Werke aus der Blüte österreichischer Aquarellmalerei: die Ausstellung "Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers"
Wien - Die Marke hieß "Jakob von Alt", produziert wurde allerdings von Jakob und Rudolf von Alt gemeinsam. Erfolgreiche Teamarbeit von Vater und Sohn anno 1830:Sohn Rudolf (geboren 1812) fertigte die Aquarellstudien vor Ort, Vater Jakob (geboren 1789) die finale Fassung der großformatigen Blätter für die sogenannte "Guckkastenserie" Kaiser Ferdinands I. Und umgekehrt.
Signiert hat alle 170 Arbeiten allerdings der Herr Papa; schließlich war er der Auftragnehmer des kaiserlichen Hofes und somit Qualitätsgarant. 1892, zwanzig Jahre nach dem Tod seines Erzeugers, hielt der Filius protokollarisch fest, dass 46 der zwischen 1830 und 1849 gefertigten Blätter er allein geschaffen hatte: Etwa Der Domplatz in Cattaro (1841), auf dem Rudolf die Kathedrale des Küstenstädtchens Kotor in dramatischer Untersicht zeigt und dadurch auch die schroff aufragenden Felsen der bis zu 1900 Meter aufragenden montenegrinischen Bergketten einfängt.
Auch die Perspektive auf einem anderen Blatt Rudolf von Alts, das 1837 auf der dritten Italienreise von Vater und Sohn entstand, ist bemerkenswert unkonventionell: Das Kapitol in Rom zeigt keine imposante Übersicht, sondern fängt einen alltäglichen Blick auf den Senatorenpalast ein: neben der schmucken Fassade eben auch die unverputzte, bröckelnde Seite.
In Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers (Kuratorin Maria Luise Sternath) zeigt die Albertina nun zum allerersten Mal die Blätter dieser Serie in solcher Dichte. Der geistig gelenkige, aber körperlich schwächelnde Ferdinand I. hatte sie für ein "Bilderbuch" über die Schönheiten des Kaiserreichs und seiner Nachbarländer in Auftrag gegeben.
Die führenden Aquarellisten
Neben den von Alts wurden die führenden Aquarellisten jener Zeit, allen voran Eduard Gurk - heute nahezu unbekannt -, beauftragt. 227 der insgesamt 300 entstandenen Aquarelle verwahrt die Albertina, 30 weitere lagern auf Schloss Konopište bei Prag. Auf diese musste man in der Wiener Schau, die sich komplett aus den eigenen Beständen speist, jedoch verzichten. Ihr erbärmlicher konservatorischer Zustand (Lichtschäden, Farbabrieb und Oberflächenverletzungen) verbietet es. Schuld war der Kaiser höchstselbst: Er soll für die Betrachtung dieser nach Prag mitgenommen Aquarelle einen Kasten mit einem Hohlspiegel verwendet haben. An dessen Rückseite wurden die Blätter eingeschoben und von hinten beleuchtet. So erklärt sich auch der Name "Guckkastenserie".
Gemeinsam mit Werken anderer Künstler - insbesondere die in kaltes Licht und harte Kontraste getauchten, dokumentarischeren Landschaften Gurks - zeichnen sie ein adrettes Bild von der Blüte österreichischer Aquarellmalerei.
Sechzig Gulden hat sich der Kaiser ein Aquarell der von Alts kosten lassen. (Eine Theaterkarte kostete einen Gulden, 3000 waren das Jahresgehalt eines hohen Beamten) Der Verkaufspreis entspräche heute etwa 1000 Euro. Eine Summe, für die man weder einen Jakob noch einen Rudolf haben kann: Verfügbare Blätter des Vaters erzielen Preise um 10.000 Euro; für Aquarelle des Sohnes ist noch eine Null anzuhängen.
Der letzte Saal vermittelt einen guten Eindruck von dessen - inzwischen teuer zu bezahlenden - Qualitäten: Das Spätwerk gipfelt in realistischen Landschaften, deren lichte Farben die bleichende Kraft des südlichen Sonnenlicht famos einfangen. Schön. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe, 10.02.2010)