Der Wegfall fixer Packungsgrößen sorgte für einigen Wirbel unter Konsumenten, was sich tatsächlich verändert hat, prüfte nun die AK
Im Frühjahr 2009 hat die EU die fixen Packungsgrößen aufgehoben. Schon damals gab es Befürchtungen, dass dadurch versteckten Preissteigerungen Tür und Tor geöffnet werden könnten. Die Arbeiterkammer (AK) hat im Herbst 2009 stichprobenartig 965 Lebens- und Reinigungsmittel in acht Wiener Supermärkten und Diskontern (Hofer, Spar, Lidl, Zielpunkt, Billa, Merkur, Interspar und Penny) unter die Lupe genommen. Dabei fand die AK bei 37 Produkten neue Verpackungsgrößen, in rund 70 Prozent der Fälle wurde die Packung kleiner und teurer.
"Wenn die Packungsgröße verändert wird, dann meist zum Nachteil der Konsumenten", beanstandet AK Konsumentenschützerin Manuela Delapina in einer Aussendung vom Dienstag. "Nach dem ersten Halbjahr seit der Einführung haben viele Hersteller die gewohnten Verpackungen noch beibehalten. Wir hoffen, dass das für die bessere Übersicht der Konsumenten so bleibt."
Bei den 37 "auffälligen" Produkten gab es zwischen Winter 2008 und Herbst 2009 70 Preisveränderungen (zum Teil wurden die Preisänderungen in mehreren Supermärkten durchgeführt) wegen veränderter Packungsgrößen. Davon sind die meisten (48 von 70) jetzt kleiner und teurer. Die Produkte kosten um durchschnittlich knapp sechs Prozent mehr. In einem Fall betrug die Preiserhöhung fast 110 Prozent. So kostete etwa der Weichspüler von Silan in der 1,5 Liter Flasche im Jänner des Vorjahres 2,29 Euro, jetzt in der 1,25 Liter Flasche 3,99 Euro. 21 (von 70) wurden billiger und ein Produkt blieb unverändert.
Mogelpackung
Nicht nur kleinere und dann teurere Lebensmittelpackungen ärgern KonsumentInnen. Sie werden häufig auch über den Packungsinhalt getäuscht - es schaut nach mehr aus, als tatsächlich drinnen ist. Ein AK Test bei 25 untersuchten Produkten von Merkur und Interspar zeigt: Eine Packung besteht durchschnittlich zu fifty-fifty aus Luft und Inhalt. "Mogelpackungen sind sehr unbefriedigend für die Konsumenten und sie zahlen letztlich durch die augenscheinliche Täuschung auch drauf", sagt AK Konsumentenschützerin Manuela Delapina. Die KonsumentInnen brauchen mehr Klarheit, um zu sehen, was befüllt ist und was nicht. Ein Transparenzstreifen etwa könnte Abhilfe schaffen.
Weiters verlangt die AK eine konkrete rechtliche Definition im Maß- und Eichgesetz, was eine Mogelpackung ist.
Spitzenreiter unter den untersuchten Mogelpackungen ist der Gebratene Reis Magic Asia von Maggi. Die Gesamthöhe der Verpackung beträgt 20,5 Zentimeter, die Füllhöhe 6,5 Zentimeter. Das sind 14 Zentimeter oder 68 Prozent Luftanteil. "Auch beim Sweety Grießkoch von Knorr schaut es nicht viel besser aus", sagt Delapina. "Der Luftanteil der Packung beträgt 63 Prozent im Vergleich zur Gesamtpackung." (red)