General Motors will Opel mit einem massiven Stellenabbau und Staatshilfen in Höhe von 2,7 Milliarden sanieren
Opel-Chef Nick Reilly kündigte am Dienstag in Frankfurt am Main an, im Zuge des Umbaus des Rüsselsheimer Autobauers 8.300 Jobs streichen zu wollen und 2,7 Mrd. Euro Hilfe bei den europäischen Ländern mit Opel-Werken zu beantragen. In Deutschland sollen demnach über 3.900 Jobs gestrichen werden.
Gehaltsverzicht vs. Boni-Ausschüttung
Wesentlicher Teil der Umbaupläne ist außerdem ein großangelegter Gehaltsverzicht. Diesbezüglich gebe es aber noch keine Einigung mit den Gewerkschaften, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der "Welt". Reillys Pläne sehen vor, dass die Beschäftigten auf 265 Millionen Euro an Gehältern verzichten. Die Beschäftigten verlangen im Gegenzug eine Beteiligung am Unternehmen, die Umwandlung von Opel in eine Aktiengesellschaft sowie ein Mitspracherecht bei Stellenabbau, Werksschließungen und -verlagerungen.
Die heutigen Ankündigungen sorgen für gehörigen Unmut, zumal erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass Opel heuer wieder Manager-Boni auszuschütten gedenkt (siehe Artikel).
Wien-Aspern nicht betroffen
Das österreichische Opel-Werk in Wien-Aspern ist von dem Jobabbau nicht betroffen. In Deutschland wird das Werk in Bochum am stärksten von den Stellenstreichungen betroffen sein, hier sollen 1.799 Jobs wegfallen, wie aus dem Sanierungsplan von Opel hervorgeht. Am Stammsitz Rüsselsheim sollen den Angaben zufolge 862 Stellen gestrichen werden, in Kaiserslautern und Eisenach jeweils 300. Zudem will Opel 650 Stellen in der Verwaltung streichen.
Opel bekräftigte auch die Absicht, das Werk im belgischen Antwerpen zu schließen. Dies führe zum Verlust von 2.377 Stellen. Zahlreiche Stellen fallen dem Plan zufolge auch im Werk im spanischen Saragossa weg, wo 900 Arbeitsplätze gestrichen werden. Von dem geplanten Abbau von europaweit 8.300 Stellen entfielen 7.000 auf die Produktion und 1.300 auf die Verwaltung. Opel kündigte an, seine Produktionskapazitäten insgesamt um ein Fünftel herunterfahren zu wollen.
3,3 Milliarden Finanzierungsbedarf
Opel habe einen Finanzierungsbedarf von 3,3 Mrd. Euro zur Umsetzung seines Sanierungsplans, sagte Opel-Chef Reilly. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) habe hierzu bereits mit 600 Mio. US-Dollar (439 Mio. Euro) beigetragen. Zudem habe GM im Jänner Vorauszahlungen von 650 Mio. Euro geleistet, damit Opel seinen laufenden Finanzbedarf decken könne. An die Bundesregierung sei am Dienstag ein Antrag auf Staatshilfe in Form eines Kredites oder einer Bürgschaft übermittelt worden, sagte Reilly.
Ganz bleibt auch Österreich nicht von den wirtschaftlichen Turbulenzen der Mutter unberührt. Der Konzern will staatliche Haftungen von den Ländern, in denen Opel über Produktionsstandorte verfügt. Für wieviel der österreichische Steuerzahler haften soll, ist noch offen, noch wurde kein Antrag gestellt, teilte Opel mit. Die Staatshilfe soll sich nach dem Anteil des jeweiligen Landes am Gesamtkonzern richten, hieß es dazu.
Will die Opel-Mutter GM staatliche Haftungen, dann muss sie diese nach dem "Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz" (ULSG) beantragen, hieß es dazu bisher aus dem Wirtschaftsministerium. Dabei stehen maximal 300 Mio. Euro pro Unternehmen an Haftungsrahmen für höchstens fünf Jahre Laufzeit zur Verfügung.
Profitabel ab 2012
Opel werde bereits 2012 wieder profitabel arbeiten, sagte Unternehmenschef Reilly. Bereits 2011 wolle der Rüsselsheimer Autobauer wieder die Gewinnschwelle erreichen. Insgesamt will Opel demnach in den nächsten fünf Jahren 11 Mrd. Euro investieren.
Das Unternehmen plane auch einen Umbau seiner Modellpalette, teilte Opel mit. So solle das Angebot an Elektroautos künftig neben dem Modell Ampera um ein weiteres Fahrzeug mit längerer Reichweite erweitert werden. Auch plane Opel ein preisgünstiges Einstiegsauto unterhalb seines vielverkauften Kleinwagens Corsa. In Deutschland hält sich die Begeisterung für den Plan in Grenzen. Die IG Metall fordert, dafür kein Geld zu geben. Auch mit der Gewerkschaft gibt es noch keine Einigung über Lohnverzicht. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) verlangt von General Motors, mehr eigenes Geld in die Sanierung zu stecken. (red/APA)