Niederösterreich

Frostige Zeit für den Nahverkehr

Luise Ungerboeck, 09. Februar 2010 17:37
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    Foto: apa/bein

    Den Weiterbetrieb bis 2030 verspricht Niederösterreich nur für Schmalspurbahnen und Schneebergbahn.

Die Übernahme von 28 ÖBB-Ne­ben­bahnen durch das Land NÖ garantiert weder bessere Zugs­angebote noch eine gesicherte Finanzierung

Wien - Der vor einem Monat fixierte Verkauf von 600 Kilometern ÖBB-Nebenbahn und Schmalspurstrecken an Niederösterreich bedeutet - im Gegensatz zu Beteuerungen der Politiker von Bund und Ländern - keineswegs eine Sicherstellung oder gar Verbesserung des Schienennah- und Regionalverkehrsangebots in Niederösterreich. Das lässt sich aus der von ÖBB, Verkehrsministerium und Niederösterreich fixierten "Grundsatzvereinbarung" ablesen, die dem Standard vorliegt.

Sie lässt dem Käufer einige "Hintertürln" offen. Niederösterreichs Grüne Klubobfrau Madeleine Petrovic nennt das Vertragswerk nach Analyse "eine Farce" .

Den Betrieb als öffentliche Eisenbahn garantiert St. Pölten nur für vier Streckenabschnitte:

Mariazellerbahn von St. Pölten nach Mariazell;

Schneebergbahn von Puchberg auf den Hochschneeberg (nur Infrastruktur); und

Waldviertler Schmalspurbahn von Gmünd nach Groß Gerungs und von Gmünd nach Litschau.

Den Weiterbetrieb der unterÖBB-Ägide heruntergekommenen Ybbstalbahn hingegen behält sich St. Pölten bzw. deren Verkehrsorganisationsgesellschaft Növog ebenso vor, wie jenen der Normalspurstrecken Krems-Sarningstein, Retz-Weitersfeld-Drosendorf und Schwarzenau-Waidhofen an der Thaya. Hier will das Land NÖ über "Dauer des Betriebs und eventuelle Nachnutzung entscheiden, was frühestens nach der Gemeinderatswahl im März zu erwarten ist.

Keine Ausweitung des Pendlerzugangsangebots

Verheißungsvoll klingt auch die Verpflichtung, 2010 um 680.000 Personenzugkilometer zusätzlich bei der ÖBB zu bestellen (steigt bis 2013 auf jährlich 880.000 km). Eine Ausweitung des zuletzt teils spürbar ausgedünnten Pendlerzugangebots ist davon aber nicht zu erwarten. Denn in der Praxis bedeutet dies lediglich, dass Niederösterreich endlich jene Leistungen mitfinanziert, die die ÖBB ohne Kostenbeitrag aus Niederösterreich erbringt. Das sind pro Jahr 2,5 Millionen Zugkilometer.

Da der Bund ebenfalls nur 650.000 Zugkilometer finanziert, blieben 1,2 Mio. ÖBB-Zugkilometer pro Jahr weiterhin dem Goodwill der ÖBB geschuldet. Oder den Finanzausgleichsverhandlungen, bei denen Niederösterreich für den Verkehr viel Geld herausholen wird müssen. Eine Finanzierungsgarantie betreffend Instandhaltung des teils heruntergekommenen Streckennetzes fehlt, mehr als 125 Mio. Euro (davon 45 vom Bund, 50 von ÖBB) gibt es nicht.

Falls die zehn Mio. Quadratmeter Bahngrund, den NÖ mitkauft, kontaminiert sind oder Fliegerbomben gefunden werden, muss dafür allein NÖ aufkommen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.2.2010)

 

Kommentar posten
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Heinz Anderle
 
21.02.2010 21:32
Also, bei manchen Strecken wird wohl nichts mehr daraus.

Hinter Gaweinstal liegen in Richtung Mistelbach bis Paasdorf 22 Jahre nach der Einstellung des Betriebs zwar immer die noch langsam von der Natur überwucherten Schienen, aber für den Bau des Talübergangs der Nordautobahn wurde der Bahndamm einfach abgetragen.

Das Abtragen der gesamten Strecke ist wohl zu teuer, und Gaweinstal-Mistelbach ist heute eine Autofahrt von wenigen Minuten.

Das ist eben der Fortschritt.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

black jack
15.02.2010 15:41
Haben wir kein Foto von einer österreichischen Schmalspurbahn zu diesem Bericht?

Der Harz und die dortige Schmalspurbahn sind ja ganz nett anzusehen; aber:

Die Mariazellerbahn ist eine der ersten mit Wechselstrom betriebenen Bahnlinien auf der Welt. Warum kein Foto der schönen blutorange/elfenbeinfarbigen Lokomotiven - die übrigens seit dem Jahr 1911 Dienst schieben (lediglich der Aufbau wurde in den 50ern nach gut 40 Dienstjahren erneuert). Hmmm ....

Fällt vielleicht jetzt langsam der Groschen, warum zB in der Schweiz oder neuerdings auch in Deutschland Nebenbahnen durchaus profitabel betrieben werden können und bei uns (gemeint sind die ÖBB-Nebenbahnen) nicht?

Eustreptospondylus
15.02.2010 08:26
Diese Nebenbahnen

am besten sofort der ÖBB und NÖ-Apparatschiks wegnehmen und an CONNEX oder Salzburg AG übergeben, die haben Ahnung vom Bahn-Nahverkehr....

Quim Barreiros
12.02.2010 17:52
Die meisten

Strecken sind eh schon seit langem nicht mehr befahrbar und können nur noch abgetragen werden.

Der Rest wird bald eingestellt und durch "flexible Busse" mit Fahrplänen auf ukrainischem Niveau ersetzt. Alibihalber werden 1 oder 2 Strecken (Mariazellerbahn?) weiter betrieben.

In der Zwischenzeit investieren Nachbarregionen wie Südmähren ihr Geld in brauchbaren öffentlichen Verkehr, während NÖ es lieber dem Herrn Sobotka überlässt.
Da viele Niederösterreicher aus ihrem Land nicht rauskommen (und schon gar nicht zu den Tschechen! "Wäh, Ostblock!"), finden sie das ganz normal und toll.

Schnabeltierfresser
15.02.2010 07:29
Alibihalber

wird die Mariazellerbahn weiter betrieben ist gut, wissen Sie was das kostet? Bei Enstellung der Meriazellerbahn könnte man einiges sinnvolleres finanzieren.

Quim Barreiros
17.02.2010 17:43

Ich kann es mir vorstellen.

Gut, ich korrigiere mich: Dann betreibt das Land halt alibihalber die Waldviertler Schmalspurbahnen weiter. Verkehrswert: 0

der_kleine_pariser
 
12.02.2010 20:49

die kommen ja offensichtlich nicht einmal nach oberösterreich.

Quim Barreiros
13.02.2010 11:28

Oh ja, OÖ hat einiges getan. Als ich zuletzt bei meinen Verwandten auf Besuch war, ist mir das aufgefallen. Und das, obwohl die gleiche Partei wie in NÖ regiert.

der_kleine_pariser
 
13.02.2010 14:38

In Grein lacht man ja über die Nachbarn unterhalb an der Donau, die's nichteinmal schaffen, einen Zug für den Fahrradtourismus auf Schiene zu bringen...

Tirol ist teifschwarz und der öffentliche Verkehr hat Schweizer Niveau (Südtirol auch)! Da gibt's sehr gute Bahnverbindungen und ein extrem dichtes ERGÄNZENDES Bus-Netz.

Der Salzburger Verkehrslandesrat (Haslauer) gehört auch der ÖVP an. Verkehrspolitik ist keine Frage der politischen Farbe, das ist eine Frage der Einstellung und des Verstandes.

aber vielleicht kapieren's die Niederösterreichischen Landespolitiker auch noch, zaghafte Anzeichen gibt's, wenn auch die Betonung auf zaghaft und nicht auf Anzeichen liegt ;)

Ostbahn
11.02.2010 06:38
wir san mit dem traktor do

die raiffeisen kann auch mit traktoren liefern.

Ö Card täglich
 
11.02.2010 00:06
Darum bin ich nach Wien gezogen ...

http://www.wieninternational.at/de/node/13488
nicht nur wegen CO² und Feinstaub, der Auto Verkehr hat längst das Maß des Erträglichen überschritten ...
Die ÖBB ist das Beispiel wie Österreich runter gewirtschaftet wird ...
Schnell alles Verkaufen und Zu Sperren was nicht den Gewinn der Landes Väter u. deren Freunde mehrt ... (Erwins Wiesel Busse statt Nebenbahn)
So alle Menschen zwingen in die großen Städte entlang der Westbahn aus zu siedeln ...
Im Rest Österreich, freie Fahrt für Europa mit 8 bis 12 Spurigen Auto Bahnen, die 5 Tag wegen Smog gesperrt sind, werden müssen ...
Aber guat vardieant hama immer, meint der 80 Jährige Erwin zum Pepi Onkel hustend, hinter seiner Gasmaske ...

mikesdesign

maybreeze
10.02.2010 21:32
das Foto zeigt, wie es gemacht werden sollte

Das Bild zeigt einen Zug der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) auf dem Weg zum Brokengipfel. Bei dieser Bahn wird investiert, sogar neue Schmalspurgeleise werden gelegt, um nahegelegene Orte in das Bahnnetz einzubinden (Quedlinburg z.B.). Die Dampflokomotiven werden als Fremdenverkehrsattraktion gehegt und gepflegt. Innovation und Investition statt Abwirtschaften!

der_kleine_pariser
 
11.02.2010 21:19

warum in die ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah...

http://www.pinzgauerlokalbahn.at/index.php... ederaufbau

oder

vom modernen triebwagen zum Dampfnostalgiezug ist da alles drin.
http://www.zillertalbahn.at/page.cfm?... dergalerie

oder hier, die Fahrrad-bahn schlechthin:
http://de.wikipedia.org/wiki/Murtalbahn

wenn man bedenkt dass es noch nicht alnge her ist, dass die Ybbstalbahn 700.000passagiere im jahr transportiert hat..

das sind im Schnitt 2000 pro tag, macht 40 busse! von den Fahrrädern gar nicht zu schweigen.


...

01052004
10.02.2010 15:39
aber jetzt keine aufregung, bitte!!!

der weise erwin hat natürlich ein großes herz für pendler. deshalb läßt er ja auch strassen aus- oder neubauen. damit jeder pendler mit seiner blechschüssel nach wien gurken und den gscherten dort die parkplätze wegnehmen kann.

die pendlerinnen, sozial schwachen, schüler und alten müssen halt mit dem verbleibenden angebot irgendwie zurechtkommen.
aber die sind eh so anpassungsfähig...

gell, erwin???

Eustreptospondylus
15.02.2010 08:22

So ist es! Kein Mitleid mit Hungerleidern, die sich kein Auto leisten können...

didi111
10.02.2010 12:15
Das sind halt die "Segnungen" des Förderalismus...


Wie hier augenscheinlich nachvollziehbar, übernahm das Land NÖ die schwer defizitären Nebenbahnen von den ÖBB nur aus parteipolitischem Kalkül.

Mit der Landesbahnholding wird analog zur Landesklinikholding nur versucht, IHR Klientel und ihre Unterläufer unterzubringen.

Das wird dann wieder die Tummelwiese für Handlesschüler, Lehrer,...

Es kann doch NIEMAND ernsthaft behaupten, daß diese Menschen eine Ahnung vom Geschäft haben (s. Sobotkas Unkenntnis in Finanzfragen)...

Es ist ja in keinster Weise ersichtlich, welches Know HOW die Brüder beim Betrieb der Landesbahnen einbringen können. Die sind doch fachlich komplett blank(!!!)

Und das wirdklich Widerwärtige ist, daß das Ganze wieder einmal der Steuerzahler blechen muss.

+DieMeinung+
10.02.2010 11:28
Verkauf von 600 Kilometern ÖBB-Nebenbahn

Die ÖBB "verkauft" etwas, das der Steuerzahler bezahlt hat. Und den Kaufpreis zahlt jetzt wieder der Steuerzahler.

Ja das ist Logik.

Meine Wenigkeit mit viel Senf
10.02.2010 11:56
Sicher

irgendwoher müssen die Banken ja das Geld haben, das sie hinterher am Aktienmarkt verzocken können...

tarantoga
10.02.2010 11:09
aha, es hängt also vom "goodwill" der öbb ab, bahnverkehr zu betreiben.

also das schlägt ja wohl dem fass den boden aus.
die öbb ist subventioniert und gehört auch subventioniert, dann aber davon zu sprechen, dass es ja nur "goodwill" sei, was die liebe bahn zum fahren veranlasst. ich könnte k****.

so lange diese denkstrukturen vorhanden sind, wird es mit dem öffentlichen verkehr bergab gehen.

siehe deutschland: ein einziges chaos, für einfachste zugverbindungen gibt es keine online-auskunft oder buchungsmöglichkeit. tarifdschungel. zig länderspecials. etc.

wenn die öbb jetzt die consulting-firmen ranlässt und diese lemminge nur noch nach "effizienten" bahnlinien" entscheidet.

wenn am land "abbeorderte" ex-politniks die waltungsfreiheit über die übernommenen bahnen bekommen.

dann gute nacht!

slobodan covjek
 
10.02.2010 06:54

Das Land Niederösterreich hat mit der ÖBB so "gut" verhandelt, dass der Zugverkehr in Niederösterreich fast zum Erliegen gekommen ist.

slobodan covjek
 
10.02.2010 06:53

Niederösterreich ist vermutlich das Bundesland mit dem schlechtesten öffentlichen Verkehr von ganz Österreich.
Mit Ausnahme von West- und Südbahn gibt es keinen brauchbaren öffentlichen Verkehr.
Die Wieselbusse, die die Beamten nach St. Pölten bringen, haben leider nur für diese Beamten einen Sinn. Fast alle anderen Niederösterreicher wollen oder müssen nicht nach St. Pölten, sondern in der Regel nach Wien fahren.

Quim Barreiros
12.02.2010 17:47

Selbst in Tschechien - vor einigen Jahren noch tiefster Ostblock - hat man im ÖV ein höheres Niveau als in NÖ erreicht.

der_kleine_pariser
 
11.02.2010 21:25

Kärnten ist wohl >Spitzenreiter<

das was sich dort abspielt ist wirklich unter jeder kritik.

Im internationalen Vergleich lässt sich der ÖV in Österreich jedoch sehen, zumindest der ausserhalb von NÖ.

h h h
10.02.2010 17:29

Naja, die S-Bahnen nach Wien sind eigentlich recht gut. Am Wochenende in der Nacht sollten sie noch fahren (so alle 1-2 Stunden), aber sonst geht es eigentlich...

Faktor I
10.02.2010 12:16
Hängt vom Vergleich ab

Ist immer auch eine Frage des Vergleichsmaßstabes. Beruflich bin ich jetzt seit längerem in Hessen, und hier sieht es nicht viel anders aus als in NÖ. In den Großstädten (Frankfurt) öffentlicher Verkehr in etwa auf dem Niveau von Wiener Stadtrandbezirken, in den übrigen Städten etwa Verhältnisse wie in NÖ. Eher noch schlechter. Wobei die Bevölkerungsdichte hier auf dem Land wohl eher höher ist als in NÖ. D.h., derart dünn besiedelte Gebiete wie das Waldviertel gibt es hier nicht. Tut mir ja leid für die Leute, die dort wohnen, aber der Hinweis auf die Verweis auf die "Metropolen" stimmt schon. Eine andere Frage ist es, daß sehr viel Geld sinnlos rausgeschmissen wird. Aber auch damit könnte man nicht jedem Dorf seinen 15-min-Takt zahlen...

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