Ahmadi-Nejad reagierte auf Kritik von rechts
Teheran/Wien - "Unser geschätzter Präsident" , beginnt der Leitartikel von Hossein Shariatmadari, Chefredakteur von Kayhan, vorigen Samstag. Kayhan ist die Postille der iranischen Rechten, und Shariatmadari ist deren publizistischer Einpeitscher - selbstverständlich ein Unterstützer der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadi-Nejad. In diesem Artikel, der sich auf die Rede Ahmadi-Nejads von vergangener Woche bezieht, bekommt die mehrfach wiederholte Wendung "unser geliebter revolutionärer Präsident" jedoch einen schneidenden Unterton.
In dieser Rede hatte Ahmadi-Nejad zum ersten Mal öffentlich gesagt, dass von seiner Warte aus nichts dagegen spreche, iranisches Uran ins Ausland zu liefern und dafür erst "vier, fünf Monate später" Reaktorbrennstoff zurückzubekommen. Shariatmadari kommentiert: "Die Bemerkungen, die er zum Brennstofftausch machte, waren ziemlich vage und ließen leider Missverständnisse zu einem möglichen Rückzug des Iran von früheren Positionen zu! Und prompt folgten verdächtige und fragwürdige positive Äußerungen aus dem Westen..."
Die Ladung von Pech und Schwefel, die Shariatmadari über Ahmadi-Nejad ausschüttet, enthält auch eine Warnung vor falschen Einflüsterern, die gerne mit den USA einen Deal abschließen würden - gemeint ist Ahmadi-Nejads verhinderter Erster Vizepräsident (und Schwiegervater seiner Tochter) Esfandiar Rahim Meshaie. Meshaie hatte sich ins politische Out katapultiert, indem er die Iraner als "Freunde des israelischen Volkes" bezeichnete. Ahmadi-Nejad verzichtet trotz einer Riesenkampagne nicht auf ihn.
Es lichten sich also langsam die Nebel. Vor den Revolutionsfeiern am Donnerstag spielt es sich nicht nur zwischen Opposition und Regime ab, sondern vor allem innerhalb der Rechten. Ob durch den Schritt zur Urananreicherung auf 20 Prozent - eine Ohrfeige für den Uno-Sicherheitsrat, der dem Iran ja auch die Anreicherung auf nur 3,5 Prozent untersagt hat - die Atomhardliner zu besänftigen sind, ist unklar. Zu denen, um die Sache noch komplizierter zu machen, auch Oppositionsführer Mir-Hossein Mussavi gehört.
163 Zentrifugen im Einsatz
163 Zentrifugen sollen für die neue Anreicherungsphase eingesetzt sein. Abzuwarten ist, was die dort hingeschickten Inspektoren der Atomenergiebehörde (IAEO) zu berichten haben: Denn wenn der Iran, wie behauptet, wirklich ab Dienstag anreichert, müssen gewisse Vorarbeiten schon vorher geleistet worden sein - ohne die IAEO zu informieren. Übrigens wird der Iran wohl knapp unter den 20 Prozent bleiben, denn dann handelt es sich per definitionem noch um niedrig- und nicht um hochangereichertes Uran. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe 10.2.2010)