Analyse

Ahmadi-Nejads Schuss könnte nach hinten losgehen

Gudrun Harrer, 9. Februar 2010, 10:57

Der Iran informierte am Montag die IAEO, die Urananreicherung auf 20 Prozent aufnehmen zu wollen. Damit wird der Deal "Uran gegen Brennstoff" immer unwahrscheinlicher

Teheran/Wien - Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad gibt im Stil des großen Diktators den Befehl zur Urananreicherung auf 20 Prozent, und der iranische Atomchef läuft, drückt auf den roten Knopf und los geht es - ganz so sollte man sich die Realisierung der vollmundigen iranischen Ankündigung nicht vorstellen. Es wird seine Zeit - bis zu Monaten - dauern, bis die ersten Gramm höher angereicherten Urans aus den Zentrifugen in Natanz kommen.

Das ändert aber nichts daran, dass die Iraner dazu prinzipiell technisch in der Lage sind, obwohl ihre Zentrifugen immer wieder Probleme machen. Zur Herstellung des für den TRR (Teheran Research Reactor) benötigten Brennstoffes - um den es beim von der IAEO (Internationale Atomenergiebehörde) vorgeschlagenen Deal "Uran gegen Brennstoff" geht - ist es jedoch noch ein weiterer Schritt. Zwar hat der Iran ein kleines Fuel Fabrication Laboratory (FFL) in Isfahan, aber mit der Brennstoffproduktion für den TRR betritt er Neuland. Auch die Ankündigung vom raschen Bau gleich zehn weiterer Urananreicherungsstätten - wo dann auch Zentrifugen laufen sollten - gehört eher ins Reich der Utopie.

Der TRR wurde dem Iran von den USA 1967 geliefert, es handelt sich um einen kleinen (5 Megawatt Thermal) Leichtwasserreaktor, der Anfang der 1990er-Jahre von HEU-Brennstoff (auf 93 Prozent hochangereichertes Uran) auf 20-Prozent-Brennstoff umgestellt wurde. Der in nächster Zeit knapp wird - worauf sich der Iran an die IAEO wandte.

Ihr Vorschlag, dass Teheran den Großteil seines selbst hergestellten niedrigangereicherten Urans in Russland weiter anreichern und in Frankreich zu Brennstoff verarbeiten lässt, ist eine Konzession an den Iran, der ja laut Uno-Sicherheitsrat prinzipiell kein Uran mehr anreichern dürfte. Diese Forderung bleibt zwar weiter aufrecht, es würde aber um des Deals Willen über sie hinweggesehen: in der Hoffnung, in dem Jahr, das die Abwicklung in Anspruch nehmen würde, durch den Vertrauensgewinn zu einer Lösung im Urananreicherungsstreit zu kommen. Und in diesem Jahr könnte der Iran mit seinem Uran nichts anstellen - wie die Anreicherung zu waffenfähigem Material.

Jetzt sieht es wieder ganz anders aus: Anstatt für den Abtransport bereiten die Techniker das Uran für die nächste Anreicherungsstufe vor. Nicht bekannt ist, wie viel der bereits produzierten Menge (November 2009 etwa 1800 kg) weiter angereichert werden soll.

Die "freudige Mitteilung"

In seiner TV-Rede vor einer Woche sagte Ahmadi-Nejad erstmals öffentlich, der Iran habe keine Probleme, sein Uran für ein paar Monate im Ausland zu lassen. Das war ein Abgehen von der Forderung, der Iran müsse gleichzeitig mit der Uranübergabe - die im Iran stattfinden müsse - auch schon Brennstoff bekommen. Ahmadi-Nejad betonte aber auch, dass der Iran durchaus in der Lage sei, selbst auf 20 Prozent anzureichern. In den vergangenen Wochen wurde mit so einer "20-Prozent-Ankündigung" sogar gerechnet - der Präsident hatte von einer bevorstehenden "freudigen Mitteilung" gesprochen.

Was ihn aber geritten hat, dies just jetzt zu tun, da der Atomdeal vor seiner allerletzten Chance steht, ist schwer zu begreifen. Vielleicht liegt der Anlass im Iran selbst: War die Rede von Dienstag ein Versuchsballon gewesen, der schlecht angekommen ist?

Vielleicht, ebenfalls typisch für solche Regime, die sich ihre eigene Realität kreieren, schätzt Ahmadi-Nejad die Lage nach außen so falsch ein. Wenn er den Druck seiner Ankündigung dazu benützen wollte, seine Bedingungen für den Atomdeal durchzupressen, dann hat er sich wohl verrechnet. Er steht einmal mehr - zu Recht - als einer da, der sich diplomatischen Zugängen verschließt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2010)

Kommentar posten
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Jake Gittes
00
10.2.2010, 09:25

Um von den inneren Spannungen abzulenken braucht A. die Eskalation mit dem Ausland. Deswegen sind das alles nur Scheinmanöver.

BLUEWING
21
ACHMED....'s Blick ins Mikroskop

Verzweifelte Suche nach Verstand! Aber....von nichts kommt nichts!

Zwei Und Vierzig
105
Das Problem des Iran scheint es zu sein...

... zu glauben, das sich Weltpolitik und Ehrlichkeit verträgt.

Tut es aber nicht - die Welt will belogen und betrogen werden.

Israel und auch andere Staaten machen es vor wie es funktioniert.

Wenn man dem Iran schon das Recht auf Urananreicherung für Medizinische Behandlung abspricht - was soll als nächstes kommen?

Der Iran sollte aus dem NPT austreten - und sich nicht in die Karten schauen lassen. Je eher desto besser.

Stephan Schaefer
 
00
25.2.2010, 18:54

--- .. zu glauben, das sich Weltpolitik und Ehrlichkeit verträgt.


Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie hiermit die gesamte westliche Clique als Lügner und Betrüger bezeichnen und Ahmedidendschad als ehrlich einstufen.

Und jetzt überlegen Sie wer besser ist!

Die Welt will NICHT belogen werden, haben aber zum Teil aus Faulheit nicht die Möglichkeit die Wahrheit zu erfahren und glauben dann den Lügnern und Betrügern.

Oder wollen SIE belogen werden?

Mfg

Zwei Und Vierzig
00
26.2.2010, 14:56
Tja ... stimmt nicht ganz ... nicht nur die "gesamte westliche Clique" ... ist nicht nur auf Westliche Politiker beschränkt

Wobei ... Gerade Ahmadinejad ... nicht das er prinzipiell ehrlicher wäre als die anderen ... aber er scheint ja nicht gerade viel darüber nachzudenken, ob das was er denkt (z.B. über Israel), politisch korrekt ist - und sagt es einfach so raus.

Und ja - ich glaube tatsächlich, dass die Menschen belügt werden wollen - denn manchmal ist die Wahrheit zu anstrengend - z.B. es ist für US Amerikaner viel einfacher zu glauben, dass es im Irak MVW gibt - ansonsten müsste man sich ja Fragen, warum man 10-tausende Unschuldige Menschen umgebracht hat.

trestigres
 
64
Der "Iran" hat so manche Probleme... 80% der Erlöse stammen aus dem Export und bringen 60$% der Staatseinnahmen. Zur Zeit muss Ahmadinedschad in die Rücklagen des Ölstabilisierungsfonds greifen, um seine Ausgaben zu finanzieren. Teheran gibt

Milliarden für die Subventionierung von Benzin und Grundnahrungsmitteln aus, um die unzufriedene Bevölkerung zu beruhigen. Den Rest an "inneren" Problemen erledigt der Wächterrat mit seinen Revolutionsgarden. Die Opposition wird verfolgt, mundtod gemacht und mit Todesurteilen für die Feinde Gottes eingeschüchtert. Da kommt ein Atomkonflikt gerade recht. Etwas Ablenkung zum Druck von Innen, vielleicht sogar noch ein Anstieg des Oelpreises, der die wirtschaftlichen Probleme zu überdecken helfen könnte. In diesem Sinne sind westliche "Steigbügelhalter" für die Spiele Ahmadinedschad willkommen.

Zwei Und Vierzig
23
Ja ... Aber der Westen willl doch gar keinen anderen an dieser Position

Ahmadinejad und die komplette Iranische Politiker passen genau in das Muster rein, das der Westen, Israel und die USA braucht.

Die Menschen. Demokratie und Menschenrecht sind doch eigentlich absolut nebensächlich.

Der Westen weiß ganz genau - der Iran ist friedlich und bei Konflikten immer passiv. Das Öl wird gepumpt und ins Ausland geliefert. Der "Zärtlichkeiten" die der Iran und Israel ab und an mal austauschen - jo mei - und man hat ein ideales Feindbild.

Jetzt weiß man ganz genau wem man wieviel zahlen muß, um seine Ziele zu erreichen. Würde die Führungsriege ausgetauscht werden - wer weiß, ob die dann immer noch dem Westen gegenüber so kooperativ auftreten würden jetzt. Neues Spiel neue Spielregel. Wer sollte das ändern wollen?

Der Waehlerwille
 
53
israel sagt klipp und klar dass es nicht ausradiert werden möchte

der iran lügt und betrügt seit vielen jahren um sein atomprogramm herum .. ist sich nicht zu schade für jedes ehrlose theater .. und sagt auf der anderen seite immer wieder (ebenso verlogen verballhornt wie bei uns die deutschnationalen und n#zis) dass die auslöschung israels das höchste ziel sein muss ..

ehrlichkeit ist eine jener eigenschaften die der iranischen politik nicht mal ansatzweise zuzuordnen sind.

Zwei Und Vierzig
22
Irananische Innenpolitik eben nicht iranische Außenpolitik

So viele Fehler und Fehltritte Iranische Politiker in den letzten Jahren in der Innenpolitik gemacht haben - bei der Atomtechnologiefrage - und auch bei der Landesverteidigung, Militär und Außenpolitik kann man dem Iran absolut nichts vorwerfen.

Was Israel betrifft - Aggresivität und Scheinheiligkeit und auch die Bedrohung durch Israels - da erübrigt sich wohl jede Diskussion.

Aber ja - Israel hat ein Recht auf Verteidigung - wie es auch der Iran hat - und aktuell ist es Wohl Israel und auch dessen Verbündete die keine Gelegenheit auslassen dem Iran zu drohen.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
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der Iran macht das was die Israelis vor 50 jahren gemacht haben.

Der Waehlerwille
 
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israel hat vor 50 jahren einem souveränen staat mit der auslöschung gedroht?

Stephan Schaefer
 
00
25.2.2010, 18:58

Sogar mehreren: Siehe Grposs-Erez-Israel

Iran sagte die Vernichtung des zionistischen Systems wegen des eigenen Verhalten Israels vorraus OHNE eigene Eingriffe!

Mfg

Fritz Wunderlich
00
16.2.2010, 21:08

der ist nur ein wenig größenwahnsinnig, sonst harmlos

biberkeule
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Das Uran wird für den Betrieb eines Reaktors in Teheran benötigt, der Isotope zur Behandlung von Krebspatienten herstellt. Iran hat seit September 2009 vergeblich versucht, das Material unter Einschaltung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)

auf dem internationalen Markt zu erwerben. Die IAEA schlug statt dessen ein Tauschgeschäft vor, bei dem Iran die dringend benötigten Brennplatten für den Reaktorbetrieb erst in einem Jahr erhalten würde. Außerdem soll Iran mit der Lieferung von 70 Prozent seines Vorrats an schwachangereichertem Uran in Vorleistung treten.
Absolut verständlich das sich Iran nicht auf diesen Kuhandel einlassen will.
Was erzäht ihr immer von Atombomben...welche Beweise/Quellen habt ihr. Ich werde es euch sagen: KEINE

cotesdurhone
00
Der IRAK hatte auch Massenvernichtungswaffen..

Der Waehlerwille
 
11
der uran selbst zögert die verhandlungen immer wieder endlos raus ..

nur unter der hand genau das zu tun wovon der iran bislang bestritt auch nur ansatzweise damit zu tun zu haben ..

Der Alte vom Berge
50
Iran...

...verfügt bereits über eine Uranbombe,möcht ma bösen Zungen Glauben Schenken,welche allerdings für Teheren Unerfreulicherweise der Grösse eines Lastwagens Entspricht.

Glaubt ma Ihnen nicht sondern Berichten diverser Nachrichtendienste währe Teheran erst in einigen Monaten in der Lage eine Solche zu Zünden.

Papiere der IAEO weisen Iran Potential aus genügend Uran angereichert zu haben um bereits Zwei Bomben Fertigzustellen.

Gewissheit zu Erlangen erfordert die Befragung Mr.Said Mohammad Hosseinians, leider einer der meistgesuchten Männer der Welt, obwohl Letzterer wie auch deutsche Unternehmen mehr über Beschaffung von Raketenbauteilen wissen Dürften als Bejing, Piönjiang oder Islamabad über iranische Anreicherungstechnologie. ^^

Der Alte vom Berge
11
Dem "Westen" fehlt die nötige Gewissheit...

...über das nucleare Potential des Gegenübers, ein direkter Angriff bedeutete im Falle des Vorhandenseins einer Nuclearwaffe [und sei sie noch so "primitiv"] ein Szenario zu Schaffen welches die Welt mit Sicherheit NICHT zu sehen Wünscht.

^^

Der Alte vom Berge
11
Der Raubtierkapitalismus...

...Americas ist ein System das in immer kürzeren Abständen immer schwerere Krisen Gebiert, und nicht nur auf ökonomischer Ebene, ist er doch auch Feder jenes Triebes welcher die Expansionspolitik Washingtons Trägt, denn Globalisierung ist Americanisierung.

Macht die Welt zu America lautet das Prinzip.

Das hat keine Zukunft, ist doch bereits das britische Imperium an der Devise "Macht die Welt zu England" Zerbrochen, führte zweimal die Wahnidee "Am deutschen Wesen soll die Welt Genesen" zur Apokalypse, in die globale Eskalation.

Die Welt befindet sich in einer wiederum äusserst heiklen Phase der Gestaltung, den Übergang zur Multipolare Ordnung friedlich Einzuleiten ist dringendstes Gebot.

Erst das Grosse dann das Kleine. ^^

trestigres
 
33
Dem "Westen" fehlt nichts, um gegen ein Unrechtsregime im Iran politisch konsequent aufzutreten. Ist es Russland wichtiger, eine für sich vorteilhafte Politik mit Iran zu verhandeln als das Atomprogramm des Landes zu stoppen? Fühlen sich Russland und

China in Sachen Menschenrechte im Iran angesprochen? Ahmadinedschad ist ein Clown von Revolutionsführer Ali Chamenei. Ein hässlicher Clown, der aber nur so hässlich ist, wie der oberste Wächter und sein Rat. Im Sicherheitsrat paktieren Grossmächte wie Russland und China, die es selber nicht so genau nehmen mit demokratischen Rechten. Dann gibt es noch "unsere" ideologischen Oberintellektuellen die mit dem Brett USA vor dem Kopf durch die Gegend rennen und so emanzipatorische Forschrittssysteme wie die Taliban, Gottesstaaten oder Gotteskrieger im grossen vaterländischen antiimperialistischen Kampf zu rechtfertigen suchen. Der Welt fehlt wirklich nichts - sie hat alles....

Der Alte vom Berge
11
Der Welt...

...fehlt Gleichgewicht. ^^

Der rote Johann
 
12
hmm, eigentlich möchte ich gar kein Gleichgewicht zwischen....

demokratischen, freien, marktwirtschaftlichen Westen (Israel, USA, W-Europa etc.) einerseits und kommunistischen (N-Korea, Kuba, W-Russland, Vietnam, Birma), islamo-faschistischen (Iran, Lybien) oder anderen kaputten (Afrika) Staaten andererseits.

Thomas Arnoldner
 
00
11.2.2010, 15:50
selektiv wie immer

du hast noch das westliche saudi arabien , kolumbien , indonesien vergessen

aber das sind ja guuuute folterstaaten!!!

Der Alte vom Berge
11
Naturlementè...

...muss DAS Weg, doch nicht um einem ebenso Menschenverachtenden System Platz zu Schaffen.

Die Hoffnung der Welt hat sich in einen Albtraum Gewandelt. --

Der Alte vom Berge
10
Excusè moi,...

...der weiterführende Textblock, die Ergänzung zur Ersten Antwort, befindet sich Hier:

http://derstandard.at/plink/126... 4/15611141

Meine Unwürdigkeit hat sich Verklickt. *sigh*

^^

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