Böhlers Glanz etwas matter

7. April 2003, 19:36
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Schlechte Konjunktur hat Spuren hinterlassen - Umsatz und Betriebsergebnis schrumpften

Wien - "Es war ein schwieriges, aber kein schlechtes Jahr", meinte Horst Königslehner, Finanzvorstand des Edelstahlerzeugers Böhler-Uddeholm (BU) bei Vorlage der Bilanz am Montag. Der Umsatz blieb mit 1,44 Milliarden Euro um fünf Prozent hinter dem Rekordjahr 2001 zurück, das Betriebsergebnis (Ebit) schrumpfte um 15 Prozent auf 111,9 Mio. Euro. "Es war leider so, wie erwartet", sagte BU-Generaldirektor Claus Raidl, der "nie an die Prognosen für den Aufschwung im Herbst 2002 geglaubt" hat. Eine leichte Belebung gab es demnach im vierten Quartal.

Verhalten bis optimistisch auch der Ausblick für 2003: "Das erste Quartal war nicht so schlecht", sagte Raidl. Der Auftragseingang belief sich auf rund 260 Mio. Euro, was etwa der Größenordnung des Vorjahresquartals entspreche. "Das große Fragezeichen hängt über dem Herbst. Wir sehen derzeit noch keine wirkliche Belebung", sagte Raidl. Da sowohl das US-Manufacturung zurückgehe als auch die EU-Wachstumsprognosen revidiert wurden, müsse man davon ausgehen, "dass heuer leider nur wenig besser wird als 2002."

High-Performance-Metals "volatil"

Als "Hauptschuldige" am Rückgang in der "sehr volatilen" Sparte High-Performance-Metals (Langprodukte, Werkzeugstahl), mit 73 Prozent Hauptumsatzbringer von BU, nannte Raidl den Energiesektor, die Flugzeug- und die Elektronikindustrie. Hier sei die Zurückhaltung deutlich spürbar, sowohl bei Boeing als auch bei Airbus gingen Bauserien zurück. "Das werden wir auch heuer spüren."

In Kombination mit den hohen Energiepreisen in Schweden und in Österreich zwinge dies weiter zu Sparsamkeit bei den Kosten. "Sparen ist eine permanente Sache." Dramatische Einschnitte beim Personal seien nicht geplant, man müsse mit Überstundenabbau, Reduktion der Leiharbeiter und diversen "Anpassungen" auskommen. Letzteres gilt für Böhler-Schmiedetechnik, die weiter zurückgefahren werde. Ein sicherer Hafen ist die Autoindustrie, mit 34 Prozent ein großer und stabiler Abnehmer.

Keine großen Zukäufe geplant

Große Zukäufe seien nicht geplant, wohl aber in Händler sowie Investitionen in asiatische Härtereien. Etwas "Beweglichkeit" in der Division Welding Consumables (Stab-und Drahtelektroden, Schweißzusätze, Lötwerkstoffe) verschaffe der Kauf des BU'schen Hälfteanteils am Jointventure (mit Thyssen-Krupp) Böhler-Thyssen Schweißtechnik bringen, das BU vorbehaltlich der Fusionskontrollbehörden gekauft hat. Dadurch erhöht sich der BU-Umsatz um 263,6 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) um 20,5 Mio. Euro und die Zahl der Mitarbeiter um 1568.

Die Investitionen wurden von 139 auf 95,1 Mio. Euro zurückgefahren, blieben damit aber noch deutlich über den Abschreibungen in Höhe von 86,9 Mio. Euro. Als Gesamtdividende (Basisdividende plus Bonus) wird der Hauptversammlung am 12. Mai 2,40 Euro (nach 2,70 Euro im Vorjahr) vorgeschlagen. (ung/DER STANDARD Print-Ausgabe, 8.4.2003)

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