Rogges Sorgen, eine coole Idee und der Abfahrer Los
Vancouver/Wien - "Es gibt keinen Plan B." Jacques Rogge sagt das, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der Belgier ist naturgemäß zuversichtlich, dass die Winterspiele trotz des Vorfrühlings an der kanadischen Pazifikküste ordnungsgemäß aufgeführt werden.
Tatsächlich kein Problem dürften die Bewerbe der Snowboarder und Freestyler in Cypress Mountain, 30 Autominuten vom Zentrum Vancouvers entfernt, aufwerfen. Trotz Schneemangels. Die lastwagenweise herangeschaffte Unterlage auf den Wettkampfstrecken wird künstlich gekühlt. In den Schnee wurden Röhren eingezogen, die mit Trockeneis gefüllt werden. Auf der Buckelpiste wurde tadellos trainiert.
"Die Idee mit dem Trockeneis ist nicht neu, nur hat bisher niemand den finanziellen Aufwand auf sich genommen", sagt Harald Marbler, Coach und Ex-Gatte von Margarita Marbler, die am Samstag Österreichs Hoffnungen über die Buckel trägt. Favoritin ist aber die Titelverteidigerin Jennifer Heil, ein guter Tipp für die erste Goldmedaille der Gastgeber, sollten die kanadischen Abfahrer zuvor in Whistler auslassen.
Dem Revier der Alpinen sind für die kommenden Tage Plusgrade und Regen vorhergesagt. Am Mittwoch soll erstmals auf der nach dem 1990 im Alter von 37 Jahren an Krebs verstorbenen kanadischen Weltcup-Läufer Dave Murray benannten Abfahrtspiste trainiert werden. Das wird insofern interessant, als sie die Kanadier jahrelang exklusiv für sich beansprucht hatten. Für alle gleich ist der Zustand der Strecke. "Sie hat drei Teile: Oben ist es Winter, in der Mitte Spätwinter und unten Frühling", sagte Renndirektor Günter Hujara.
Das große Ganze hat IOC-Präsident Rogge im Blick, wenn er sich generell wegen der Winterspiele sorgt. "Der Klimawandel ist definitiv ein Faktor, der in Zukunft bei der Vergabe in Betracht gezogen werden muss", sagte der 67-Jährige. So gesehen werden 2014 und in Sotschi noch Fehler aus der olympische Vergangenheit bewältigt. An der Schwarzmeerküste ist es zurzeit ebenso frühlingshaft wie in Vancouver. (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 10. Februar 2010, APA, sid, lü)