Das allerunheimlichste Tier

10. Februar 2010, 19:16
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    foto: upi

    Vollmond lässt den Wolfsmann laut aufheulen: US-Star Benicio Del Toro als und in "The Wolfman", Joe Johnstons Horrorfilm

Joe Johnston ist mit "The Wolfman" eine überzeugende Neudeutung eines klassischen Horrorsujets gelungen

Der Fluch, der einen Mann zum Wolf werden lässt, lebt derzeit im Kino wieder auf.

Wien - Wer die Bestie tötet, tötet den Menschen in ihr. Doch ist der Mensch, der sich in die Bestie verwandelt, nur deshalb zu schonen, weil man um sein wahres Ich Bescheid weiß? Oder muss der Mensch in Tiergestalt getötet werden, weil er noch um vieles gefährlicher ist als das Tier in ihm?

Der junge Mann, der zu Beginn auf das Schloss seines Vaters nach Blackmoor ins viktorianische England zurückkehrt, ist jedenfalls bereits vor seiner Ankunft ein Meister der Verwandlung: Als amerikanischer Schauspieler steht Lawrence Talbot (Benicio Del Toro) gerade in London auf der Bühne und gibt den Hamlet, als ihn die Nachricht vom grauenhaften Tod des Bruders ereilt. Sein "To be or not to be" bekommt man natürlich nicht zu hören, und doch hallen die Worte nach: Sein oder Nichtsein wird für Talbot nämlich die Frage nach einer anderen Form der Existenz.

Wie kein anderes Subgenre des Horrors lebt der Mythos vom Werwolf von der Angst der Grenzüberschreitung. Es ist kein Zufall, dass es mit dem aus Nazi-Deutschland geflüchteten Curt Siodmak ein deutscher Autor war, der mit dem Drehbuch zu "The Wolf Man" eine bis heute gültige Referenz des Gothic Horror schrieb. "Ich fühlte mich unter den Teutonen wie ein Bürger zweiter Klasse", notiert Siodmak in seiner Autobiografie "Unter Wolfsmenschen". Als Lon Chaney Jr. 1941 in der Titelrolle heulend und zähnefletschend durch wabernden Bodennebel stapfte, war das starre Schema der Werwolf-Fabel - Fluch, Verwandlung, Verfolgung und rituelle Tötung - schließlich auch auf der Leinwand besiegelt.

Schauermär mit Mehrwert

Im Gegensatz zu seinem Vetter, dem aristokratischen Vampir, geriet der Werwolf - mit Ausnahmen wie John Landis' "American Werewolf" oder Joe Dantes "The Howling" - filmhistorisch ins Hintertreffen. Dass sich Joe Johnstons Neuadaptierung "The Wolfman" nun das dramaturgische Korsett zwar umschnürt, aus den einzelnen Stationen aber jeweils entsprechenden Mehrwert zu schöpfen weiß, ist also wesentliches Verdienst seines Autors Andrew Kevin Walker. Dieser widmete sich schon für Tim Burtons Schauermär "Sleepy Hollow" dem unheimlichen Volksglauben.

Auch in "The Wolfman" rollen Köpfe, doch moderne Ermittlungsmethoden sind der Ordnungsmacht (Hugo Weaving) hier fremd. Ein tierisches Gemetzel ist blutig, aber kurz; eine menschliche Folter im Dienste der Wissenschaft in den Händen der Londoner Zivilisation dafür schmerzhaft und lang. "Sei tapfer" meint Anthony Hopkins als Sinnbild des degenerierten Adels zu seinem verlorenen Sohn. Und doch ist die Familiengruft die Keimzelle des Übels.

"The Wolfman" kombiniert die Bausteine der Sage - der Fluch der Ahnen, der Werwolf als Proletarier, Regression und Amnesie - und behält dennoch die große Idee der Metamorphose: eine Form von Überschreitung auch in ein neues Zeitalter. Hier ergeben die entsprechenden Topoi endlich auch im Blockbuster-Kino wieder ein homogenes Ganzes: Das nebelige Moor dient der Andeutung und nicht der Ausmalung; die Tierfiguren im Schlosspark bilden ein Labyrinth der Ausweglosigkeit. Und sogar die Liebe findet dort statt, wo sie hingehört: nämlich ganz am Ende im - wieder - menschlichen Auge des Betrachters. (Michael Pekler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2010)

 

Kommentar posten
22 Postings
spoiled ballot
00
waren die maskenbildner fans der familie petz

der wolfman erinnert sehr stark an opa petz.

sonst sehr fad.

bunte
00
26.2.2010, 13:43
LAFF

ich bemühe mich gar nicht eloquent zu sein.
im nachhinein fühl ich mich vom film irgendwie ausgelaugt. uninspiriert. schade ums geld.

MaG.
11
15.2.2010, 00:10
Opinions are like a**holes, ...

Zum Film: Der bessere Titel für "The Wolfman" wäre gewesen "The Wolf-BOO!-Man". Anthony Hopkins spielt nach der Methode "Ich bin nur hier, um meinen Scheck abzuholen". Die vielen Nachdrehs offenbaren sich in Handlungsbrüchen. Und das größte Vergehen des Films ist, die Werwolf-Geschichte zu einer Splatter-Orgie gemacht zu haben.

Zur Rezension: Das passiert nun mal, wenn ein Filmkritiker vor lauter Euphorie über die wie von selbst heraussprudelnden Wortarabesken vergisst, dass er eigentlich einen Drecksfilm gesehen hat.

queen of soup
00
24.2.2010, 17:12

kann ich leider nur unterschreiben. ein veritabler schmarrn, dieser wolfman: wildes spezialeffektgewitter, sonst nicht viel. habe mich schon lange nicht mehr so gelangweilt bei einem film, der blockbuster werden will, sehr schade, hatte mich richtig gefreut.

lou cyphre
00
16.2.2010, 11:34
ich war auch enttäuscht...

hab mir grad wegen der darsteller mehr erwartet...

abrissbirne
03
11.2.2010, 13:53

pfauh, der herr pekler hat bei gedichtinterpretationen in der schule sicher imma einen einser ghabt.

shoestar
 
00
11.2.2010, 12:55
zum heulen

sind wir nicht alle einsame wölfe, männer?

THE MGT.
01
16.2.2010, 04:49

Ich betrachte mich ja eher als Murmeltier, aber das gibt filmisch nicht viel her.

Muffel
 
00
17.2.2010, 14:17

Da sind Bill Murray und Punxsutawney Phil sicher anderer Meinung!
;-)

cheesus
00
17.2.2010, 02:37

sag das nicht...

wronskys ohren
04
11.2.2010, 11:16

na rauscher und marin; lykantrophie in wien nur mit hundeführerschein?

Greyarea
 
00
11.2.2010, 14:00
made my day

Nimain Volbaad
60
11.2.2010, 07:24
Schwachsinniger Film!

Hythlodeus
01
11.2.2010, 12:15

schwachsinniges posting

noname2010
01
11.2.2010, 09:23
schon gesehen?

Nimain Volbaad
40
11.2.2010, 12:44
Okay, ich korrigiere mich: Hervorragender Prachtfilm!

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
11.2.2010, 14:47
Na wos jetzt?!

*g*

Rigglerobber
00
11.2.2010, 13:44
Sie ändern Ihre Meinung aber leicht...

und bei dem gravierenden Mangel an Entschiedenheit soll man ihnen irgendwas glauben? tztztz ;-)

Mehr Licht ins Dunkel
02
11.2.2010, 17:35
Ich möchte es auch mal probieren...

Der Film ist ein großartiger Schmarrn!

mikeyman
01
11.2.2010, 07:10
hinzugefügt werden kann, dass der österreicher paul haslinger kurzzeitig den soundtrack komponierte.

haslinger sprang für danny elfman ein, der nun allerdings wieder zurück ins boot geholt wurde...

Sitacui
10
11.2.2010, 17:12

Die letzte bemerkenswerte Filmmusik hatte Spiderman.

Anvuzs
00
17.2.2010, 19:11
Quatsch

Mike Pattons Score zu "Crank 2" !!!!

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