An der Parteizentrale kommt man bei der Fehlersuche nicht vorbei
Das neue Wahljahr begann für die SPÖ so, wie das alte geendet hatte: mit einer Niederlage. Diese fiel umso peinlicher aus, als die Kanzlerpartei dank ihres immer noch enormen Apparats als Favoritin in die Fax-Wahl zum ORF-Publikumsrat gegangen war. Ein pseudodemokratisches Prozedere, durchgeführt mit vorsintflutlichen Instrumenten - damit müsste die SPÖ dank einschlägiger Erfahrung von ihren eigenen Parteitagen doch jede Menge Übung haben, könnte man meinen. Die roten Strategen belehrten die optimistischen Genossen eines Besseren.
Allzu viel ist diesmal nicht passiert. Die Konsequenzen dieser Farce von einer Wahl sind begrenzt. Einen Gutteil der §Publikumsvertreter" wählt der Kanzler ohnehin freihändig aus, schrumpfen wird die Dominanz der SPÖ im ORF auch nach dem Fehlschlag nicht. Trotzdem sollte das Ergebnis der roten Chefetage Sorgen bereiten. Dass ihre Kampagnenmanager selbst eine Pimperlwahl vergeigen, lässt für wichtigere Urnengänge nichts Gutes erahnen.
Auch wenn sich die Protagonisten nun abputzen: An der Parteizentrale kommt man bei der Fehlersuche nicht vorbei. Wer sonst soll für die Orchestrierung einer Wahlbewegung zuständig sein, wenn nicht die Geschäftsführer Laura Rudas und Günther Kräuter? Das kann freilich nicht klappen, solange es das zerkrachte Duo nicht einmal schafft, die Zusammenarbeit auf viel überschaubarerer Ebene zu koordinieren: zwischen ihnen beiden selbst. (Gerald John, DER STANDARD; Printausgabe, 9.2.2010)