Kritik von Rechts

"Unser geliebter Präsident" als Zielscheibe der Atomhardliner

Gudrun Harrer, 09. Februar 2010 18:37

Ahmadi-Nejad reagierte auf Kritik von rechts

Teheran/Wien - "Unser geschätzter Präsident" , beginnt der Leitartikel von Hossein Shariatmadari, Chefredakteur von Kayhan, vorigen Samstag. Kayhan ist die Postille der iranischen Rechten, und Shariatmadari ist deren publizistischer Einpeitscher - selbstverständlich ein Unterstützer der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadi-Nejad. In diesem Artikel, der sich auf die Rede Ahmadi-Nejads von vergangener Woche bezieht, bekommt die mehrfach wiederholte Wendung "unser geliebter revolutionärer Präsident" jedoch einen schneidenden Unterton.

In dieser Rede hatte Ahmadi-Nejad zum ersten Mal öffentlich gesagt, dass von seiner Warte aus nichts dagegen spreche, iranisches Uran ins Ausland zu liefern und dafür erst "vier, fünf Monate später" Reaktorbrennstoff zurückzubekommen. Shariatmadari kommentiert: "Die Bemerkungen, die er zum Brennstofftausch machte, waren ziemlich vage und ließen leider Missverständnisse zu einem möglichen Rückzug des Iran von früheren Positionen zu! Und prompt folgten verdächtige und fragwürdige positive Äußerungen aus dem Westen..."

Die Ladung von Pech und Schwefel, die Shariatmadari über Ahmadi-Nejad ausschüttet, enthält auch eine Warnung vor falschen Einflüsterern, die gerne mit den USA einen Deal abschließen würden - gemeint ist Ahmadi-Nejads verhinderter Erster Vizepräsident (und Schwiegervater seiner Tochter) Esfandiar Rahim Meshaie. Meshaie hatte sich ins politische Out katapultiert, indem er die Iraner als "Freunde des israelischen Volkes" bezeichnete. Ahmadi-Nejad verzichtet trotz einer Riesenkampagne nicht auf ihn.

Es lichten sich also langsam die Nebel. Vor den Revolutionsfeiern am Donnerstag spielt es sich nicht nur zwischen Opposition und Regime ab, sondern vor allem innerhalb der Rechten. Ob durch den Schritt zur Urananreicherung auf 20 Prozent - eine Ohrfeige für den Uno-Sicherheitsrat, der dem Iran ja auch die Anreicherung auf nur 3,5 Prozent untersagt hat - die Atomhardliner zu besänftigen sind, ist unklar. Zu denen, um die Sache noch komplizierter zu machen, auch Oppositionsführer Mir-Hossein Mussavi gehört.

163 Zentrifugen im Einsatz

163 Zentrifugen sollen für die neue Anreicherungsphase eingesetzt sein. Abzuwarten ist, was die dort hingeschickten Inspektoren der Atomenergiebehörde (IAEO) zu berichten haben: Denn wenn der Iran, wie behauptet, wirklich ab Dienstag anreichert, müssen gewisse Vorarbeiten schon vorher geleistet worden sein - ohne die IAEO zu informieren. Übrigens wird der Iran wohl knapp unter den 20 Prozent bleiben, denn dann handelt es sich per definitionem noch um niedrig- und nicht um hochangereichertes Uran. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe 10.2.2010)

Kommentar posten
14 Postings
estragon001
10.02.2010 10:20
Nomen est Omen

DER Autor dieser regiereungstreuen Tirade hat ja auch schon den richtig einpeitscherischen Namen...

Shariat = islamisches Gesetz (hängen, hacken, peitschen)

Madar = Mutter

Mir kommte er aber eher vor wie ein "Kosmadari" !
:-O

Blogger007
09.02.2010 21:55
Atomkrieg

Der Iran will die Atombombe. Einerseits um unbestrittene Regionalmacht im arabischen Raum zu werden, andererseits will er definitiv Israel zu Boden ringen, und zögert wahrscheinlich nicht mit einer gezielten Provokationspolitik sogar einen begrenzten Nuklearschlag gegen Israel zu riskieren bzw. bis an die Grenzen zu gehen.
Nicht, dass der Durchschnitts-Iraner das will, aber Ahmadi-Nejad ist leider so verrrückt, und glaubt er tut seinem Volk damit einen Dienst. Zum Schrecken aller Völker.

slartibartfaß der Umwandler
10.02.2010 09:15

sorry, revolutionsgarden

Blogger007
10.02.2010 21:28
Nicht mit normalen Maßstäben messen...

Ich habe den Hrn.Ahmadi-Nejad bei Gesprächen mit Bürgern des Iran im Zuge einer Wahlkampfreise beobachtet. Der Mann ist eine Marionette, und hat das Land nicht im Griff. Die wahre Gefahr geht von den Mullahs aus, und die denken nicht mit normalen Maßstäben. Vor allem dann nicht, wenn sie um ihre Macht fürchten. Denn realpolitisch wäre es klüger auf Entpsannung zu setzen und auf Offenheit und Transparenz. Dies tun sie aber nicht. Warum wohl? Weil es eine "hidden agenda" gibt, und er Westen mit seinen Befürchtungen wahrscheinlich recht hat.
Es geht um pure Macht. Und das mit allen Mitteln. Und das iranische Volk wird ohnehin nicht gefragt, das ist nur Kanonenfutter...siehe Irak-Krieg 1980-.

slartibartfaß der Umwandler
10.02.2010 09:14

"regionalmacht" zu werden funktioniert aber nicht, wenn er Israel angreift. gott sei dank sitzen sie mit ihrer Paranoia nicht im iran, weil dann wäre israel schon in schutt und asche. von realpolitik haben sie noch nie was gehört oder ?
der aha ist vielleicht ein rechter populist, aber kein selbstmordattentäter, er ist was ich weiß ja nicht mal so richtig religiös, sondern eher ein militarist aus den republikanischen garden oder wie die heißen.

Irgendein Jürgen
09.02.2010 23:31
"Der Iran will die Atombombe"

"Der Iran" besteht wohl zu mindest 50% aus Menschen, die keine Atombombe wollen bzw. denen diese egal ist. Dann gibt's noch 49,9999% Geblendete, die meinen eine Atombombe könnte nicht schlecht sein. Und dann kommen 0,0001% Regierungsmitglieder, die eine Atombombe wollen und damit vielleicht wirklich einen Erstschlag gegen Israel führen würden.

Wobei ich mir letzteres nicht vorstellen kann. Israel alleine hat genügend Kernwaffen um den Iran in eine Wüste zu verwandeln, die USA und andere Länder würden ihnen sicherlich noch helfen. Damit wären zig Millionen Iraner samt Regierung dem Tode geweiht. So viel Fanatismus trau ich bestenfalls der nordkoreanischen, aber nicht der iranischen Regierung zu.

Fritz Wunderlich
09.02.2010 20:00

anreicherung von u235 bis an die grenze leu-heu, hmm
produktion von radioisotopen für medizinische anwendung, hmm
das verzögerungsgambit wurde aufgegeben

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
09.02.2010 19:38

Denn wenn der Iran, wie behauptet, wirklich ab Dienstag anreichert, müssen gewisse Vorarbeiten schon vorher geleistet worden sein - ohne die IAEO zu informieren.


Natürlich wird man voher vorbereitungen treffen,das heisst ja noch nicht das die damit begonnen haben,auf der andere seite treffen bestimmte länder kriegsvorbereitungen,da beschwert sich ja auch niemand ist schon sehr Paradox,ich bin kein fan von Ahmadie und Co,aber was die Atom frage angeht verstehe ich die Position des Irans immer mehr vergliechen mit anderen länder.

Ergates faber
10.02.2010 00:54
Und wir bekommen leider immer nur die Info-Häppchen

die wir bekommen sollen. Hinter den Kulissen spielt sich da unglaubliches ab - das ist bei all diesen Verhandlungen und Schachspielerein der Fall.
Irgendwann werden wahrscheinlich Dokumente auftauchen wo bestimmte Länder schon vor 2-3 Jahren das Angriffsdatum auf den Iran festgelegt haben. Es wird krachen - so oder so. Gibt Ahmadi nach zündeln irgendwelche geleiteten Gruppierungen und verursachen einen Umsturz. An die Macht kommt dann ein Karzai-Typ, der an der Kette der USA und Co. hängt. Gibt Ahmadi nicht nach werden sich schon mögliche Massenvernichtungswaffen auftreiben lassen, die einen Überfall rechtfertigen. Die iranische Führung hat keine Wahl - sie muß rein strategisch schnell an die a-Bombe bevor sie vernichtet werden.

zimbo
 
10.02.2010 15:36
Der Irak sah, was er davon hatte seine Raketetn unter UN-Ausfsicht zu zerstören, und was es bedeutet wehrlos zu sein.

insertnamehere
 
10.02.2010 19:39

Ist da jetzt der Irak gemeint, dessen Armee, als er selbige Raketen noch hatte, mal so eben zermerschert wurde?

So den raaaaasend überlegenen Eindruck hat der '91 aber nicht grad gmacht.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
10.02.2010 10:54

na ja so schlimm ist es auch nicht,es wird keinen krieg geben,da mache ich mir persönlich am wenigstens sorgen,der Iran wird wenn es soweit ist und es wirklich eng wird um weiter regieren zu können fünf vor 12 aufgeben.

Terence Lennox
10.02.2010 09:48
Genau..

..hinter dem Rücken der Welt haben Bilderberger, Freimaurer, Juden und Richrad Gere die Weltübernahme vorbereitet. Geleitet werden sie von Dagobert Duck, der bei Roswell aus dem All zur Erde fiel. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen..

Timagoras
 
11.02.2010 13:52


also dass Dagobert Duck ein ausserirdischer ist, haben sie jetzt dazuerfunden, nicht wahr?

ansonsten stimmt natürlich alles, was Sie da ausführen ... ;o)

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