Wieviel Sex ist gesund?

Marietta Türk
11. Februar 2010, 10:28
  • Pandas haben in Gefangenschaft selten Sex; für Menschen gilt: gut ist was gut tut
    foto: apa/epa/san shi

    Pandas haben in Gefangenschaft selten Sex; für Menschen gilt: gut ist was gut tut

Wann Sex Medizin ist und welche Auswirkungen er auf Körper und Psyche hat

Sex hilft gegen Kopfschmerzen, Sex schützt vor Osteoporose und stärkt sogar die Abwehrkräfte - wissenschaftliche Studien legen nahe, dass besonders viel Sex besonders gesund ist. Die Werbung lebt von nackter Haut und Viagra verspricht körperliche Freuden bis ins hohe Alter. Kann Sex nun tatsächlich bei der Wirkung auf den Körper mit Sport mithalten und wenn ja, sollte man es der Gesundheit halber möglichst jeden Tag tun? Wann meldet sich auch die Psyche? derStandard.at/Gesundheit hat das menschliche Thema genauer betrachtet.

Körperliches Training

"Sex wirkt wie ein Softtraining auf den Körper, das Herzkreislaufsystem wird angeregt, man atmet mehr", weiß Medizinerin und Sexualtherapeutin Elia Bragagna. Laut einer amerikanischen Studie kann regelmäßiger Sex auch Migräne lindern und das Krebsrisiko bei Männern senken, weil jede Ejakulation so etwas wie ein "kleines Service" für die Prostata ist. Ein australisches Forscherteam hat herausgefunden, dass Männer, die zwischen dem 20. und 50 Lebensjahr besonders häufig ejakulieren, später ein weniger hohes Risiko haben an Prostatakrebs zu erkranken. Laut einer Studie des britischen Gesundheitsdienstes ist Sex gesundheitlich sogar mehr wert als Sport: je mehr Orgasmen desto besser - allerdings müsste Sex laut den Forschern täglich stattfinden um allerlei positive körperliche Auswirkungen zu haben.

Hormone für das Hochgefühl

Sex bringt außerdem den Hormonhaushalt in Fahrt, Testosteron- und Östrogenspiegel steigen an. Ersteres macht Männer widerstandsfähiger und zweiteres Frauen schöner. Endorphine sorgen für das nötige Hochgefühl, das sonst oft erst nach langem Ausdauertraining zum Vorschein kommt. Das Wohlgefühl ist wiederum gut für die Psyche, ebenso die Entspannung nach dem Orgasmus. Sexualhormone machen also glücklich und lindern Schmerzen. Emotional lösen Körperkontakte in Form von sinnlichen Berührungen ein Bindungsgefühl aus.

Zuviel des Guten

Angesichts dieser Vorteile - soll man so oft wie nur möglich Sex haben? Sexualmedizinerin Bragagna ist diese Frage schon leid: "Sex ist immer dann gut, wenn die Dosis stimmt." Zwei mal guter Sex sei mehr wert als fünfmal unbefriedigender. Sie sieht gerade die "Übersexualisierung der Gesellschaft" als Belastung für viele Menschen. Und letztendlich könne die Mischung aus An- und Entspannung beim Sex auch Kopfschmerzen verursachen. Wundermittel ist Sex also keines, vor allem nicht, "wenn der Körper Nein sagt".

"Ich kenne viel mehr Menschen, die dadurch krank werden, dass Sex ständig zum Thema gemacht wird", erzählt die Medizinerin aus Erfahrung. Für sie ist es "schockierend", dass jede dritte junge Frau unter Lustlosigkeit und viele junge Männer unter Erektionsstörungen leiden. "Gerade junge Bildhübsche kommen mit Sexualstörungen zu mir in die Praxis", so Bragagna. Von ihnen werde erwartet, dass sie besonders oft und mit besonders vielen Mädchen Sex haben und mit diesem Druck kämen viele nicht zurecht. Die Pharmaindustrie profitiere natürlich davon, dass sexuelles Funktionieren allgegenwärtig ist. "Insofern ist es für mich problematisch wenn ich den Spruch höre 'Wenn du gesund sein willst, hab Sex'", meint die Medizinerin.

Positiver Sex

Doch wann ist denn Sex gut? "Sexualität eignet man sich ein Leben lang an, das ist ein Lernprozess auf psychischer und körperlicher Ebene", erklärt Sexualpädagoge und Gesundheitspsychologe Wolfgang Kostenwein vom Österreichischen Institut für Sexualpädagogik. Wichtig für guten Sex sei Selbstsicherheit und ein positiver Zugang zum eigenen Körper, denn der "Körper ist schließlich das Instrument, auf dem wir spielen". Problematisch sieht der Sexualpädagoge nach wie vor die Aufklärung in der Schule: "Weil das Thema mit Emotionen zu tun hat, lassen es viele Lehrer auf der biologischen Ebene bewenden, doch das erreicht die Jugendlichen nicht, denn sie können das Gehörte nicht in ihre Erlebniswelt einbetten." Besprochen werde zwar wie man ein Kondom anwendet, aber nicht wann und genau das sei eine heikle Frage, denn viele junge Burschen wollen in intimen Situationen auch nicht zu aufdringlich sein.

Muss Sex Spaß machen? "Der Funfaktor alleine ist zuwenig", so Kostenwein, "aber ein lustvoller Zugang ist wichtig." Für ihn ist Sex mehr als Spaß. "Der Zeitgeist beschäftigt sich heute mehr mit der oberflächlichen Sexualität von Pornos." Bedeutet Spaß aber Sex selbstbestimmt auszuleben und sich selbst wahrzunehmen, sei das sehr wohl positiv.

Fazit: Genauer betrachtet gibt es für die Beantwortung der Fragen wieviel? wo? wann? und wie? natürlich kein allgemein gültiges Patentrezept. Gesund ist, was gut ist und wenn nebenbei noch ein paar Kalorien verbrannt, Abwehrzellen gebildet werden und Hormone für Entspannung sorgen - umso besser. (derStandard.at, 11.2.2010)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 354
1 2 3 4 5 6 7 8
"Zwei mal guter Sex sei mehr wert als fünfmal unbefriedigender."

EIN MAL guter sex ist weit mehr wert. v.a. kann man ihn ja auf 1, 2 stunden ausdehnen ;o)

was ist denn "2 mal sex" für die herren wissenschafter überhaupt? 2 mal höhepunkt? 2 mal "neu ansetzen", 2 mal die berühmte formel "vorspiel - koitus - höhepunkt" im durchschnittstakt 10 min - 7 min - 10 sek durchspielen?

allein das ist ja schon armselig, hier nicht in frage zu stellen, warum auch von den meisten "experten" noch immer zwischen "vorspiel" und "akt" unterschieden wird...

vielleicht war das in den 50ern mal segensreich, damit nicht er ihn ihr jeweils umstandslos reinrammt, aber das führt zb. zu der echt perversen vorstellung der US-amerikaner, dass oralsex kein "verkehr" und daher kein sex sei (siehe Clinton/Lewinsky-affäre).

Dirk Diggler weiß es!

Das knappe Monat bis zum Jahrestag meines Postings oben hättest aber noch warten können... ;o)

ich glaube

sie zerklauben das zu sehr...

2x guter Sex ist 2x guter Sex... ohne wenn und aber...

wenn sie danach zärtlich kuschelnd und zufrieden einschlafen...

es liegt ja auf der Hand - mechanisch vollzogener, womöglich aggressiver Sex deutet auf zu viel Stress hin - auch wenn's nur einmal ist...

und wenn sich jemand die Frage stellt ob er oder sie zu viel Sex hat, dann scheint's sowieso ein Problem zu geben - allerdings weniger mit dem Sex, als mit einem selber...

das sexte gebot

wenn das wirklich stimmt, dass ein Orgasmus ein kleiner service für die Prostata ist, sich somit altersbedingte Prostataleiden vermeiden lassen, dann frage ich mich schon, ob die Kirche nicht nur sexualfeindlich, sondern auch körperfeindlich ist, was bedeuten würde, ihre Ansichten und (Ge)-,bzw. Verbote sind in hohem Maße gesundheitsschädlich.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Papst für das Wohlergehen meiner Prostata zuständig ist.

Das heißt dann aber, dass er für vieles Andere, für das er sich sehr wohl für zuständig erklärt, auch nicht zuständig ist!

Ich hab noch nie!

Wie ist das?

nicht so toll

oder warum sonst gibt es so viele Beziehungskrisen?

Beziehungskrisen

weil Frauen halt lieber keinen Sex haben wollen, lieber Fernsehen, Essen, was weis ich.

Also ich finde Sex ist genau so lange schön, als dass ihn beide wollen. Wie gesagt besser zweimal total guten Sex als fünfmal miesen. Ich bin mit dieser Vorgehensweise sehr zufrieden und meine Freundin ist es auch.

sie sind ne frau stimmts, oder warum verbinden sie sex mit einer beziehung ;)

gesund
LUST
täglich
wenn möglich

so ist es. wenn möglich und lustvoll, stellt sich die frage nach "wieviel" oder "zuviel" gar nicht. eher noch "zuwenig" im zweifelsfall ;o)

gutes Motto, gratuliere

Gratulation, ist ein gutes Motto, kann ich nur unterschreiben. Sie sind nicht sexsüchtig, ich bins auch nicht, alles ist OK. Lasst die anderen keinen Sex haben, ist auch OK für mich, jeder, wie er will - oder kann :)))

Also

wenn ich den Artikel richtig zusammen fasse, haben die keine Ahnung von dem, wovon sie reden.

Vielleicht sollten sie weniger reden und mehr tun.

Einfache Regel

Soviel, bis es brennt.

dann isses zu spät. ich sag bis zur wolfs(woif)grenze.

find ich nicht

bei mir ist es eher so, wenn ich 4 tage keine "action" habe, dann kann ich mich plötzlich viel besser konzentrieren, mein denken wird klarer, ich fühl mich fitter und regelrecht aufgestachelt. ich bin sozusagen voller energie.

testosteronspiegel?

letzter Absatz

wieviel? wo? wann? wie?

darauf wurde vollkommen vergesssen: MIT WEM?

und überhaupt sind koalas keine bären u pandas keine koalas. od so ähnlich.wurscht.


Oversexed and underfucked, eigentlich schade ;)

Gilt das auch wenn ich es ... äähhmm...

Sex alleine mache? +g+

gedanken der prostata:
"hm, keine hin- und herbewegung des ganzen körpers, dafür recht hohe frequenz - der kerl wi**t! na da werd ich jetzt aber ganz und gar nicht gut drauf reagieren..." ;oP

anders gesagt: keine sorge, mach ruhig. ;o)

Posting 1 bis 25 von 354
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.