UNHCR-Sprecherin: Flüchtlingslager in Jordanien sind leer

7. April 2003, 10:47
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"Saddam zwingt mit Terror die Bevölkerung, in den Städten zu bleiben"

Rom - Die Aufnahmelager, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR für die Kriegsflüchtlinge aus dem Irak in Jordanien aufgebaut hat, sind leer. "Die irakische Regierung macht Druck auf die Bevölkerung, damit sie sich nicht in Bewegung setzt. Laut Zeugenberichten wurde ein Dekret erlassen, demnach die Menschen in ihren Wohnungen bleiben müssen, wollen sie die Konfiszierung ihrer Güter und den Verlust ihrer Staatsangehörigkeit vermeiden", betonte die UNHCR-Sprecherin Laura Boldrini im Interview mit der Turiner Tageszeitung "La Stampa" (Montagsausgabe).

Wer den Irak verlasse, werde als Verräter behandelt und seine Familienangehörige würden dementsprechend verfolgt. "Familien mussten sich trennen. Ägyptische Staatsbürger, die mit irakischen Frauen verheiratet sind, haben die Flucht nach Jordanien ergriffen. Ihre Frauen sind geblieben, um Racheaktionen gegen ihre Familienangehörige zu vermeiden. Sie hoffen, später in Syrien wieder zusammenzukommen", so Boldrini.

Nahrungsmittelrationen

Die irakische Bevölkerung habe vor Kriegsbeginn Nahrungsmittelrationen für ein Monat erhalten. Dies bedeute, dass die Leute noch keinen Hunger leiden. "Hinzu kommt, dass es sich um keinen Zivilkrieg handelt, es gibt keine Strategie, um die irakische Bevölkerung zu vernichten. Die Leute leiden an den Kriegsfolgen, sie sind aber kein Angriffsziel", sagte die UNHCR-Sprecherin.

Das UN-Flüchtlingswerk sei jedenfalls bereit, bis zu 20.000 Personen im jordanischen Ruwashed aufzunehmen. "Es könnte sein, dass ein Teil der Gesellschaft gegen Saddam rebelliert und ein Teil dem Diktator treu bleibt. Die Lage könnte sich verschlimmern. Sollte der Krieg länger dauern, könnten die Menschen zur Flucht gezwungen sein, weil die Lebensmittel nicht mehr ausreichen", erklärte Boldini.

"Oil for food"

60 Prozent der Bevölkerung sei vollkommen vom Programm "Oil for food" (Erdöl für Lebensmittel) für die Nahrung abhängig. "Entweder führt man dieses Programm wieder ein, oder man muss den Menschenrechtsorganisationen auf irgendeine Weise erlauben, mit Korridoren das Land zu erreichen. Andernfalls könnte ein ganzes Land zur Flucht gezwungen werden", meinte die UNHCR-Sprecherin.(APA)

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