Albertina Wien

Wenn der Vater mit dem Sohne

9. Februar 2010, 18:13
  • Artikelbild
    vergrößern 600x472
    foto: albertina

    Die unkonventionelle, spannungsvolle Perspektive, mit der Jakob von Alt hier den Regensburger Dom einfängt, lässt vermuten, dass die Studie vor Ort 1837 von seinem Sohn Rudolf angefertigt wurde.

Werke aus der Blüte österreichischer Aquarellmalerei: die Ausstellung "Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers"

Wien - Die Marke hieß "Jakob von Alt", produziert wurde allerdings von Jakob und Rudolf von Alt gemeinsam. Erfolgreiche Teamarbeit von Vater und Sohn anno 1830:Sohn Rudolf (geboren 1812) fertigte die Aquarellstudien vor Ort, Vater Jakob (geboren 1789) die finale Fassung der großformatigen Blätter für die sogenannte "Guckkastenserie" Kaiser Ferdinands I. Und umgekehrt.

Signiert hat alle 170 Arbeiten allerdings der Herr Papa; schließlich war er der Auftragnehmer des kaiserlichen Hofes und somit Qualitätsgarant. 1892, zwanzig Jahre nach dem Tod seines Erzeugers, hielt der Filius protokollarisch fest, dass 46 der zwischen 1830 und 1849 gefertigten Blätter er allein geschaffen hatte: Etwa Der Domplatz in Cattaro (1841), auf dem Rudolf die Kathedrale des Küstenstädtchens Kotor in dramatischer Untersicht zeigt und dadurch auch die schroff aufragenden Felsen der bis zu 1900 Meter aufragenden montenegrinischen Bergketten einfängt.

Auch die Perspektive auf einem anderen Blatt Rudolf von Alts, das 1837 auf der dritten Italienreise von Vater und Sohn entstand, ist bemerkenswert unkonventionell: Das Kapitol in Rom zeigt keine imposante Übersicht, sondern fängt einen alltäglichen Blick auf den Senatorenpalast ein: neben der schmucken Fassade eben auch die unverputzte, bröckelnde Seite.

In Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers (Kuratorin Maria Luise Sternath) zeigt die Albertina nun zum allerersten Mal die Blätter dieser Serie in solcher Dichte. Der geistig gelenkige, aber körperlich schwächelnde Ferdinand I. hatte sie für ein "Bilderbuch" über die Schönheiten des Kaiserreichs und seiner Nachbarländer in Auftrag gegeben.

Die führenden Aquarellisten

Neben den von Alts wurden die führenden Aquarellisten jener Zeit, allen voran Eduard Gurk - heute nahezu unbekannt -, beauftragt. 227 der insgesamt 300 entstandenen Aquarelle verwahrt die Albertina, 30 weitere lagern auf Schloss Konopište bei Prag. Auf diese musste man in der Wiener Schau, die sich komplett aus den eigenen Beständen speist, jedoch verzichten. Ihr erbärmlicher konservatorischer Zustand (Lichtschäden, Farbabrieb und Oberflächenverletzungen) verbietet es. Schuld war der Kaiser höchstselbst: Er soll für die Betrachtung dieser nach Prag mitgenommen Aquarelle einen Kasten mit einem Hohlspiegel verwendet haben. An dessen Rückseite wurden die Blätter eingeschoben und von hinten beleuchtet. So erklärt sich auch der Name "Guckkastenserie".

Gemeinsam mit Werken anderer Künstler - insbesondere die in kaltes Licht und harte Kontraste getauchten, dokumentarischeren Landschaften Gurks - zeichnen sie ein adrettes Bild von der Blüte österreichischer Aquarellmalerei.

Sechzig Gulden hat sich der Kaiser ein Aquarell der von Alts kosten lassen. (Eine Theaterkarte kostete einen Gulden, 3000 waren das Jahresgehalt eines hohen Beamten) Der Verkaufspreis entspräche heute etwa 1000 Euro. Eine Summe, für die man weder einen Jakob noch einen Rudolf haben kann: Verfügbare Blätter des Vaters erzielen Preise um 10.000 Euro; für Aquarelle des Sohnes ist noch eine Null anzuhängen.

Der letzte Saal vermittelt einen guten Eindruck von dessen - inzwischen teuer zu bezahlenden - Qualitäten: Das Spätwerk gipfelt in realistischen Landschaften, deren lichte Farben die bleichende Kraft des südlichen Sonnenlicht famos einfangen. Schön. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe, 10.02.2010)

Bis 24. 5.

HerrUnmut
00
10.2.2010, 21:51
wer genau?

Darf man mal fragen - wie genau kann denn unterschieden werden was Sohn und was Vater gefertigt hat? Kann man das - wäre interessant oder ob der Stil sich so angeglichen hat...

Herzerzog Johann
00
10.2.2010, 15:13
StreetView ...

... anno 1830. Auch nicht schlecht.

Lavinya
00
10.2.2010, 11:13

Lustig zu erfahren, dass sogar Zeitungslektoren Rechtschreibfehler machen. Nobody is Perfect!
Die Werke von „von Alt“ sind heute sicherlich viel mehr wert, als damals 60 Gulden. Nachdem ich mir so was so wie so nicht leisten kann, muss ich doch in die Albertina gehen und die Werke dort bewundern :-)

Karpe
00
10.2.2010, 14:10
Virtuelle Rundreise

Tja, das mit den mangelnden Rechtschreibkenntnissen ist leider nicht nur beim Standard ein Thema. Dafür muss ich sagen, dass die Rezension der aktuellen Ausstellung in der Albertina inhaltlich gesehen deutlich besser ist als jene zu "Cars" vor wenigen Wochen. Vater und Sohn von Alt zählen nicht umsonst zur Riege der besten Aquarellisten dieser Zeit, wobei ich es spannend finde, dass die Bilder als Guckkastenmotive in Auftrag gegeben wurden, um somit eine Rundreise durch das kaiserliche Reich zu ermöglichen. Für mich persönlich nicht zu unterscheiden: Ob nun Vater oder Sohn das jeweilige Werk gemalt haben, wobei der Sohn das Rennen um den besseren Künstler zumindest hinsichtlich der Werte seiner Bilder gewonnen hat.

00
10.2.2010, 09:34
Rechtschreibfehler

Es wäre wünschenswert, wenn eine Qualitätszeitung wie der Standard zwischen das und dass unterscheiden könnte (Bildunterschrift: ... lässt vermuten, das die Studie.... sollte heißen, dass)

Wenn man "das" durch "welches" ersetzen kann, schreibt man es mit s -, ansonsten mit ss

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.