Kompetenzen

Neue Macht für das Europa-Parlament

Thomas Meyer, 09. Februar 2010 18:46

Kommission verspricht Einbindung in alle Vorhaben, lässt Gesetzesinitiativen zu

Straßburg - Nur wenige Stunden nach der Wahl im Parlament trat die neue EU-Kommission Dienstagabend bereits zu einer ersten informellen Arbeitssitzung zusammen. Nächste Woche soll es dann den offiziellen Startschuss geben, wenn formell auch der Ministerrat seine Zustimmung zum Team Barrosos gegeben hat. Die Arbeitsperiode der Kommission endet im Oktober 2014. Mit der ersten Sitzung des Kollegiums in Straßburg versuchte der Kommissionspräsident offensichtlich, die Kritiker in Straßburg zu besänftigen, von denen es - anders als das klare Ja-Votum vermuten ließe - nicht wenige gibt. Die Kritik richtet sich gegen Teile seines politischen Programms, die "Leitlinien" , in denen es an sozialen Aspekten fehle. Die Grünen merkten an, dass darin vor allem leere Worte, aber kaum konkrete Vorhaben enthalten seien.

Echte Änderungen bei bisherigen Usancen verspricht die sogenannte "interinstitutionelle Vereinbarung" zwischen Parlament und Kommission. Diese regelt die Abläufe und Kompetenzen bei der Gesetzgebung. Mit dem Lissabon-Vertrag hat das Parlament schon grundsätzlich viel mehr Mitentscheidungsgewalt. Zusätzlich verpflichtete sich Barroso nun gegenüber den EU-Abgeordneten, ihnen de facto ein Initiativrecht für Gesetzesvorhaben einzuräumen.

Laut EU-Vertrag bleibt dies der Kommission vorbehalten. Barroso will nun Vorschläge der Abgeordneten behandeln, als wären es Vorschläge der Kommission, und prüfen. Daneben sagte er zu, dass alle EU-Maßnahmen, bevor sie in Kraft treten, auf ihre Wirkung hin überprüft werden.

Aber auch an einzelnen "mittelmäßigen" Kommissaren hatten die EU-Abgeordneten bei den Anhörungen kein gutes Haar gelassen. Sie stehen nun sozusagen "auf dem Prüfstand" . So wurde kritisiert, dass der deutsche Energiekommissar Günther Oettinger ein Englisch spreche, das von Grundschülern in den Schatten gestellt werde. Auch der neue Kommissar für Wirtschaft und Währung, Olli Rehn, konnte bei seiner Anhörung nicht überzeugen. Da er angesichts der Euro-Krise auf einem besonders exponierten Posten sitzt, dürfte Barroso auf diesen Bereich wohl selber ein Auge werfen. Auch EU-Außenministerin Catherine Ashton steht unter Beobachtung. (tom, DER STANDARD, Printausgabe 10.2.2010)

iohui
09.02.2010 21:57
also ist es nur ein gerücht

dass eu beamte mindestens 3 eu sprachen fliessend beherrschen müssen.

Christoph ************
09.02.2010 22:02

Kommissare sind keine EU Beamten, sondern politische Ämter. Das ist ein ziemlicher Unterschied.

iohui
10.02.2010 02:55

ist es das.

Christoph ************
10.02.2010 11:57

Und ob es das ist. Kommissar kann ein jeder werden, der sich die Unterstützung der jeweiligen nationalen Regierung sichert und vom Europäischen Parlament nicht abgeschossen wird.

EU-Beamte kann nur werden, wer den Concours übersteht (was unter anderem die Fremdsprachenkenntnisse, Fachkentnisse etc erfordert) und sich gegen Hunderte andere darin durchsetzt.

Wer darin keinen ziemlichen Unterschied erkennen kann, dem kann man auch nicht mehr helfen.

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