Über das höhepunktlose Debütalbum "For Real"
Wien - Zum Thema Penetranz kann einem im Zusammenhang mit Anna F. einiges einfallen. Das singende Testimonial, das immer dann anhebt, wenn etwa Hermann Maier im Werbefernsehen auftaucht, wurde mit ihrem Lied Time Stands Still eine nationale Berühmtheit. Dieses nette wie belanglose Singalong auf Folk-Pop-Basis, das eine Werbeagentur auf der Myspace-Seite der Musikerin entdeckt hatte, wird seit mehr als einem Jahr ausgeschlachtet.
Der Umstand, dass die 25-jährige Steirerin im Vorjahr von US-Rockstar Lenny Kravitz als Support zu dessen Europatournee eingeladen wurde, sorgte für zusätzliche Medienaufmerksamkeit für das sportliche Teilzeitmodel. Bedankt wurde dieses "moderne Märchen" sogleich mit dem Musikpreis Amadeus, verliehen für den "besten Newcomer" - ohne veröffentlichten Tonträger.
Dieser, For Real betitelt, hat sich nun materialisiert. Und schon bevor man den Silberling einlegt, schleicht sich wieder Penetranz ein. Mit nicht weniger als 24 Abbildungen der Hauptdarstellerin im Booklet und am Cover der CD übertreibt man die Produktpräsentation über Gebühr. Da hilft die landläufige Wertung, Anna F. sei hübsch, wenig. Mit "If I want I can make all you boys cry" scheint sie diese Einschätzung im Song Thank God I'm A Woman zu kommentieren. Eröffnet wird das Album zwangsweise mit dem leidlich bekannten Time Stands Still, dann folgt Most Of All, ein ähnlich angelegtes, etwas poppigers Stück.
So bleibt das dann. Geschmeidiger, kantenloser Folk-Pop, in dem es meist um die verschiedenen Aggregatzustände der Liebe geht.
Das plätschert vor sich hin und stört in keinem Formatradio dieser Welt, bleibt aber leider höhepunktlos und weitgehend charakterfrei. Nicht einmal zugunsten von Jimmy Page, Sujet des gleichnamigen Titels und einst Gitarrist bei Led Zeppelin, erregt sich Anna F. stärker. For Real hinterlässt so nicht einmal einen richtigen Nachgeschmack. Ein Album wie eine Oblate. Möglicherweise deshalb das Bilderbuch. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 10.02.2010)