Korruption

Aufträge von Festspielen nur gegen "erhöhtes Trinkgeld"

Thomas Neuhold, 08. Februar 2010 22:06

Schmiergeld an Mitarbeiter der Salzburger Festspiele

Salzburg - Die seit Jahren in der Salzburger Kulturszene kursierenden Gerüchte, wonach Mitarbeiter der Salzburger Festspiele für die Vergabe von Aufträgen an Dritte ein beträchtliches Körberlgeld einstreiften, dürften der Wahrheit entsprechen. Der ORF präsentierte in der Nachrichtensendung "Salzburg Heute" Montagabend einen Unternehmer, der - allerdings anonym - schwere Vorwürfe gegen einen nicht namentlich genannten Mitarbeiter der Salzburger Sommerfestspiele erhebt. Dieser habe für die Vergabe von Aufträgen im Technikbereich ein "erhöhtes Trinkgeld" verlangt.

Der anonyme Festspiellieferant nannte im ORF-Fernsehinterview zwar keine Summen, meinte aber, es habe sich um eine für ihn "nicht finanzierbare Größenordnung" gehandelt. Früher habe man manchmal eben "ein Fassl Bier" für die Techniker der Festspiele spendiert, berichtet der Festspiellieferant freimütig. Als er dann aber die verlangten Schmiergeldforderungen nicht erfüllen wollte oder konnte, habe er umgehend die Aufträge von Seiten der Festspiele verloren: "Von da an war ich weg."

Nach Darstellung des Firmeninhabers dürfte es sich bei dem korrupten Festspielmitarbeiter allerdings nicht um den inzwischen entlassenen technischen Leiter der Sommerfestspiele Klaus Kretschmer handeln. Das Auffliegen von Kretschmers Nebentätigkeiten für die Osterfestspiele samt immens hoher Gagenzahlungen hat den Festspielskandal - mit einer vermuteten Schadenssumme von zumindest zwei Millionen Euro - erst ins Rollen gebracht.

Laut ORF betonte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, sie sei froh, dass sich jemand gemeldet habe, der die ohnehin kursierenden Gerüchte über Schmiergeldzahlungen einmal konkret bestätigt habe. Der eigentlich für den Bereich Fremdfirmen zuständige kaufmännische Direktor der Festspiele, Gerbert Schwaighofer, ist trotz der Turbulenzen rund um die Festspiele auf Urlaub und war laut ORF für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

4000 für Protokollchefin

Die ebenfalls unter Druck geratene Protokollchefin der Sommerfestspiele, Suzanne Harf, hat am Montag Vorwürfe, sie habe 4000 Euro Provision aus Sponsorgeld bezogen, zurückgewiesen. Diese im Prüfbericht der Osterfestspiele genannte Summe wäre eine Anerkennung von Mäzen Donald Kahn gewesen. Immerhin sei sie in Salzburg seit 20 Jahren für Kahn tätig. Von einer Provision für ein Sponsoring könne keine Rede sein. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2010)

archimed
11.02.2010 09:13
oh du mein österreich

was ist da so ungwöhnlich daran, in österreich läuft das halt so, das wissen viele betroffene, vermuten tuts der rest...

Giuseppe Verdi1
10.02.2010 14:15
Chefin & Protokollchefin

Bleibt zu hoffen das die Protokollchefin den Kahn Bonus versteuert hat! Merklich still ist die sonst so gesprächige Chefin - Frau Rabl-Stadler "herself"!

potz
10.02.2010 06:32

'anerkennung' ist auch eine kreative bezeichnung für schmiergeld.

korrupte bande, und da fliesst unser steuergeld hinein.

robbo
09.02.2010 14:23
was ich nicht verstehe

Warum darf niemand für die Salzburger Festspiele und die Osterfestspiele arbeiten? Das scheint ja absolut und strengstens verboten zu sein.

Wo liegt da das Problem? Ich verstehs echt nicht.

mulligan1
09.02.2010 12:56
und "die ohnehin kursierenden Gerüchte über Schmiergeldzahlungen"

haben die präsidentin nie auf die idee gebracht, hier einmal nach dem rechten zu sehen ?????
das nenn ich doch "absolute kompetenz" im managementbereich ;-)

sie ist jedenfalls rücktrittsreif und sollte für die entstandenen schäden auch haftbar gemacht werden.

FatFaceRicky
09.02.2010 01:57

Bei sovielen Korruptions- bzw. Unterschlagungsfällen muss man die Frage nach der Urteilsfähigkeit der Festspielführung und der Kompetenz der Prüfer(wieder einmal) stellen. Rabl-Stadler sollte sich in die Pension verabschieden, sie hat die Sache anscheinend nicht im Griff.

0816
09.02.2010 01:15
Ach, das freut uns aber!

Rabl-Stadler ist froh und der Zuständige auf Urlaub.
Genau so muss man sich das bei der ÖVP vorstellen.

ChristianderGuru
09.02.2010 09:48
Ach die Gabi, die sich jetzt als Aufdeckerin gefällt,

ist Geschäftsführerin der Osterfestspiele. So ist halt die SPÖ.

mulligan1
09.02.2010 08:50
und der flimm meint:

dann kommt jemand auf die bühne und singt schön - und alles ist wieder vergesen...

es ist ein wunderbares land !

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