Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

7. April 2003, 11:02
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Bedarf nach Networking mit Forschungs-Einrichtungen der EU-Partner versus Sparkurs der Regierung

Hinter den Kulissen ist schon von einem "Blutbad" die Rede. Noch steht zwar nicht fest, wie sich die Budgetverhandlungen auf die Prosperität der heimischen Forschung und Entwicklung (F&E) auswirken werden. Die von sechs auf zehn Prozent hoch geschraubte Kürzung der Ermessensausgaben lässt aber ein Gemetzel befürchten. Somit liegt das Schicksal der Fonds, Kompetenzzentren, Labors und Forschungszentren in den Händen der Minister. Sie müssen entscheiden, ob das Geld bei Straße, Hochbau oder Innovation gekürzt wird.

Vergleichsweise glimpflich dürfte die Operation bei den zwecks Technologietransfer von Wissenschaft und Wirtschaft etablierten Kompetenzzentren verlaufen. Nicht weil diese von Verkehrs-, Innovations- und Technologieministerium (BMVIT) und Wirtschaftsministerium (BMWA) so geliebt werden, sondern weil sie mehrjährig angelegt sind und vom Forschungsrat mit mehreren Tranchen an Sondermitteln aus den "Technologiemilliarden" (509 Mio. Euro) bedacht wurden.

Es wäre nun ein Leichtes, die K-Zentren einfach zahlenmäßig zu reduzieren und das wenige Geld auf weniger Empfänger aufzuteilen. Dies würde allerdings zu kurz greifen. Denn so unterschiedlich K-plus, K-ind, K-net, AplusB und Christian-Doppler-Labors (CD-Labors) arbeiten, so differenziert sind ihr Ansatz, ihre Arbeitsweise und Hebel.

Simpel AplusB nennt sich das Impulsprogramm für Spin-offs aus Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen, das von der Technologie Impulse Gesellschaft (TIG) entwickelt wurde. A steht für Akademiker, also risikobereite Wissenschafter, die ihr Know-how in einer eigenen Firma weiter entwickeln und als Produkt verwerten wollen.

B steht für den "trockenen" Teil, das Business - von der Erstellung eines Businessplans über die (möglichst realistische) Einschätzung des Marktpotenzials, Firmengründung und erste Schritte in den Unternehmensalltag. Als Biotope für die Hightech-Pflänzchen fungieren fünf Gründerzentren in Graz (Science Park), Klagenfurt/Villach (Build!), Innsbruck (Cast-Tirol) Linz (Tech2b) und Wien (Inits), die ihrerseits von internationalen Juroren im Auftrag der TIG auf Professionalität geprüft wurden.

"Grundbedingung für die Aufnahme in ein AplusB-Gründerzentrum ist, dass die Eigentumsrechte einer Entwicklung geklärt sind", stellt Dorothea Sturn, die Leiterin des AplusB-Programms bei der TIG, klar. Denn ohne Patente können keine Verwertungsstrategien entwickelt werden - ein wichtiger Baustein künftiger Einnahmen.

Zwecks Know-how-Transfers hat jedes Gründerzentrum einen mit der benachbarten Uni kompatiblen Fokus: Bei Build! sind es etwa Digitaltechnologien und Brennstoffzellen für Handy & Laptop, bei Inits und Cast Bio- und Info-technologien. In allen Zentren sind Ausgründungen aus den jeweilen Unis eingenistet, die ersten werden bald flügge.

Unscheinbar K-ind und K-net heißen die 18 industriellen Kompetenzzentren und Netzwerke, die vom Forschungsförderungsfonds FFF abgewickelt und evaluiert werden. Während AplusB die Zahl der innovativen und technologieorientierten Existenzgründungen aus dem akademischen Sektor steigern soll, schließen sich Wissenschaft und Wirtschaft bei K-ind und K-net in Arbeitsgemeinschaften oder GesmbHs zwecks Aufbau von breitem anwendungsorientiertem Wissen zusammen. Die Themenfelder der 18 K-ind-Zentren - weitere fünf stehen auf der Warteliste - sind vielfältig, von Werkstofftechnologien, Mechatronik über Life-Sciences, Umwelt, Energie & Licht bis hin zu Automation. Weiterer wesentlicher Unterschied zu K-plus: Förderungen werden nach dem Antragsprinzip vergeben, Patente und Vermarktung übernimmt meist der Leadmanager aus der Industrie, der auch 40 Prozent der Kosten trägt.

In einem strengen wissenschaftlichen Wettbewerbsverfahren bewähren mussten sich die 18 K-plus-Zentren, die ebenfalls von der TIG entwickelt und gemanagt werden. Anders als bei K-ind/K-net ist hier der Aufbau neuen Wissens gefordert, und zwar mehrjährig im Gleichschritt von Industrie und Wissenschaft. Auch hier ist die thematische Streuung breit von Holzchemie bis Telekom.

Eine Symbiose aus Naturwissenschaft, Technik und Industrieforschungsbedarf besteht in den ursprünglich für die Verstaatlichte Industrie gegründeten Christian-Doppler-Laboratorien (CDL): An Unis und Forschungszentren eingerichtet, verschafft sich die Industrie den direkten Zugang zu neuem, anwendungsrelevantem Wissen. Ein CDL muss strenge Tests durchlaufen, ehe es seine siebenjährige Tätigkeit aufnimmt, die "Oberhoheit" hat der Laborleiter. Seit 1995 stehen die CDL auch anderen Firmen offen, bei Bedarf folgen sie ihnen sogar ins Ausland. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 4. 2003)

Networking mit Forschungseinrichtungen der EU-Partner ist gefragt, will Österreich am sechsten EU-Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung (F&E) partizipieren und seine F&E-Quote bis 2006 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben. Statt einer Offensive zur Steigerung der Innovationsleistung der Wirtschaft erwartet Österreichs Forschungsnetzwerke mit dem Sparkurs der Bundesregierung zunächst ein Jahr der Dürre. Die aufgehende Saat droht zu vertrocknen.
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