Europas Mobilfunkkonzerne verbünden sich gegen Vodafone

8. April 2003, 08:54
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TIM, T-Mobile und Telefonica planen einheitliche Services über Landesgrenzen hinweg

Die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile, die spanische Telefonica Movile und die italienische Telecom Italia-Tochter TIM haben eine Mobilfunk-Allianz gegen die Übermacht des weltgrößten Mobilfunkanbieters Vodafone geschmiedet. Mit gemeinsamen Angeboten für Sprachdienste, Datenübertragung und mobiles Internet soll diese Allianz weltweit 162 Mio. Kunden in 25 Ländern erreichen, teilten die drei Unternehmen am Montag in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Die "vermutlich größte Kundenbasis der Welt"

Damit werde sie es auf die "vermutlich größte Kundenbasis der Welt" bringen. Der derzeitige internationale Marktführer Vodafone zählte Ende vergangenen Jahres weltweit 112,5 Mio. Kunden. Die Allianz bezieht sich allerdings nur auf eine verstärkte Zusammenarbeit und bedeutet keine Fusion der drei Unternehmen.

Vereinfachte Tarife

Die Kunden würden von der Kooperation der drei Anbieter zunächst durch vereinfachte Tarife profitieren, teilte T-Mobile mit. Überdies würden spezielle Roaming-Verfahren dafür sorgen, dass die Dienste künftig im Ausland ebenso einfach genutzt werden könnten wie im jeweiligen Heimatland des Kunden. So soll den Angaben zufolge etwa das Aufladen von Prepaid-Karten im Ausland und die Nutzung von SMS-Diensten mit den gleichen Kurzwahlnummern wie in der Heimat ermöglicht werden, außerdem eine vereinfachte Versendung von MMS-Fotos über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.

"In einer zweiten Phase werden wir die Zusammenarbeit vertiefen und die Allianz ausdehnen."

Laut Marco de Benedetti, Chef von Telcom Italia Mobile (TIM), ist das Angebot gemeinsamer Dienste und Tarife nur die erste Stufe der Kooperation: "In einer zweiten Phase werden wir die Zusammenarbeit vertiefen und die Allianz ausdehnen." Unter anderem soll die Allianz weiteren Mobilfunk-Anbietern offen stehen, betonten die Firmen. Beim Vertrieb, aber auch bei der Entwicklung von Endgeräten und Zubehör erhoffen sich die Partner Synergieeffekte. Ziel sei es, neue Privatkunden, aber auch Geschäftskunden und multinational tätige Unternehmen zu gewinnen.

98,3 Millionen Kunden

Derzeit bringen es die drei Beteiligten in Westeuropa auf 98,3 Mio. Kunden, in Lateinamerika auf 36,6 Mio. und in den USA auf 9,9 Mio.. Hinzu kommen den Angaben zufolge 14,4 Mio. Nutzer in Osteuropa und 2,8 Mio. Kunden in den Mittelmeer-Anrainerstaaten. Ihren potenziellen Markt schätzen die drei Unternehmen auf eine Milliarde Nutzer. In Österreich ist T-Mobile mit mehr als 2 Mio. Kunden vertreten.

T-Mobile-Chef Rene Obermann erklärte in Bonn, nach seiner Ansicht würden Industrie-Partnerschaften dieser Art "die Zukunft der Telekommunikationsindustrie prägen." Zunächst müssten sich die Unternehmen jedoch mit den zuständigen Behörden abstimmen.(APA)

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