Proteste gegen Sparpaket

EU-Nothilfspaket nimmt Formen an

11. Februar 2010, 06:54

Die Schuldenkrise in Griechenland wird am Donnerstag das zentrale Thema beim Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Die Finanzminister der Euro-Gruppe wollen sich über mögliche Nothilfen für das hochverschuldete südeuropäische Land abstimmen. Unterdessen legt ein Generalstreik das Land lahm. Wegen der angekündigten Sparmaßnahmen zur Bewältigung der Budgetkrise gingen am Mittwoch tausende Griechen auf die Barrikaden. Vor allem die rund 750.000 Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sind mit dem Sparprogramm der Regierung nicht einverstanden. Vom Streik betroffen sind aber auch der Verkehr, Lehrbetrieb und die Gesundheitsversorgung.

Verantwortung liegt bei Europa

Die Hinweise darauf, dass Griechenland auf die Europäische Union in Sachen Ausweg aus seiner Schuldenkrise bauen kann, verdichten sich. Wie der Vorsitzende der europäischen Sozialisten, der Däne Poul Nyrup Rasmussen, mitteilte, verständigten sich die sozialistischen Regierungschefs bei einem Treffen am Mittwochabend in Brüssel auf eine gemeinsame Aktion der Euro-Länder zur Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott. Die 16 Länder der Eurozone sollten Athen gemeinsam Kredite gewähren - ohne Alleingänge einzelner Staaten und ohne Geld vom Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Verantwortung liege in Europa. Deshalb sei es falsch, wenn einzelne Staaten Griechenland mit Krediten aushelfen würden. "Das würde die Tür öffnen für weitere Spekulationen an den Finanzmärkten gegen diese Länder", so Rasmussen.

Wie Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann sagte, laufe alles "auf Kreditlinien hinaus", die man Griechenland gewähren müsse. "Es geht nicht um geschenktes Geld oder um Subventionen, sondern es geht um Kredite mit Zinsen, die man zur Verfügung stellt, um möglichst rasch einem Land zu helfen, damit es hier nicht auf den Finanzmärkten zu Irritationen kommt", so der SPÖ-Politiker.

Videokonferenz über das Mittelmeerland

Die Finanzminister der Eurozone hielten gemeinsam mit EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn eine Videokonferenz über das Mittelmeerland ab.

Mit an Bord im Krisenmanagement waren zudem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet und der Präsident der Eurozonen-Gruppe Jean-Claude Juncker. Genaueres zu Umfang und Ausmaß des Hilfsplans sind noch nicht klar.

Bedingungen für Kreditgarantien

US-Ökonom Nouriel Roubini bezeichnete am Mittwoch die Pläne zur Unterstützung Griechenlands als "Schritt in die richtige Richtung", allerdings sehe er einen Kredit des IWF als langfristig sinnvolleren Weg an. Der Ökonom glaubt, dass die Kreditvergabe mit Auflagen verbunden sei, wohingegen Kreditgarantien - wie sie von der EU geplant sind - nicht so einfach an Bedingungen zu knüpfen seien. Glaubt man Informationen aus deutschen Regierungskreisen, sollen mit den Hilfen aber auf jeden Fall harte Auflagen verbunden sein. Damit soll der Druck auf das Land erhalten bleiben, seine Budgetprobleme durch Reformen in Eigenregie zu lösen.

Europas Staats- und Regierungschefs treffen jedenfalls heute, Donnerstag, in Brüssel zu einem informellen Sondergipfel zusammen. Das eintägige Gipfeltreffen wird wegen starken Schneefalls erst um 12.00 Uhr beginnen und damit knapp zwei Stunden später als geplant, berichteten Diplomaten. Auf der Tagesordnung werden nicht nur der drohende Staatsbankrott Griechenlands, sondern auch die Schuldenkrise in anderen europäischen Staaten wie Irland, Portugal und Spanien stehen - Analysten gaben den EU-Problemkindern bereits das Akronym "PIGS". Griechenlands Sonderstellung innerhalb der Schuldenmeister steht aber außer Frage. In jüngerer Vergangenheit belastete die drohende Pleite des Landes die Einheitswährung Euro sehr. Das Schreckensszenario des tatsächlichen Kollaps des Landes hätte nach Einschätzung zahlreicher Analysten ungeahnte Auswirkungen auf das gesamte europäische Bankensystem.

Spekulationen

Was nun in Brüssel tatsächlich besprochen, vielleicht auch beschlossen wird, darüber kann vorerst nur spekuliert werden. Zurzeit ist alles, von einem Kauf griechischer Staatsanleihen bis hin zu Bürgschaften für Schuldverschreibungen des Landes, im Bereich des Möglichen. Nach den Worten des Präsidenten Jean-Claude Juncker wird die Eurogruppe dem EU-Gipfel am Donnerstag aber auf jeden Fall einen Vorschlag zur Unterstützung Griechenlands unterbreiten.

Die europäischen Kapitalmärkte reagierten auf die voraussichtliche Rettung Griechenlands bereits durchaus mit Erleichterung. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Griechenland und Portugal nahmen am Mittwoch deutlich ab, litten aber unter der Androhung der Rating-Agentur Moody's, Griechenlands Kreditwürdigkeit schlechter zu bewerten. Sollten die angekündigten Haushaltsreformen nur teilweise umgesetzt werden, werde Moody's das Rating bis "Baa1" herabstufen. Der Leitindex der Athener Börse ASE stieg um bis zu fünf Prozent. (rom, derStandard.at, 10.2.2010/APA)

Kommentar posten
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capricorno
00
11.2.2010, 17:44
Betrug

Griechenland hat die EU über seine Finanzen vollkommen im Unklaren gelassen und seine Schulden verschleiert. Als Lohn für seinen Betrug bekommt es von der EU jetzt Unterstützung. Diese Menschen haben weit über ihre Verhältnisse gelebt und der EU -Steuerzahler soll dafür herhalten!

Sieh an
00
11.2.2010, 10:11
Ein was muss man Ländern wie Griechenland, Italien oder Frankreich lassen...

...wenn die mal Streiken, dann aber richtig... nicht so wie in Deutschland mit ihren "Pseudogewerkschaften"....

DPfand
00
11.2.2010, 11:03
Sieh an

und stellens sich doch hin und wieder auf die Zehenspitzen, vllt. könnens über den Tellerand sehen...in D gerade Streick des Öffentlichen Dienstes...
;-))

Keyser
00
14.2.2010, 16:31

Und ver.di wird wohl selbst bald von den eigenen Mitarbeitern bestreikt. Weil die ver.di MA mit sagenhaften 1.5% Lohnerhöhung abgespeist werden sollen, während für den öffentlichen Dienst 5% gefordert werden. 'g'

Es könnte sogar zu Unterbrechungen im laufenden Streik kommen - wenn sich die MA zum eigenen Streik entschließen. - Verrückte Welt - aber auch bei ver.di wird Wasser gepredigt aber Wein getrunken. 'g'

Granada75
 
00
11.2.2010, 10:06

Ich brauche nichts mehr zu sagen. Alle Argumente gegen einen bail out der Griechen wurden vorgetragen, sie sind absolut richtig! Keine europäischen Staatshilfen für Griechenland. Punkt. Aus.

Rudi Refosk
02
11.2.2010, 09:41
Keine Solidarität mit Budget-Friseuren

Griechenland hat es seit dem EU-Beitritt 1981 (!) nicht geschafft, seine vom politischen Filz gebremste Wirtschaft in Schwung zu bringen. Im Gegensatz zu Irland, Spanien oder Portugal - auch wenn diese Länder jetzt ebenfalls mit massiven Problemen zu kämpfen haben. Das Einzige, was Griechenland "geleistet" hat, ist sich mittels frisierter Bilanzen in die EURO-Zone zu schmuggeln. Diese Bananenrepublik hätte nie aufgenommen werden dürfen und sollte jetzt ausgeschlossen werden.

Snieftaps
10
11.2.2010, 09:29
Die Griechen protestieren wieder!

Taugt der tote Teenager etwa nicht mehr als Vorwand fuer taegliche Krawalldemo-Partys?
Jetzt kuendigt die Regierung laengst notwendige Sparmassnahmen an, und die Beamten protestieren und streiken, weil sie um ihren 16. Monatslohn bangen?
Seit Jahren werden EZB und EU-Mitgliedstaaten mit gefaelschten Statistiken, hohlen Ruestungsvertraegen (werden immer nach 2 Jahren annuliert) und leeren Versprechen hingehalten. Waehrend die Union am Rettungspaket schnuert, brennen in Athen die EU-Fahnen.
Wenn wir diesen Wahnsinn mit einem Bail-Out belohnen, was sagen wir dann zB. Bulgarien und Litauen, falls denen einmal das Geld ausgeht?

Zum Thema Inflationsrisiko: Euro raus, Notwaehrung rein, und 20 Jahre Sparkurs.




victor lazlo
01
11.2.2010, 08:54
Fehlkonstruktion EURO.

Es kann ja nicht funktionieren eine einheitliche Währung einzuführen, aber unterschiedliche Gesetzeslagen und Sozialsysteme beizubehalten.

Wenn es nicht mehr möglich ist, unterschiedliche Leistungsbilanzen durch Ab- bzw. Aufwertung der Währungen auszugleichen, bleibt nur noch die Möglichkeit, das über Löhne und Sozialsysteme zu tun.

Die asozialste Methode, aber das ist das EU-Konzept des "freien Marktes".

scala2
00
11.2.2010, 08:51
Griechenland soll einfach die Zahlungsunfähig erklären

Das war früher beim Goldstandard auch der einzige Weg. Griechenland müsste dann notgedrungen mit einem ausgeglichenen Budget über die runden kommen, das würde ihnen gut tun.

Und den Euro als Währung würde es auch stärken, weil die Anleger sehen würden, dass
a) die EZB nicht einfach die Notenpresse anwirft wenn ein Staat schlecht wirtschaftet
b) ein solcher Staat nicht andere gute Staaten mitreißt
c) die Anleger halt aufpassen müssten wem sie ihr Geld geben - und die Banken nicht wieder das Risiko auf die Steuerzahler überwälzen können.

zimbo
 
01
11.2.2010, 08:50
Da brauchts die Ukraine gar nicht, um die EU zu zerstören.

zimbo
 
02
11.2.2010, 08:45
Zeit für uns aus dem Pyramidenspiel auszutreten.

zimbo
 
01
11.2.2010, 08:41
Wir sollten die eigene Armut bekämpfen.

Vielleicht klappts wenn man auch eine Fahne anzündet.
Aber vermutlich, wie ich die EU einschätze, sind sie schwer brennbar.

zimbo
 
02
11.2.2010, 08:38
Erfolgsprojekt EU, weitere Staaten werden folgen, denn die allgemeine Verarmung macht sich bemerkbar.

Bernhard Kubicek
00
11.2.2010, 08:32
griechische Euromünzen

abwerten...

waeldar
11
11.2.2010, 08:09

na sevas! jetzt erpressen die griechen durch den generalstreik die ganze eu, oder wie? als ob sie nicht schon genug eu fördergelder die ganzen jahre ihrer mitgliedschaft erhalten hätten. solche staaten braucht die eu nun wirklich nicht. in zukunft wenn alle staaten sowieso bei der eu sind, wird der fall eintreten müssen, dass es evtl. ein kerneuropa geben wird (mit und von deutschland ausgehend). alle andere konstruktionen haben keine zukunft mehr.

schafmeister
65
11.2.2010, 07:46
Handaufhalter

Es kann nicht sein daß Griechenland seit 1981 immer die Hand aufgehalten hat, keinen Cent als Nettozahler einbezahlt hat, nun auch noch vor dem Bankrott gerettet werden soll. Griechenland müß aus der EUROzone und gleich aus der EU ausgeschlossen werden sonst wird der Brand in Griechenland ei Flächenbrand in der EU.

MUNGO1
00
11.2.2010, 08:43
Sanktionen?

Griechenland hat die eigene Bilanz geschönt, das heißt GEFÄLSCHT und die übrigen EU-Mitgliedstaaten in eine äusserst prekäre wirtschaftliche Situation gebracht.
Was bleibt also übrig; die EU wird sich bemühen den Brand zu löschen bevor dieser zu einen Flächenbrand ausartet!
Wie gehts weiter?
Ich gehe davon aus dass demnächst weitere Staaten am Tropf hängen werden und zwar;
Spanien, Belgien, Portugal, Italien, Irland....

Die Reihenfolge spielt dabei eine untergeordnete Rolle, aber dass diese Länder ebenfalls und wahrscheinlich sogar noch höhere Schulden aufgebaut haben, wird sich in Kürze zeigen!

Wenn die BRD und Fra nicht mehr zahlen können oder wollen, dann ist die EU am ENDE!

Danke an alle die uns damals"hineingelogen haben"!

DPfand
00
11.2.2010, 10:34
Der Fachausdruck heisst: PIGS-Staaten,

wobei das "I" für Irland steht. Nicht wenige Wirtschaftsexperten meinen, das "I" müsse für Italien stehen!

Die trauen den Iren (zu Recht) mehr zu, die Krise in absehbarer Zeit zu meistern.

waeldar
00
11.2.2010, 08:13

vielleicht sollten die kriterien zunächst einbißchen realistischer gestaltet werden und dann an die bedingung der eu-mitgliedschaft geknüpft werden. wer sich an diese neuen kriterien nicht hält, hat dann wenigstens auch konsequenzen zu tragen.

EUdSSR - EU der schamlosen Spesenritter
00
11.2.2010, 08:04

Wir dachten erst, dass Sie von uns schreiben!

Black Adder
00
11.2.2010, 08:19
Pluralis majestatis ?

lessismore
72
11.2.2010, 06:07

Den Schimpfkanonen möchte ich auch noch das Folgende zu bedenken geben: Das griechische Defizit (12% des BIP) ist kleiner als das britische (13% des BIP) -- warum regen sich alle nur über das eine auf?

zimbo
 
00
11.2.2010, 08:43
GB ist nicht in der Eurozone und führt auch nicht gegen mehrere Länder Krieg.

Rose Bud
00
11.2.2010, 08:32
in Grossbritannien...

...ist aber halt a bisserl mehr `Vermögen als in Griechenland, gell?

abdul al calafatti
00
11.2.2010, 08:17
less knowledge is more ignorance..........

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