STANDARD-Interview

Wo verrückte Bubenenergie mitspielt

9. Februar 2010, 18:30
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    Alles für die Familie: Um seine Angehörigen versorgen zu können, sattelt der todkranke Chemie-lehrer (Bryan Cranston) in "Breaking Bad" um: Er stellt die teuflische Modedroge Crystal Meth her und gerät in einen mörderischen Strudel aus Mord und Totschlag: "Regel Nummer eins beim Drehbuchschreiben ist es, Konflikte zu entwickeln."

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    Bryan Cranston als Hal in "Malcolm Mittendrin".

Als "Malcolms" Vater verehren ihn viele - Als krebskranker Dealer räumt Bryan Cranston in der Serie "Breaking Bad" Emmys ab

Mit Doris Priesching sprach Bryan Cranston über Männerkämpfe und Radikaldiäten.

STANDARD: "Malcolm in the Middle" feiert zehnten Geburtstag. Die Begeisterung lässt nicht nach. Wie geht es Ihnen damit?

Cranston: Ich bin stolz darauf, es waren sieben sehr wichtige Jahre meines Lebens.

STANDARD: Im österreichischen Fernsehen läuft "Malcolm" seit 2002 - in der sechsten Wiederholung. Wie erklären Sie den Erfolg?

Cranston: Hal zu spielen machte so viel Spaß. Er war eine Figur voller Angst, kindlich und verletzlich. Wie sehr er seine Frau in tiefer Ergebenheit liebte. Ich betete ihn an. So funktionierte Malcolm auf eine sehr menschliche Weise: Wir brauchen und wollen es, uns um Menschen zu kümmern. Auch wenn klar war, dass hier eine verrückte Bubenenergie im Spiel war, gab es am Ende des Tages in der Familie tiefe Liebe.

STANDARD: Hal war ängstlich, wie beschreiben Sie Walter White, Held aus "Breaking Bad"?

Cranston: Angst war Hals Grundgefühl, daraus entstand die Komik. In Breaking Bad ist die Grundstimmung Sprachlosigkeit. Zu Beginn der Serie war Walter in seinem Alltagstrott wie betäubt. Er war erstarrt, nicht fähig, mit Gefühlen umzugehen. Die Ironie ist, dass mit der Diagnose der tödlichen Krebserkrankung Walter lebendig wurde. Er entscheidet sich, etwas zu tun.

STANDARD: Er stellt Drogen her, dealt und findet so zu sich?

Cranston: Die Diagnose bringt ihn zur entscheidenden Frage: Was würdest du tun, wenn du nur noch ein Jahr zu leben hast? Vieles verändert sich dadurch. Walter kämpft mit seiner Moral. Wie viel Geld muss im Spiel sein, damit wir moralische Überzeugungen ändern? Er wird getestet.

STANDARD: Das moralische Dilemma haben auch die Zuseher. Als Drogenproduzent ist er ein ganz Schlimmer, gleichzeitig fühlen wir mit ihm. Wie gehen Sie damit um?

Cranston: Regel Nummer eins beim Drehbuchschreiben ist es, Konflikte zu entwickeln. Vince Gilligan (Serienerfinder, Anm.) und mir ging es zuerst darum, den Kampf dieses Mannes zu zeigen. Ich wusste, wenn uns das gelingt, hat die Serie eine Chance.

STANDARD: Am Beginn der dritten Saison von "Breaking Bad" gibt es eine besondere Werbekampagne am Times Square: Barack Obama wirbt als "Leader in Style", Sie daneben als "Dealer in Style". Ihre erste Reaktion?

Cranston: Ich war sehr überrascht und habe viele Anrufe erhalten. Auf gleicher Höhe mit dem US-Präsidenten zu stehen und noch dazu größer als ein Autobus zu erscheinen war spaßig.

STANDARD: Krebskrank sehen Sie in manchen Folgen miserabel aus. Alleinige Kunst der Maske?

Cranston: Nicht nur. Ich wusste, dass die Chemotherapie in der zweiten Staffel Teil der Handlung sein wird. Deshalb unterzog ich mich einer Diät und nahm sieben Kilo in zehn Tagen ab. Wie ein Farmer, der ein Schwein mästet, aß ich vorher alles und wurde schwerer, als ich normal bin. Ich ließ von einem Tag auf den anderen Alkohol, Zucker, Kohlehydrate weg und halbierte die Portionen.

STANDARD: Walter kocht die gefährliche Droge "Crystal Meth". Hatten Sie Kontakt zur realen Szene?

Cranston: Ich bin sehr ignorant, was Drogen betrifft. Als ich mich für die Serie vorbereitete, sammelte ich Informationen über Chemie. Ich forschte nicht über Krebs, nicht über Drogen, weil mein Charakter auch nichts davon wusste. Wie Walter erfuhr ich erst im Laufe der Serie mehr darüber.

STANDARD: Wie viele Staffeln sind geplant?

Cranston: Wie alles im Leben hat auch Breaking Bad ein Ende. Wann es sein wird? Niemand weiß es. Das hängt mit finanziellen Faktoren zusammen, worüber mächtige Menschen beim TV entscheiden. Es wäre nett, wenn wir vom Ende zwei Jahre vorher wüssten. Dann könnten wir die Geschichte zum grandiosen Ende bringen.

STANDARD: US-TV glänzt mit anspruchsvollen Serien. Sind diese in Gefahr durch die Finanzkrise?

Cranston: Wir erleben ein goldenes Zeitalter des Fernsehens. Serien wie Dexter, Rescue Me, Damages, fordern Zuschauer heraus. Unterhaltung ist in der Finanzkrise notwendig. Der Erfolg von Avatar zeigt, dass das ziemlich gut geht.

STANDARD: Was würden Sie an Walter Whites Stelle tun?

Cranston: Ich bin in der glücklichen Lage, finanziell abgesichert zu sein. Ich würde Freunden nichts sagen, um die Welt reisen und bleiben, wo es mir gefällt. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 10.2.2010)

Zur Person:

Bryan Cranston (54) spielte Malcolms hypernervösen Vater. "Breaking Bad" läuft im Abo-TV bei Sky. Der US-Sender AMC startet am 21. März die dritte Staffel.

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Posting 1 bis 25 von 73
1 2
Galgenvogel
00
10.2.2010, 18:22

geniale serie :) beide staffeln schon geglotzt...

(²³^§&``?%=!!!!)
00
10.2.2010, 16:42
Treme

"Breaking Bad"
"Sopranos"
"Weeds"
"Dexter"

haben gemeinsam das sich die helden in einer fremden (für den zuschauer bekannten Welt)
leben müssen.

Wobei die Zuschauerwelt nur in einer Vorstellung
der Realität besteht

insofern funktioniert das eh.

Als Tipp:

"The Corner"

mute_conspiracy
00
10.2.2010, 16:22

nicht zu vergleichen. aber auf ihre art, die beste serie seit six feet under.
am 21. märz gehts in die dritte staffel!

high contrast
00
10.2.2010, 12:19

Kenn ich leider noch nicht aber klingt wie ein perfekter Ersatz für den guten alten Dextersendeplatz!
Wo jetzt glaub ich irgendein Criminal Blabla Mist läuft..

Gilgamesch
01
10.2.2010, 13:53

ja, dexter war großartig. - jetzt läuft "the closer", ganz nett, aber nix außergewöhnliches.
also nur her damit, the closer könnte man statt dem absolut unnötigen lipstick jungle spielen und allen wäre geholfen.

Fred 01
91
10.2.2010, 15:02

Dexter = Flatulenz; The Closer ist um Ecken besser

Pannonia Jack
01
10.2.2010, 18:30

Bei "The Closer" ist eine Folge wie die andere! Immer gleich - hat man eine gesehen, hat man alle gesehen!

smokem peacepipe
10
10.2.2010, 18:27
Herzliche Flatulation,...

...dass Sie es schaffen, in diesem Schubladl noch zu differenzieren :-)

niewieder nett
 
00
10.2.2010, 17:06

wahnsinn. da liegen für mich welten dazwischen. geschmäcker sind bekanntlich verschieden.
wobei ich glaube, dass das auf deutsch alle mies ist.

chrisis
00
10.2.2010, 13:14

Ja, denke auch dass die Serie perfekt für den Montagsspätabendsendeplatz an der Stelle von Dexter wäre. Ich glaube das Publikum beider Serien wäre ein ähnliches und kann mir durchaus vorstellen, dass es an dem Sendeplatz auch geschaut wird.

Hofer Jürgen 1
 
01
10.2.2010, 11:28

die Person "Hal" ist wohl eine der genialsten Serienfiguren der letzten Jahre - und die Besetzung hätte besser nicht sein können!

Wagner, allerdings nicht Ritschi
81
10.2.2010, 01:27
"eine der besten serien der letzten jahre"

warum wird tragik so oft mit qualität verwechselt?

thomazz
00
15.2.2010, 15:03

welcher der folgenden sätze trifft auf dich zu?
- beide bisherigen staffeln gesehen.
- eine staffel gesehen.
- eine folge gesehen.
- ausschnitte einer folge gesehen.
- standard artikel über die serie gelesen.

sollte 1 oder 2 zutreffen, dann würd mich schon interessieren, was dich an der serie gestört hat?

alehopp
04
10.2.2010, 11:36
und warum wird

'diesen artikel gelesen' mit 'die serie gesehn' zu haben verwechselt?
hab einige folgen gesehen. meiner meinung nach um einiges mehr qualität als tragik.
die erkrankung ist sicher anstoss zu dieser geschichte, jedoch - zwar fixer, aber - nur ein kleiner bestandteil der serie..

erowid
15
schade, dass die serie vom ORF konsequent ignoriert wird.

breaking bad ist die beste tv-serie seit jahren. stattdessen werden gebührenzahler mit der csi-blöcken und der x-ten wiederholung von malcom mittendrin oder mein cooler onkel charlie bombadiert.

TheKnurz
01
10.2.2010, 09:22
breaking bad ist die beste tv-serie seit jahren.

Obwohl ich nur die erste Staffel gesehen hab, 100% agree.

Christian Müllner
01
10.2.2010, 01:06

Ja, die Serie ist wirklich genial. Am Dienstag, "Bullen-Sendeplatz" wär auch noch was frei.
Na, malcolm mittendrin muss schon bleiben.

CrangerMan
03
Erst die sechste Wiederholung?

Ich kann mir ganz ernsthaft nicht vorstellen, dass Malcolm mittendrin erst zum sechsten Mal läuft, das ist mindestens das vierzehnte Mal.

Tandaradei Kladderadatsch
915
Liebe "Standard"-Redaktion,

hier ein paar Anglizismen, die ich in dieser Zeitung nicht mehr lesen möchte: "am Ende des Tages" (at the end of the day) statt "letzten Endes" (siehe Interview oben), "das macht Sinn" (that makes sense) statt "das ergibt Sinn" oder "das ist sinnvoll", "das meint" (that means) statt "das bedeutet".

thomazz
00
15.2.2010, 15:07

das ist überhaupt eine sehr schleißige übersetzung aus dem englischen. wobei sich 'sinn machen' mittlerweile in allen bereichen (sprachjournalismus, printjournalismus alltagssprache) mehr und mehr durchsetzt. ist eben eine lebendige sprache.

Milia Cherubin
00
13.2.2010, 21:35

danke!

Allmächtiger Satan
00
10.2.2010, 17:48

Ewiggestriger.

Tandaradei Kladderadatsch
00
10.2.2010, 19:48

So habt doch Erbarmen mit mir, O Herr der Finsternis.

jodeldodl
00
10.2.2010, 17:25
@ Tandaradei Kladderadatsch

und was genau heißt "letzten endes"? das ende ist doch immer das letzte oder gibt es auch ein vorletztes ende? also, wenn schon klugsch*****, dann ordentlich ;)

Tandaradei Kladderadatsch
00
10.2.2010, 17:51

Stimmt. Gute Frage. :-)
Lassen Sie mich darauf mit folgendem Ausspruch des chinesischen Philosophen Lü Bü We antworten: „Auf jedes Ende folgt wieder ein Anfang, auf jedes Äußerste folgt eine Wiederkehr.“

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