Argentinien

"Drama" vom wunder­samen Kirchner-Reichtum

Sandra Weiss aus Puebla, 09. Februar 2010 18:03

Für Cristina und Nestor Kirchner wird es eng: Die Stimmung in der Öffentlichkeit hat sich gegen das Präsidentenpaar gedreht

Er regiert, sie kümmert sich um die Geschäfte, dann regiert sie, und er kümmert sich um die Geschäfte - die Aufgabenteilung des Präsidentenehepaars Kirchners in Argentinien scheint bestens zu funktionieren. Von 1,2 auf 8,5 Millionen Euro haben Cristina und Nestor Kirchner ihr Vermögen seit 2003 - dem Amtsantritt von Nestor - vermehrt. Allein im Vorjahr konnten sie eine Steigerung um 158 Prozent verzeichnen. So ist es zumindest der offiziellen Steuererklärung zu entnehmen, die auf Antrag der Opposition von einem Gericht geprüft wurde.

Der zuständige Richter, der die Aktenberge und Finanzkonstrukte der Kirchners in 38 Tagen durchleuchtet haben will, konnte daran nichts Verdächtiges feststellen. Das Verfahren wurde kürzlich eingestellt.

Die argentinische Presse jedoch blieb am Ball und brachte wenige Tage nach dem skandalumwitterten Rauswurf des Zentralbankpräsidenten Martin Redrado pikante Details ans Licht. Etwa, dass Nestor Kirchner im Oktober 2008 rund zwei Mio. Dollar (1,4 Mio. Euro) in Devisen kaufte - kurz vor Abwertung des Peso im Zuge der weltweiten Finanzkrise. Der Verdacht auf Insiderinformationen liegt nahe und wird auf Antrag der linken Bürgerkoalition (CC) wohl erneut gerichtsanhängig werden.

Politik und Business

Er habe das Geld damals getauscht, um davon das Hotel El Sauce zu kaufen, das er in Dollar bezahlt habe, verteidigte sich Nestor Kirchner. Ein grenzwertiger Fall wie viele andere Geschäfte des Ehepaars, in denen Politik und Business eng verwoben sind.

Zentrum des kirchner'schen Wirkens ist ihre südliche Heimatprovinz Santa Cruz, in der Nestor in den 1990er-Jahren Gouverneur war. Schon damals war sein Geschäftssinn legendär. So brachten die Kirchners ihr Vermögen - und gleichzeitig auch 550 Mio. Dollar der Regionalregierung - kurz vor der Finanzkrise 2001 auf Konten in den USA und der Schweiz. Während Millionen argentinischer Sparer aufgrund der Abwertung zwei Drittel ihrer Ersparnisse verloren, sicherten sich die Kirchners nicht nur ihr Vermögen, sie vervierfachten es bei der Rückführung und Umwandlung der Einlagen in Pesos 2002.

Die beiden gäben sich politisch links, ihr Geldbeutel sitze aber rechts, und mit ihrem phänomenalen Geschäftssinn wollten sie ihren Landsleuten nur eine praktische Lektion in Kapitalismus erteilen, ironisierte der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa in einer Kolumne der argentinischen Tageszeitung La Nación.

Gerade das Hotel El Sauce in der Tourismushochburg El Calafate steht schon länger im Zentrum der Kritik. Der Kredit, den ein befreundeter Bauunternehmer angeblich dafür springen ließ, ist noch nicht zurückgezahlt. Aber der spendable Unternehmer bekam vom kirchnertreuen Bürgermeister El Calafates den Zuschlag für ein lukratives Grundstück - zum Spottpreis von 1,50 Euro pro m2. El Sauce wurde indes an den Unternehmer Juan Carlos Relats für zwei Mio. Euro im Jahr verpachtet. Das Hotel schreibt rote Zahlen. Damit scheint Relats leben zu können. Er hat in den letzten Jahren öffentliche Bauaufträge in Millionenhöhe erhalten.

Billig kaufen, teuer verkaufen

Billig kaufen, teuer verkaufen lautet das andere Erfolgsrezept der Kirchners. So zahlten sie 2005 für ein 60 Hektar großes Grundstück in El Calafate 69 Cents pro m2, ein Jahr später veräußerten sie es für 50 Euro pro Quadratmeter. Von den lukrativen Immobiliengeschäften profitierten verschiedene Minister, Angehörige und Geschäftspartner der Kirchners.

Auch bei der Geldanlage scheinen die Kirchners ein gutes Händchen zu haben. So werfen ihre Einlagen auf Konten in Patagonien deutlich mehr Zinsen ab als Banken sonst in Argentinien zahlen, alleine an Wechselkursgewinnen konnten sie von 2005 bis 2008 rund 315.000 Dollar verbuchen. Das Drama ihrer Familie sei, weiße Schafe inmitten einer Herde von schwarzen zu sein, verteidigt sich Cristina Kirchner.

Der Skandal um die Kirchners sei selbst fabriziert, äußert indes der Kommentator Andres Oppenheimer im Miami Herald eine andere Vermutung. "Damit die ganzen Korruptionsverfahren von hörigen Richtern noch während ihrer Amtszeit niedergeschlagen werden und anschließend nicht erneut aufgegriffen werden können." Ein Verdacht, der angesichts der politischen Konjunktur nicht ganz von der Hand zu weisen ist: 2011 finden in Argentinien Präsidentschaftswahlen statt, die Lage für die Kirchners ist nicht rosig.

Popularität im Sinken

Im neu gewählten Kongress müssen sie gegen eine oppositionelle Mehrheit regieren, die Haushaltslage ist angespannt und ihre Popularität im Sinken begriffen. Dass der Filz zwischen Politik und Geschäften mit der Ära Kirchner endet, ist unwahrscheinlich. Auf Seiten der Opposition stehen zwei Anwärter auf den Präsidentensessel in den Startlöchern: der Baulöwe und Fussballclubbesitzer Mauricio Macri, derzeit Bürgermeister von Buenos Aires, und der Medien- und Supermarktmogul Francisco de Narvaez.(Sandra Weiss aus Puebla, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2010)

 

Kommentar posten
22 Postings
so go
10.02.2010 15:49
viva fidel!

:(

monkeyboy
10.02.2010 14:06
Wie kann ihr Vermögen auf "nur" 8,5 Mio. Euro gestiegen sein

wenn alleine das eine beschrieben Grundstücksgeschäft 60 ha x 1000 m2 x 49,31 € = fast 30 Millionen (!) Euro Gewinn brachte?

adaschauher
10.02.2010 12:36
Schlecht, wenn ein Finanzminister Geschaeftssinn hat...?

im Gegenteil...nur bei uns ist das anruechig und wir haben lieber ahnungslose und wirtschaftsfremde Abzocke Apparatschiks aus SPOe und OeVP Vorfeldorganisationen.

Wasmichstört
10.02.2010 14:05
na genau...

...wie z.b. den Hrn. Grasser... sehr lustig dein Posting... der war z.B. sowas von wirtschafts-unfremd, dass er ganz sicher nur zum Wohle der SteuerzahlerInnen tätig war...

hupf_in_gatsch
10.02.2010 10:34

la gauche caviar!

Knochenmann
10.02.2010 08:50

Das sind ja Zustände wie in Österreich!

pei mei
10.02.2010 08:02
sogesehen sieht man,

daß sich "regieren" offensichtlich ordentlich auszahlt ...

Kritifaxe
10.02.2010 02:54

War es jemals anders? (in Südamerika?)

gbtoe1
10.02.2010 13:34

woanders?

Ain't got no how watchamacallit
09.02.2010 23:20

moderne politiker halt…

Jeff Lebowski
09.02.2010 21:34
Leider...

ist es so, dass einem in Argentinien wahrscheinlich nichts anders überbeibt. Die Chance "sinnvolle" oder "hachhaltige" Politik zu betreiben ist gleich null, v.a. wenn man die (ausbeutende Macht der) Großgrundbesitzer und das Medienmonopol Clarin gegen sich hat und zu "potschert" ist, das diplomatisch zu lösen. Bin kein Kirchnerfreund, aber in dem Land gibts jede Menge Leut (z.B. Macri) die weit mehr Dreck am Stecken haben.

Eckhausbesitzer
09.02.2010 21:24

Wenn ich das gewußt hätte, dass man in dieser wunderbaren Ecke Land um 69 Cent kaufen kann, wäre ich damals dort geblieben, hätte die äußerst fesche Verkäuferin beim Kreißler am Eck geehelicht und tagtäglich diese wunderbare patagonische Landschaft in der Abendröte bewundert....

Deine Mudder heisst Hans-Martin
10.02.2010 07:37
ich wusste es...

... und hab es dennoch nicht gemacht. Und ich bin mir sicher, dass wird sich mit der Zeit rächen!!

Du dagegen hast ja dein Eckhaus!

Eckhausbesitzer
10.02.2010 13:24

Ja, aber ich war vor knapp 9 Jahren dort.. dass ich mich noch immer an die Verkäuferin erinnere soll schon was heißen ;o)

Adolf Ogi
09.02.2010 19:19
naja

bei dem Auf und Ab, bzw. umgekehrt, der Immobilienpreise in Buenos Aires, ist es klar das jemand, der rechtzeitig seine Pesos in Dollar gewechselt hat und dann billig eingekauft hat, heute quasi reich ist. Das allein ist aber noch kein Skandal.

TanteMitzi
10.02.2010 00:24
naja

Bei dem Auf und Ab werden halt manche arm und manche vor allem reich.
Da braucht man sich nix dabei denken, wenn man sich nix dabei denken will.

Comedian
09.02.2010 19:12
Hat da der Superpraktikant das Forum geschrottet?

Was jetzt alles unter Wirtschaft steht? :)

RonConSoda
09.02.2010 19:11


die können sich mit'n KHG auf ein packl hau'n.

Gary Grantscherbn
09.02.2010 19:11

Komisch: die "Zeit" wirft in der letztwöchigen Ausgabe ein internationales "Rand"Thema auf, der "Standard" bringt's dann eine Woche später. Fällt mir regelmäßig auf.

a las barricadas
09.02.2010 19:10
dort geht es zu wie in österreich

t 3
 
09.02.2010 18:13
lächerlich.

so ein taschengeld verdient einer aus der effen-buberlpartie nebenbei in 5 minuten beim consultieren...

Andreas Hofer
09.02.2010 18:42

Stimmt. Laecherlich. Das ist ein Taschengeld und die Neider sollen wirklich eine Ruhe geben. Einfach aergerlich , so etwas.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.