Das Olympiatheater und seine Bühne

Benno Zelsacher aus Vancouver, 10. Februar 2010, 18:03

Vancouver hat sich herausgeputzt und gewappnet für die Winter­spiele, die am Freitag eröffnet werden. Ob die Abfahrt am Samstag ihr erster Höhepunkt wird, ist freilich völlig offen

Auf dem Burrard Inlet, der das Wasser vom Pazifik hineinlässt bis vor Vancouvers Downtown und noch ein Stück weiter, wimmelt es. Containerschiffe schwimmen raus und rein, kleine Boote machen große Bögen, im Hintergrund thronen die schneebedeckten Gipfel. Auch die Tankstelle und ein Ponton mit den olympischen Ringen schwimmen im Inlet. Wasserflugzeuge landen und starten direkt vor dem Convention Center, das zehn Masten trägt und dennoch wie ein Fünfmaster ausschaut - und in dem das Main Press Centre (MPC) der Olympischen Spiele wohnt.

Gleich neben dem MPC befindet sich die Gastown, die nicht nach einer Pipeline benannt ist, sondern nach Jack "Gassy" Deighton. Der eröffnete hier anno 1867 einen Saloon für jene Arbeiter, die in der Hafengegend das Holz aus den Wäldern British Columbias zersägten. Gassys Statue steht auf dem Maple Tree Square und auf einem Fass.

Vancouver ist in diesen Tagen, sagen jene, die es auch an anderen Tagen sahen, besonders schmuck. Die Straßen sind nahezu blitzblank gekehrt. Die Menschen sind freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit. Die Stadt vermittelt Gelassenheit. Die Pin-Händler dürften gute Geschäfte machen, um jene mit besonders gutem Sortiment bilden sich große Trauben.

Nicht wenige freilich haben ein Problem in der Stadt, die in so vielen einschlägigen Rankings als eine der lebenswertesten weltweit gilt. Die Obdachlosen sind nicht zu übersehen.

Umgerechnet rund 700 Millionen Euro wendet das Organisationskomitee Vanoc für die Sicherheit auf. "Wir wollen, dass alle Besucher eine unvergessliche Zeit haben. Wir wollen ein glückliches Olympiatheater, das allen Spaß macht" , sagt Vanoc-Chef John Furlong.

In den Geschäften werden auf Merchandisingprodukte Olympias wie Jacken, Leiberln, Kapperln bis zu 70 Prozent Rabatt gewährt. Schließlich muss alles raus, wie man liest. Die Spiele in der Stadt, die nach George Vancouver benannt ist, dem Offizier der Royal Navy, der mit Kapitän James Cook die Welt umrundet hatte, ehe er Amerikas Pazifikküste erkundete, werden ja schon am Freitag (in Europa ist es Samstag, 3 Uhr früh) eröffnet. Für diesen Tag haben Olympiagegner Proteste angekündigt. Furlong: "Ich habe großes Vertrauen, dass unser Sicherheitsteam alles im Griff hat. Ich hoffe, dass die Demonstranten friedlich demonstrieren und nicht die siebenjährige Arbeit eines riesigen Teams zerstören." Furlongs großes Anliegen ist es, dass am Ende jeder Kanadier stolz ist auf die Spiele.

Eine Attraktion der historischen Gastown ist die dampfbetriebene und also stets qualmende Standuhr. Eine Attraktion der Spiele und ihr erster sportlicher Höhepunkt ist die Abfahrt der Herren, die am Samstag droben in den Coast Mountains, in Whistler stattfinden soll. Für gestern war das erste Training angesetzt. Und bis zum Wochenende sind täglich Niederschläge angesagt. Die Abfahrer und die Skispringer, die ebenfalls am Samstag und auf der Normalschanze an der Reihe sind, sind die am meisten vom Wetter gefährdete Spezies.

Auf dem Cypress Mountain gleich bei Vancouver, der seit Wochen unter dem milden Klima leidet und auf den sie mit hunderten Lastwagenfuhren Schnee aus höheren Regionen beförderten, haben die Freestyler am Dienstag jedenfalls erfolgreich trainiert. Am Samstag steigt die Entscheidung auf der Buckelpiste. Ob's regnet oder schneit. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 11.2. 2010)

brummbaer
00
11.2.2010, 11:55
vancouver

ever got a blunt in gastown?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.