Verkehrtes Danaergeschenk

10. Februar 2010, 21:24

Mit der Hilfe für Griechenland werden Schuldenmeister und Spekulanten belohnt

Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit: Die EU hat sich - bei allen offenen Fragen über Ausmaß und Art - auf Hilfen für Griechenland verständigt. Offenbar war der Wellengang in der Ägäis in Form verunsicherter Finanzmärkte und internen Widerstands gegen einen rigiden Sparkurs zu groß, um auf eine internationale Rettungsaktion verzichten zu können.

Am heutigen EU-Gipfel in Brüssel werden die Staats- und Regierungschefs ihre Rückendeckung mit stolzer Brust als Akt der Solidarität preisen. Doch die Kosten des Pakets und - weit bedeutender - der nachhaltige Schaden für die Eurozone sind hoch. Weit höher, als ein Staatsbankrott Griechenlands zu veranschlagen wäre.

Da wäre einmal der moralische Schaden für die Union, der durch den Vertragsbruch entsteht. Vor der Gründung der Währungsunion wurden mehrere Prinzipien verankert, die Hilfen für ein Mitglied untersagen. Zwar gibt es einen Ausnahmeparagrafen, wonach neben Naturkatastrophen auch "außergewöhnliche Ereignisse, die sich seiner (der des Staates) Kontrolle entziehen" , einen Grund für Unterstützung darstellen. Das Fälschen von Budgetzahlen ist zwar fraglos "außergewöhnlich" und hat dem Land überhaupt den Euro-Eintritt ermöglicht. Allerdings war die Verschleierung Strategie und keineswegs außerhalb der Kontrolle Athens.

Nun wären zwar auch Umgehungskonstruktionen denkbar, indem Partnerstaaten bilateral Hilfen gewähren (und Brüssel nur koordiniert) oder indem Paris oder Berlin Anleihen begeben und die Einnahmen nach Athen überweisen. Doch all das ändert nichts am Geist des Vertrags, der ganz klar auf die budgetäre Eigenverantwortung der Eurostaaten abzielt.

Genau diese Prinzipien haben ihre volle Berechtigung, geht es doch um die Stabilität der Gemeinschaftswährung. Niemals hätten Gründungsmitglieder wie Deutschland oder Österreich der Aufgabe ihrer (harten) Währung zugestimmt, wären die Fundamente des Euro nicht so tief eingebettet worden. Offenbar nicht tief genug, denn künftig wird das gesamte Gebäude gehörig wackeln. Auch andere Staaten haben große Budgetprobleme und können sich nun getrost auf einen Blankoscheck aus Brüssel, Berlin oder Paris verlassen. Wenn dieser von Schwergewichten wie Italien in Anspruch genommen werden sollte, dann wäre es mit der Stabilität des Euro dahin. Die griechische Tragödie wäre dann endgültig eine europäische.

Was bewegt die Staatenlenker also zum Bail-out? Es dürfte wieder einmal um die eigenen Banken gehen, die hohe Bestände griechischer Staatsanleihen in ihren Büchern stehen haben. Die Papiere verkauften sich dank hoher Renditen wie die warmen Semmeln. Eine Feuerwehraktion der Union tritt somit nicht nur die Prinzipien der EU mit Füßen und belohnt die Schuldenmeister, sondern vergoldet auch noch die Nase der Spekulanten, die auf ein internationales Fangnetz gesetzt haben. Besonders arg trieben es die griechischen Institute, die Ausfallsversicherungen auf Staatsanleihen verkauften und damit einen gigantischen Reibach machten.

Gegen all diese - politischen wie volkswirtschaftlichen - Kosten wären die durch einen Bankrott Griechenlands verursachten Verwerfungen auf den Märkten ein kleineres Übel.

So aber überreicht die EUein verkehrtes Danaergeschenk: weil diesmal Griechenland beschenkt wird und die Geber den Schaden erleiden.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
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aha15
00
11.2.2010, 19:44

wann wurde denn dieser beitrag geschrieben?! die eu hilft. aber nicht mit geld! hier stimmt was nicht..

Graf Bobby
01
11.2.2010, 14:57
Tunnelartiges Denken


Dadurch, dass mittlerweile jede Abweichung von der Normmeinung als Verrat an der europäischen Idee und Einigung gebrandmakt wird, kann es dazu kommen, dass Länder wie Griechenland wider besseres Wissen aller beteiligten Experten und Bürokraten in die EUrozone aufgenommen wurde.

Ähnlich verhält es sich bei Erweiterungen, den neuen Institutionen wie Präsident usw.

Politiker, Bürokraten in Brüssel wie den Mitgliedsstaaten können es sich schlicht nicht leisten, abweichende Meinungen vom generellen Diskurs nachdrücklich zu äußern. "Jo, da ka ma nix mochn...."

max 1231
 
01
11.2.2010, 14:39
das wirliche übel sind die politiker die es akzeptiert

haben dass die südschiene in den euroraum komm. ein jeder weiss dass griechenland, itealien, spanien, portugal und zum teil auch frankreich IMMER ein problem mit gelrrauswerfen, hohe inflation usw. hatten. ein jeder weiss auch das sich diese leute nie ändern werden, denn dies ist übliche mentalität. nun haben diese nicht besonders klugen leute sprich politiker, europa wieder in eine schuldenkatastroph gestürtzt, als wie wenn nicht schon genug schulden da wären. jetzt fangen diese typen mit sicherheit an bei denen die noch ein bisschen cashflow haben also deutschland und österreich geld locker zu machen. ich finde da muss man konsequent NEIN sagen, die griechen, spanier, portugiesen und italiener müsen vom euro abgekoppelt werden !

mawi89
00
11.2.2010, 14:29
Spekulanten belohnt

Belohnt wird eigentlich niemand. Griechen mit (viel) Geld haben es schon immer als "Sport" empfunden, den Staat zu betrügen. Der "kleine Mann" der jetzt auf die Straße geht, hat höchstens mit Schwarzarbeit den Staat betrogen.
Die EU muß jetzt höllisch aufpassen, wohin das Eurogeld fließen wird. Am Besten wäre ein Kontrollkommisar vorort der über jeden Euro genau abrechnet und den Geldfluß kontrolliert. Es darf kein Geld über Mittelsmänner fließen, keine Vorauszahlungen geben und jede Endabrechnung auf Euro und Cent geprüft sein bevor bezahlt wird. Ich gehe sogar soweit zu sagen, daß in dieser Kontrollbehörde kein einziger Grieche sitzen darf! Natürlich gibt es auch noch andere Nationalitäten die dort nicht sitzen dürfen! Große Transparenz !

Protagoras v. Abdera
01
11.2.2010, 13:38
Aus der gemütlichen Standard-Redaktion kommt Schnauder zum Schluss: Ein Bankrott wäre das kleinere Übel

Weil er sich Sorgen macht, dass Spekulanten Nutznießer sein könnten. Na ja, Herr Schnauder, Spekulanten wären nicht Nutznießer, wenn endlich die Finanzmarktregulierungen in Angriff genommen werden, inklusive eines internationalen Währungsregimes, dass Währungsspekulationen verhindert. Die einfache Bevölkerung Griechenlands durch die Austeritätsmaßnahmen die Rechnung bezahlen zu lassen, ist noch unfairer als ein "bail-out". Nicht nur hinsichtlich des moralischen, sondern auch des politischen und sozialen Schadens, der widrigenfalls verursacht würde.

Clemo
01
11.2.2010, 14:30
Schrecken?

Wie sagt der Volksmund? Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
In anderen Worten:
Ein Bankrott könnte (nobody knows the future) ein Ende der Finanzprobleme Griechenlands mit Schrecken bedeuten, ein Bail-Out der EU oder von einzelnen Staaten jedoch ein Schrecken ohne Ende.

Protagoras v. Abdera
01
11.2.2010, 14:45
Ich hab keinen Schreck,

sondern die, die in Europa auf den großen Vermögen sitzen und sich vor einer Abwertung des Euro fürchten. Die Politik der EU und ihrer Mitgliedländer hinsichtlich Griechenlandes ist also -einmal mehr- eine zugunsten der Finanzmärkte anstatt zugunsten der Menschen.

Silent Hunter
00
11.2.2010, 13:15

griechenland gehört sofort aus der eurozone geschmissen! alles andere wäre finanzwirtschaftlicher wahnsinn!!!!

wäre gleichzeitig ein gutes signal an staaten sie portugal, spanien oder italien!

der euro war ja ein guter gedanke, nur leider war sowas vorherzusehen, wenn man sich anschaut welche länder da mitmachen durften weil es die wirtschaft so wollte! jetzt sollen halt wieder die steurzahler zu kasse gebeten werden, damit die leute die sich eh schon die taschen vollgestopft haben so weiter machen können wie bisher!

ich hoffe, die ganze g`schicht fällt uns nicht allen bald auf den kopf...es ist leider schon 5 vor 12!

Die Ente Lippens
02
11.2.2010, 11:58
Also Lektion fuer Oesterreich: Schulden machen auf Teufel komm raus, den "Sozialstaat" munter ausbauen auf SChulden, und dann gemeinsam mit Neugebauer fleissig gegen jedes Sparen demonstrieren und sich auf die Hilfe der EU freuen!

der elch mit dem kelch
00
11.2.2010, 11:49
vielleicht blöde frage

aber wenn ein staat schulden hat - kann er dann an die schuldner etwas abtreten um diese zu begleichen? - z.B. griechenland verkauft die akropolis oder sonstige immobilien oder kulturschätze an die schweiz.

ist so etwas möglich?

I bis
00
11.2.2010, 16:18


Griechenland hätte jede Menge schöner Inseln, von denen manche schon früher anderen europäischen Staaten gehört haben. Sie könnten jetzt Rhodos oder Korfu versteigern.

Protagoras v. Abdera
00
11.2.2010, 14:47
Nicht nur möglich sondern auf vielfach praktiziert

Jedes neoliberale Privatisierungsprogramm zur Budgetsanierung bzw. Schuldentilgung ist nichts anderes (auch in Österreich unter schwarz-blau).

Theobald Tiger
07
11.2.2010, 11:15
Könnte technisch nicht ad hoc sagen

wie es ginge, aber die richtige Konsequenz wäre, Griechenland aus der Eurozone zu werfen.

Da griechische Demonstranten die EU-Fahne verbrennen, sollte ihre Regierung zum Teufel doch wieder die Drachme einführen.

Alkolix
00
11.2.2010, 13:47
sie haben den artikel nicht gelesen

das würde die nächsten bankenrettungsprogramme in den gläubigerstaaten nachsichziehen

also wir sind genauso abhängig von griechenland wie griechenland von uns

sobald sie sagen pleite - staatsschulden werden nicht zurückgezahlt gibt's dann wohl die nächste finanzkrise

Theobald Tiger
00
11.2.2010, 13:51
Mit den Bankenrettungsprogrammen

sollte es vorbei sein. - Ich weiß, ich weiß: zuviele SOLL, zu wenig politisches IST.

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
08
11.2.2010, 11:13
Einzige Lösung!


Gut kontrollierte Staatsbanken mit exakt 2 Aufgaben.

1. Sicheres Sparen (gesicherte Einlagen)
2. Günstige Kreditvergabe

Die "Finanzwirtschaft" an sich brauchen nur faule Parasiten!

myschkin
00
11.2.2010, 11:20

Das hätte nie anders sein dürfen.
Aber was tun mit der Finanzwirtschaft?

http://derstandard.at/plink/126... 5/15566948

lessismore
00
11.2.2010, 11:41

Das sind GENAU die, die immer diese "harten Sparpakete" verlangen. Geben wir ihnen doch eins!

Wasmichstört
00
11.2.2010, 11:10
Die EU wird sich hüten...

...die wahren Schuldigen wie Politiker, Manager, Banker abzustrafen... das könnte ja dann irgendwann in die eigenen Augen gehen! - deshalb wird jetzt mal die Lohnempfänger "abgestraft"... das alles wird dem Verständnis und der Unterstützung der EU nicht dienlich sein!

Ernesto Chavez
15
11.2.2010, 10:22
Dieses System wird sowas von kippen, und dann

wird ein europäischer Krieg ausbrechen, gegen den der WWII ein Schass sein wird.
Weil man sich in der EU sich ein Ende mit Schrecken für einzelne Banken und Länder nicht traut zuzulassen, wird das ganze in einem Schrecken ohne Ende münden....
Too big to fail:man hätte die alle failen lassen sollen. Was jetzt in 5-7 Jahren auf das System zukommt, das wird schiacher, und das wird kein Steuerzahler mehr derpacken können....

Sidlo
00
11.2.2010, 12:52
Wird halt eine große Inflation kommen

wie schon so oft in der Geschichte. Bisher hat es keine Währung gegeben die sonderlich lange gehalten hat. Früher hat man halt am Edelmetall der Münzen manipuliert, heute tut mans halt durch eine übergebührliche Ausweitung der Geldmenge. Schon immer haben die Mächtigen gewußt wie sie sich durch eine Übertölpelung der Massen bereichern können.

styx12
00
11.2.2010, 12:43

Na wenigstens kommt nachher das glorreiche Zeitalter des Sozialismus, gell Herr Chaves!

exilkaerntner
14
11.2.2010, 10:31
du machs so wie die zeugen jehowas!!

die sagen auch immer nur mehr dass das ende nahe ist!

Advaita0
02
11.2.2010, 10:16
Hilfe ist nicht Bettlern Geld geben...

...sondern wie Karl-Heinz Böhm in "Menschen-für-Menschen" ihnen unter die Arme greifen damit sie sich selbst helfen können.

Sophist1
53
11.2.2010, 09:41
Mit dem Gebrauch von Ausdrücken aus der griechischen.....

Philosophie bzw. Mystik, kommen wir kein Stück einer Lösung näher, selbst wenn der Gegenstanad der Rabulistik Griechenland ist. Auch der Hinweis auf den üblichen Prügelknaben, die Banken, bringt uns de Lösung nicht näher. Der Beitrag ist unnütz wie noch etwas. Er bringt keinerlei substantiellen Idee zur Behebung der Krise - sondern er zählt nur auf, was alles dagegen spricht, wenn man so oder so entscheiden würde. Der Beitrag ist ein Musterbeispiel für sinnnloses Gemaule, ohne die Problematik zu durchblicken und Besserwisserei, jedoch nachdem das Kind im Brunnen liegt. Der Beitrag ist eine Belästigung für den Leser.

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