Fenster lassen sich gruppieren, Zeitlinien-Ansicht und eigene Netbook-Oberfläche
Nach einem fixen Release-Zeitplan verläuft mittlerweile auch die Entwicklung rund um den Linux-Desktop KDE: Zuverlässig alle sechs Monate will man künftig eine neue Version der "KDE Software Compilation" (KDE SC) abliefern. Dabei scheint man auf einem durchaus guten Weg zu sein: Mit KDE SC 4.4 (Codedname: "Caikaku") wurde nun - nach Plan - eine neue Version der Desktop-Zusammenstellung zum Download freigegeben. Wie gewohnt vereint diese wieder eine Fülle von Neuerungen in unterschiedlichsten Bereichen, auch so mancher Neuzugang hat es in die Softwaresammlung geschafft.
Features
In konkrete Zahlen fasst es das Projekt in der offiziellen Release-Ankündigung folgendermaßen: 7.293 Bugs wurden beseitigt, 1.433 neue Features implementiert. Einen Schwerpunkt stellen dabei weiterhin die Bemühungen rund um die Desktop-Shell Plasma dar. So hat man etwa dem "Social Desktop" neue Möglichkeiten angedeihen lassen, Nachrichten können direkt aus dem zugehörigen Widgets verschickt werden, auch nach den eigenen Kontakten kann hier nun gesucht werden.
Verwaltung
Frisch hinzugekommen ist eine "Knowledge Base"-Widget, das Zugriff auf diverse Wissensquellen bietet, darunter auch jene von openDesktop.org, wo sich die NutzerInnen unter anderem über KDE-Tipps austauschen. Mit dem Widget Explorer soll zusätzlich die Verwaltung von entsprechenden Mini-Programmen erleichtert werden, außerdem können Widgets nun auch im System-Tray landen.
Fenster
Weiteren Feinschliff hat man dem Window Manager KWin angedeihen lassen: So können nun mehrere Fenster in Gruppen zusammengefasst werden, der Wechsel erfolgt dann über Tabs in der Fensterzeile. Zusätzlich wurde die Interaktion mit dem Plasma-Desktop weiter verbessert, dies ist vor allem in Form von "weicheren" Animationen und einer generell gesteigerten Performance bemerkbar. Zusätzliche kreative Möglichkeiten gibt man den DesignerInnen von Fensterrahmen an die Hand, hier können nun auch Vektorgrafiken zum Einsatz gebracht werden.
Netbooks
Jenseits des "klassischen" Desktops kann KDE SC 4.4 aber noch mit einem vollständigen Neuzugang in Sachen Plasma aufwarten. Gibt es doch mit "Plasma Netbook" erstmals eine vollständige Alternative zum herkömmlichen Interface. Die in der Vorgänger-Release noch als Preview enthaltene Neuerung will dabei eine optimierte Ausgabe für Geräte mit geringen Bildschirmauflösungen bieten, aber auch Touchscreens hat man hier im Hinterkopf.
Launcher
Für dieses Unterfangen hat man einen eigenen Anwendungsstarter entwickelt, der samt Such-Interface im Fullscreen-Modus läuft. Außerdem gibt es ein eigenes News-Widget, um über aktuelle Nachrichten aus dem Web auf dem Laufenden gehalten zu werden. Das Projekt sieht in der Netbook Shell einen Beweis für die Versatilität von Plasma, lässt es sich doch recht einfach an vollständig unterschiedlich Ausgabeformen anpassen.
Nepomuk
Deutliche Fortschritte gibt es auch für das semantische Such-Framework Nepomuk zu vermelden, durch ein neues Backend soll das Ganze nicht nur stabiler sondern auch wesentlich performanter geworden sein. Von den Stärken von Nepomuk kann man sich dann gleich auch im File-Manager Dolphin überzeugen, ist hier doch eine neue Ansicht hinzugekommen, in der Dateien chronologisch anhand ihrer letzten Nutzung aufgelistet werden können.
Akonadi
Mit KDE SC 4.4 gibt nun auch endlich Akonadi sein lange ersehntes Debüt gibt, hier sollen künftig - unter anderem - zentral Mails, Kontakte und Kalenderinformationen abgelagert werden. In der aktuellen Release wird Akonadi aber erstmals nur von der Adressbuchanwendung des Desktops verwendet, diese hat man dafür aber immerhin gleich ganz neu geschrieben, wodurch sie auch ein dreispaltiges Interface verpasst bekommen hat. Weitere KDE-Komponenten sollen in künftigen Ausgaben der Software Compilation auf Akonadi portiert werden.
Austausch
Einige Zeit in Anspruch genommen hat die Planung für eine Überarbeitung des GetHotNewStuff-Interfaces, das Anwendungen nutzen können, um zusätzlichen Content einzubinden. So können hier nun nicht nur zusätzliche Levels für Spiele wie KAtomic heruntergeladen werden, es gibt auch die Möglichkeit sich mit der restlichen Community über Kommentare und Bewertungen auszutauschen. Schlussendlich können die NutzerInnen dadurch auch selbst erstelle Inhalte direkt über die betreffende Anwendung hochladen und anderen zur Verfügung stellen.
Vermischtes
Der Bilderbetrachter Gwenview hat ein neues, einfaches Importierwerkzeug verpasst bekommen, das Download-Tools KGet kann nun mit digitalen Signaturen umgehen und Dateien aus mehreren Quellen gleichzeitig herunterladen. Zu den alteingesessenen Programmen kommen mit KDE SC 4.4 aber auch wieder einige neue: Mit Blogilo hat man ein Blogging-Tool in die Softwaresammlung aufgenommen, hinter Cantor verbirgt sich eine einfache Software für wissenschaftliche und statistische Belange. Für verspieltere Naturen ist in Form von Palapeli ein weiteres Puzzle-Spiel integriert worden.
Plattform
Freilich hat sich bei KDE SC 4.4 nicht nur bei den Desktop-Anwendungen getan, auch die darunter liegende Plattform macht weitere Fortschritte. So bringt das als Basis für die Entwicklung verwendete Qt 4.6 unter anderem ein neues Animations-Framework und Multitouch-Support, auch die Performance soll weiter gesteigert worden sein. Mit KAuth führt man außerdem ein neues Authentifizierungs-Framework ein, dieses nutzt PolicyKit um eine Erhöhung der Berechtigungen für gewisse Aufgaben zu ermöglichen - womit man auch eine weitere gemeinsame Basis mit dem zweiten großen Linux-Desktop, GNOME, hat. Weitere Details zu den Neuerungen von KDE SC 4.4 bietet der zugehörige Feature Plan. Zeitgerecht für die Release hat man übrigens auch den Webauftritt des Projekt einer vollständigen Neugestaltung unterzogen.
Download
KDE SC 4.4.0 kann kostenlos in Form des Source Codes von der Seite des Projekts heruntergeladen werden, alternativ dazu gibt es aber auch bereits einige fertige Binärpakete für diverse aktuelle Distributionen. Zahlreiche der Einzelanwendungen von KDE gibt es auch für Windows und Mac OS X, experimentellen Support bietet man außerdem für Symbian und Windows Mobile. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 09.02.2010)