Das Ergebnis der Stichwahl lässt nur die Zusammenarbeit der großen Lager zu, will die Ukraine nicht vollends ins Chaos abdriften
Mit Janukowitsch werde ich niemals zusammenarbeiten, weil er das Lager der politischen Rache und der Restauration des autoritären Kutschma-Systems repräsentiert." Das sagte Julia Timoschenko, die Galionsfigur der Orangen Revolution in der Ukraine, in einem Standard-Interview vor knapp vier Jahren.
Der Ausgang der Präsidentenwahl vom Sonntag wird sie dazu zwingen, ihren Vorsatz zu revidieren. Denn das Ergebnis lässt keine andere Möglichkeit als die Zusammenarbeit der großen Lager zu, will die Ukraine die schwere politische und wirtschaftliche Krise in absehbarer Zeit überwinden und nicht vollends ins Chaos abdriften.
Dass Wiktor Janukowitsch, der Wahlfälscher von 2004, nun regulär zum Präsidenten gewählt wurde, mag man als bittere Ironie und endgültigen Abgesang an die Ideale der Orangen Revolution empfinden. Aber das wird den ukrainischen Verhältnissen des Jahres 2010 nicht ganz gerecht.
Die Wahl ging zu knapp aus, die Teilung des Landes in zwei Lager wurde zu sehr bestätigt, als dass der Sieger triumphieren dürfte. Das einstige orange Lager hat sich die Niederlage mit der tiefen persönlichen Rivalität seiner Spitzenvertreter selbst eingebrockt. Konsequenterweise tendiert das Vertrauen der Bürger in die Gestaltungsfähigkeit der Politik gegen null. Entsprechend niedrig sind die Erwartungen. Das ist eine Chance für die Akteure, endlich Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht die letzte. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2010)