Der Iran informierte am Montag die IAEO, die Urananreicherung auf 20 Prozent aufnehmen zu wollen. Damit wird der Deal "Uran gegen Brennstoff" immer unwahrscheinlicher
Teheran/Wien - Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad gibt im Stil des großen Diktators den Befehl zur Urananreicherung auf 20 Prozent, und der iranische Atomchef läuft, drückt auf den roten Knopf und los geht es - ganz so sollte man sich die Realisierung der vollmundigen iranischen Ankündigung nicht vorstellen. Es wird seine Zeit - bis zu Monaten - dauern, bis die ersten Gramm höher angereicherten Urans aus den Zentrifugen in Natanz kommen.
Das ändert aber nichts daran, dass die Iraner dazu prinzipiell technisch in der Lage sind, obwohl ihre Zentrifugen immer wieder Probleme machen. Zur Herstellung des für den TRR (Teheran Research Reactor) benötigten Brennstoffes - um den es beim von der IAEO (Internationale Atomenergiebehörde) vorgeschlagenen Deal "Uran gegen Brennstoff" geht - ist es jedoch noch ein weiterer Schritt. Zwar hat der Iran ein kleines Fuel Fabrication Laboratory (FFL) in Isfahan, aber mit der Brennstoffproduktion für den TRR betritt er Neuland. Auch die Ankündigung vom raschen Bau gleich zehn weiterer Urananreicherungsstätten - wo dann auch Zentrifugen laufen sollten - gehört eher ins Reich der Utopie.
Der TRR wurde dem Iran von den USA 1967 geliefert, es handelt sich um einen kleinen (5 Megawatt Thermal) Leichtwasserreaktor, der Anfang der 1990er-Jahre von HEU-Brennstoff (auf 93 Prozent hochangereichertes Uran) auf 20-Prozent-Brennstoff umgestellt wurde. Der in nächster Zeit knapp wird - worauf sich der Iran an die IAEO wandte.
Ihr Vorschlag, dass Teheran den Großteil seines selbst hergestellten niedrigangereicherten Urans in Russland weiter anreichern und in Frankreich zu Brennstoff verarbeiten lässt, ist eine Konzession an den Iran, der ja laut Uno-Sicherheitsrat prinzipiell kein Uran mehr anreichern dürfte. Diese Forderung bleibt zwar weiter aufrecht, es würde aber um des Deals Willen über sie hinweggesehen: in der Hoffnung, in dem Jahr, das die Abwicklung in Anspruch nehmen würde, durch den Vertrauensgewinn zu einer Lösung im Urananreicherungsstreit zu kommen. Und in diesem Jahr könnte der Iran mit seinem Uran nichts anstellen - wie die Anreicherung zu waffenfähigem Material.
Jetzt sieht es wieder ganz anders aus: Anstatt für den Abtransport bereiten die Techniker das Uran für die nächste Anreicherungsstufe vor. Nicht bekannt ist, wie viel der bereits produzierten Menge (November 2009 etwa 1800 kg) weiter angereichert werden soll.
Die "freudige Mitteilung"
In seiner TV-Rede vor einer Woche sagte Ahmadi-Nejad erstmals öffentlich, der Iran habe keine Probleme, sein Uran für ein paar Monate im Ausland zu lassen. Das war ein Abgehen von der Forderung, der Iran müsse gleichzeitig mit der Uranübergabe - die im Iran stattfinden müsse - auch schon Brennstoff bekommen. Ahmadi-Nejad betonte aber auch, dass der Iran durchaus in der Lage sei, selbst auf 20 Prozent anzureichern. In den vergangenen Wochen wurde mit so einer "20-Prozent-Ankündigung" sogar gerechnet - der Präsident hatte von einer bevorstehenden "freudigen Mitteilung" gesprochen.
Was ihn aber geritten hat, dies just jetzt zu tun, da der Atomdeal vor seiner allerletzten Chance steht, ist schwer zu begreifen. Vielleicht liegt der Anlass im Iran selbst: War die Rede von Dienstag ein Versuchsballon gewesen, der schlecht angekommen ist?
Vielleicht, ebenfalls typisch für solche Regime, die sich ihre eigene Realität kreieren, schätzt Ahmadi-Nejad die Lage nach außen so falsch ein. Wenn er den Druck seiner Ankündigung dazu benützen wollte, seine Bedingungen für den Atomdeal durchzupressen, dann hat er sich wohl verrechnet. Er steht einmal mehr - zu Recht - als einer da, der sich diplomatischen Zugängen verschließt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2010)