Dollfuß-Opfer

SPÖ will mit ÖVP über die Rehabilitierung reden

10. Februar 2010, 17:25

Hoffen auf baldige Einigung bei den "Februarkämpfern"

Wien - Der offene Brief von 97 Forschern (Historiker, Politologen und Sozialwissenschafter) an die Regierung und an das Parlament, in dem die Rehabilitierung aller Opfer des Engelbert-Dollfuß-Regimes gefordert wurde, zeigt Wirkung: In der SPÖ glaubt man, dass zumindest die "Februarkämpfer" bald rehabilitiert werden.

Ein diesbezüglicher Antrag des Justizsprechers der Grünen, Albert Steinhauser, liegt bereits dem Justizausschuss vor. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim will nun "demnächst Gespräche mit den Grünen" , den "Briefschreibern" und dem Koalitionspartner ÖVP führen. Anders als den Wissenschaftern, die eine Rehabilitierung aller Dollfuß-Opfer fordern, geht es ihm "in erster Linie" um die "Februarkämpfer" . Eine Lösung erwartet er "im ersten Halbjahr" , früher nicht, denn: "In Kenntnis der ÖVP ist das nicht erwartbar."

ÖVP-Justizsprecher Heribert Donnerbauer zeigt sich jedenfalls gesprächsbereit: "Es soll aber schon eine differenzierte Auseinandersetzung sein" , hält er fest. Für Donnerbauer ist die "juristische Rehabilitierung" allerdings längst erfolgt. Er verweist auf ein diesbezügliches Gesetz, das 1946 in Kraft getreten ist. Kritiker halten dem aber entgegen, dass im Gesetz nur von einer "Amnestie" gesprochen werde.

Dass es im ÖVP-Parlamentsklub das Bildnis von Engelbert Dollfuß immer noch gibt, stört Donnerbauer nicht: "Ja, das hängt!" , sagt er dazu nur. (Peter Mayr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.02.2010)

Info:

Standard-Podiumsdiskussion: "Wieso wird immer noch über Dollfuß gestritten?" mit dem Historiker Oliver Rathkolb, dem früheren Nationalratspräsidenten Andreas Khol (ÖVP) u. a. Donnerstag, 11. 2., 19.00 Uhr im Wien Museum.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 108
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Warpsignatur
13
11.2.2010, 16:25
"Ja, das hängt!" , sagt er dazu nur.

naja, was hängt bei der övp nicht?

Enrico Furioso
39
11.2.2010, 16:06
Dollfuss war kein Hitler

aber immerhin Klerikal-Faschist, ideologisch in einer Linie mit Figuren wie dem spanischen Diktator Franco oder dem Diktator Salazar in Portugal.

Es ist eine Lebenslüge dieses Landes, insbesondere der VP, dass Dollfuss zum österreichischen Nationalhelden hochgejubelt wird. Er war ein Diktator, der von den Handlangern eines anderen Diktators ausgeschaltet wurde. Dass er heute in ein verlogenes patriotisches Licht getaucht werden kann, verdankt er einzig diesem Umstand.

*QED*
21
13.2.2010, 14:38
Demokraten waren auf beiden Seiten rar!

In diesem Stile könnte man argumentieren, die Opfer
des Februaraufstandes auf der Seite der Schutzbündler waren Opfer ihrer eigenen Rädels-
führer, die sich eines unglaublichen Verbalradikalis-
mus bedienten, dem Bürgertum mit der Diktatur
des Proletariats drohten, aber im Ernstfall sich als
Feiglinge erwiesen.

Schreck
13
11.2.2010, 19:57

Vor allem steht er in einer Linie mit Mussolini. Auch nicht der Sympatischste.

Warpsignatur
04
11.2.2010, 19:06

aber darüber besteht keinerlei konsens. und wenn man sich die postings der hardcore-schwarzen hier ansieht, sieht man sehr schön, wie sehr man die geschichte verleugnen und verdrehen kann.
liebe övpler, angesichts der dollfuß-jahre gibt es nur ein einziges adäquates gefühl: SCHULD!!! und die reife reaktion darauf wäre der wunsch nach wiedergutmachung und nicht die verleugnung...

*QED*
61
12.2.2010, 07:58

Verleugnung und Kindesweglegung wird von
den Sozis praktiziert.

hermannar
96
11.2.2010, 15:51

man verzeigt dollfuß von sozial. seite bis heute nicht dass er sich von den nazis hat erschiessen lassen.
wo gab es 1938 den meisten jubel, wo die schlimmsten antidjüdischen progorme? nicht im schwarzen osttirol, sondern im vormals roten wien! wo gibt es heute die meisten f-wähler: wiederum im vormals roten wien!

der marcus
00
12.2.2010, 09:17
äpfel und birnen

ja, warum denn nur in wien???

wien ist die einzige millionenstadt in österreich. hier konzentriert sich alles. das gilt auch für menschen, die ins land strömen. in wien ist der anteil an einwohnenern mit migrationshintergrund in absoluten zahlen, wie auch in prozentzahlen am höchsten verglichen mit dem rest österreichs. das ist grundsätzlich nicht schlimm, konzentrationen an migranten sind eine entwicklung, die es in JEDER normalen großstadt gibt.

das heisst aber dass es hier am schnellsten zu spannungen und/oder reaktionen kommt, wenn althergebraches auf neues trifft. das war um 1900 so (lesen sie bitte b.hammans "hilters wien") und das ist heute wieder/immer noch so.

vorarlberg mit wien zu vergleichen ist ein äpfel-birnen vergleich.

Schreck
25
11.2.2010, 20:01

Das stimmt ganz einfach nicht. Die jüdische Gemeinde in Wien war zu einem großen Teil sozialistisch. Genauso wie in Deutschland. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Nazis im politischen Hauptfeind "Bolschewismus" ein Werk des "organisiserten Judentums" gesehen haben.

Die ArbeiterInnenklasse war übrigens sehr lange nicht von nazis durchsetzt, weil sie noch illegal in KP und SP und Gewerkschaften organisiert waren. Das KleinbügerInnentum war und ist dagegen klassische Nazihochburg.

Die Vaterländische Front war übrigens tief antisemitisch. (Der CV ist es noch immer) Aus einer ganz katholischen Tradition heraus.

In Graz flatterte schon vor dem Anschluß die Hakenkreuzfahne. OÖ und Kärnten sind von Naziclans durchsetzt, nicht Wien.

poidl1970
00
12.2.2010, 13:41
Woher wissen Sie denn das?

dass der heutige CV antisemitisch ist, ist eine mutige Behauptung. Woher wollen Sie das wissen? Sind Sie CVer?

poidl1970
00
12.2.2010, 13:34
Zum Thema Antisemitismus

ein wenig Nachhilfe für die ach so informierten Poster:
Im Gegensatz zu Deutschland blieben Österreichs jüdische Bürger bis zum Anschluss in Österreich vollauf geschützt.
Im Dollfuß-Nachruf der Jüdischen Front (jüdische Zeitung) hieß es u.a.: "Wir wissen ihm Dank
dafür, dass er uns nicht zu Menschen zweiter Sorte stempeln ließ und dass er der Kameradschaft, die im Weltkriege Christen und Juden verband, nicht vergaß.“
Klingt nicht gerade nach dem Nachruf auf den Kopf eines antisemtischen Regimes, oder?

hermannar
00
12.2.2010, 09:07

aha und im tief antisemitischen ständestaat gab es dann auch offizielle jüdische vertreter in den höchsten staatsgremien?
eben und was war kärtnen danach? rot. in tiefschwarzen gegenden hatten die nazis nie eince chance, sie haben recht, in org. roten auch wenig. kleinbüger waren voher deutschnational, dann nazi

Schreck
00
12.2.2010, 10:16

ah so und Oberösterreich ist?

zippy
21
11.2.2010, 14:56

Restitution wäre angebracht. Die Wohnungen in Wien waren damals viel billiger, und ich erwarte, dass die ÖVP den Wienern die Differenz rückwirkend ausgleicht.

Fred Wirtschaftsflüchtling
26
11.2.2010, 14:18
Dass nur der Dollfuß der BÖSE ist und alle anderen die Guten waren, erklärt für mich nicht die Grauslichkeiten dieser Zeit

Fred Wirtschaftsflüchtling
34
11.2.2010, 14:16
Wadelbeißer bleibt Wadelbeißer

"In Kenntnis der ÖVP ist das nicht erwartbar." Will man etwas für die Aussöhnung der Lager und zur Aufarbeitung der Geschichte machen, dann ist obiger Sager genau das verkehrte.

Warpsignatur
01
11.2.2010, 20:11

was die övp unter "Aussöhnung der Lager" und "Aufarbeitung der Geschichte" versteht, wissen wir: "wir versöhnen uns mit jedem, der bereit ist, uns bis zum hals in den a... zu kriechen und der unsere meinung allein als seligmachend erachtet. alles andere ist indiskutabel und dann kann es sein, dass es uns ganz schnell reicht..."
wenn die spö damals eine diktatur aufgezogen hätte und christlichsoziale erschiessen hätte lassen, dann würde ich das heute nicht verteidigen. bei aller sympathie für die spö und aller antipathie für die övp. aber die övp hängt sich lieber als sichtbare provokation für jeden anhänger der demokratie und republik den d. ins zimmer...

Annemarie Veit
53
11.2.2010, 15:35

wenn schon aufarbeitung der geschichte, dann bitte objektiv und nicht mit dem geschichtsverständnis der sozialdemokratie, welche glauben, das einzig wahre geschichtsbild gepachtet zu haben.

auch die sozialdemokratie hat mehr als genug beigetragen zum untergang der ersten republik!

Helicopterman
10
12.2.2010, 07:37
Inwieweit

hat die seit 1933 verbotene Sozialdemokratie zum Untergang der 1. Republik beigetragen? - Bitte um Untermauerung dieser absurden Behauptung mit Fakten.

poidl1970
00
12.2.2010, 13:39
Na zum Beispiel....

...indem der Schutzbund-Führer Bernaschek vom Linzer Hotel Schiff aus das Feuer auf die Polizei eröffnet hat? Und zwar gegen den ursprünglichen Willen seiner eigenen Parteiführung? Die Parteiführung hat dem dann quasi nachträglich die Legitimation geben müssen. Oder, anders ausgedrückt: sie wurde überrumpelt.

Annemarie Veit
11
12.2.2010, 07:41

wie bereits geschrieben: mehrmals (!) wurde der sdapö angeboten, in eine regierung wieder einzutreten! aber denen war das hemd näher als der (ideologische) rock und sie verweigerten aus tw. fadesnscheinigen gründen diese angebote (zb. wollten sie sozialabbau nicht mittragen,...)

bitte lernens endlich die geschichte nicht nur durch die rote brille zu sehen!

Helicopterman
00
12.2.2010, 09:42
von den Sozis zu verlangen

den Abbau der damals ohnehin vergleichsweise kargen Sozialleistungen mitzutragen wäre ungefähr so wie wenn die Sozis von den Chrstlichsozialen verlangt hätten eine Verfassung, in der der Atheismus als Staatsreligion festgeschrieben ist, mitzutragen. Eine Koaltion kann von vornherein nicht funktionieren wenn der eine Partner vom anderen verlangt, gegen seine ureigensten Grundsätze zu handeln.

3.märz-oder 4.
02
11.2.2010, 18:09
aber die richtig schweren granaten

wurden damals in gemeindebauten reingeschossen.
und das kann man auch nach 76 jahren nicht einfach wegwischen,umdrehen,schönreden,wegreden-es war so.

Eman Gnitsop
 
56
11.2.2010, 13:13
Ohne der Obstruktionspolitik der SPÖ während der gesamten 20er-Jahre wäre es nie so weit gekommen.


Die SPÖ (damals SDPÖ) hat 1920 aus politischem Kalkül die Koalition mit Seipel verlassen, und daraufhin unter Bauer nur destruktiv agiert und sich neuerlichen Koalitionen verweigert - so lange bis das Land unregierbar war.
Noch 1931 hat Seipel neuerlich versucht eine große Koalition zustandezu bringen, ohne Erfolg.

Da als Alternative nur die sich radikalisierenden Deutschnationalen und in zunehmend Maße die erstarkenden Nazis zur Verfügung standen, blieb Dollfuß keine Wahl als die Demokratie zu beenden.

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