleiters innerhalb des Fonds Soziales Wien hätten externen Experten begleiten müssen. Die Grünen bescheinigen ihm aber Kompetenz, die FPÖ glaubt, dass die "Drogenverharmlosungspolitik" nun fortgesetzt werde.

UNO berät in Wien

Auf lokaler Ebene wird trotz Führungswechsel vom langjährigen Drogenchef Peter Hacker zu Nachfolger Dressel keine Wende in der Drogenpolitik vollzogen. Auch Wiener Boden wird allerdings kommende Woche kontrovers über Drogenpolitik diskutiert. Bei der UNO-Drogenkonferenz (der Standard-Album am Wochenende) geht es um die "Krieg gegen Drogen"-Kampagne nach US-Vorbild. In vielen Städten Europas wird statt mit harten Strafen gegen Süchtige oder Konsumenten vorzugehen, mehr auf Prävention gesetzt. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2003)

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    Michael Dressel, neuer Drogenkoordinator Wiens.

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