Serbischer Innenminister sieht gesuchten Sljivancanin entlastet

7. April 2003, 12:09
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Mihajlovic: Nach jüngsten Ermittlungen soll sich ehemaliger Offizier dem UNO-Tribunal stellen

Belgrad - Der serbische Innenminister Dusan Mihajlovic hat am Sonntag Abend die Verantwortung des jugoslawischen Offiziers Veselin Sljivancanin für das Massaker auf einem Landgut bei der ostkroatischen Stadt Vukovar im November 1991 angezweifelt. Er erwarte, dass sich Sljivancanin nach den entsprechenden Erkenntnissen der serbischen Polizeiermittlungen nach der Festnahme der Täter selbst dem UNO-Tribunal in Den Haag stellen werde.

Für den TV-Sender "Studio B" sagte Mihajlovic, dass die Polizei auch Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Massaker auf dem Landgut Ovcara, wo rund 260 Kroaten ermordet worden waren, führe. "Ich glaube, dass dadurch die Voraussetzungen dafür geschaffen sind, dass Sljivancanin vor dem UNO-Tribunal auftritt, um mit Hilfe der serbischen Regierung seine Unschuld zu beweisen", sagte der Innenminister. Auch habe Sljivancanin nach den jüngsten Polizeierkenntnissen keinen Grund mehr, sich zu verstecken.

Auf der Flucht

Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal waren vor knapp zehn Jahren drei jugoslawische Offiziere - Mile Mrksic, Veselin Sljivancanin und Miroslav Radic - wegen des Massakers auf dem Landgut Ovcara angeklagt worden. Mrksic hatte sich im Vorjahr selbst dem UNO-Tribunal gestellt. Die zwei weiteren Angeklagten der "Vukovar-Troika" befinden sich weiterhin auf der Flucht.

Gerüchte um Involvierung von Milizeinheiten

In seiner Aussage vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal hatte einer der Belastungszeugen im Prozeß gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, der Belgrader Journalist Jovan Dulovic, auf die Gerüchte hingewiesen, wonach das Massaker in Ovcara nicht vom Militär, wie weithin angenommen, sondern von Milizeinheiten unter Kontrolle der serbischen Polizei verübt worden sei.

Mihajlovic präzisierte allerdings nicht, wer die tatsächlichen Vollstrecker des Massakers bei Vukovar gewesen sein sollen. Soweit bekannt, waren auf dem Gebiet von Vukovar verschiedene serbische Milizen tätig, deren Angehörige erst später in die Spezialpolizeieinheit "Rote Barette" aufgenommen worden waren.(APA)

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    Sljivancanin hatte im Vorjahr mit Selbstmord gedroht, falls man versuchen würde, ihn auszuliefern.

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