Andrea Schurian

Die Ministerin braucht keinen Arzt

8. Februar 2010, 18:26

Als Kulturministerin kann Claudia Schmied eines ganz vorzüglich: Schweigen

Ist da jemand? In Vorwahlzeiten herrscht im Teich der Künstler-Promi-Testimonials eifriges Wettfischen, die bevorstehende Bundespräsidentenwahl wird diesbezüglich ebenso wenig eine Ausnahme sein wie die Wahlen in Wien oder der Steiermark. Bitte schenken Sie mir Ihre Empfehlung. Danke vielmals. Und in ein paar Jahren hören Sie wieder von uns. Aber wo, bitteschön, geht es dieser Tage in der Koalition zur Kulturpolitik? Schon eine vage Richtungsangabe wäre echt hilfreich, offene Baustellen gäbe es zuhauf.

Unlängst schwärmte Ex-Burgchef Claus Peymann im STANDARD-Interview über das große Glück, das er seinerzeit mit dem damaligen Kulturminister Rudolf Scholten gehabt hätte: "Er war das intelligente und liebenswerte Groupie unserer Zeit." Das kann man von Scholtens Nach-Nachfolgern definitiv nicht mehr behaupten: nämlich, dass da jemand in der kulturpolitischen Schaltzentrale säße, der radikal für Kunst und Kunstschaffende Partei ergriffe.

Schon Ex-SP-Bundeskanzler Viktor "Kultur ist Chefsache" Klima bevorzugte abendterminlich Faschingssitzungen und marginalisierte die Kultur zur politischen Nebensächlichkeit. Auch die aktuelle Ressort-Chefin Claudia Schmied fällt bei Kulturveranstaltungen nicht weiters auf. Weil sie schwänzt. Lieber schiebt sie Eisstöcke in Perchtoldsdorf, als sich im Burgtheater blicken zu lassen. Sicher, man kann sich noch an ein paar spektakuläre, allerdings auch schon länger zurückliegende Personalentscheidungen erinnern: für die Staatsoper Dominique Meyer und Franz Welser-Möst statt des Gusenbauer-Favoriten Neil Shicoff; Sabine Haag anstelle internationaler Bewerber für das Kunsthistorische Museum. Eh in Ordnung. Und sonst? Stille.

Claudia Schmied hat Schweigen ganz offensichtlich zur höchsten ministeriellen Tugend verfeinert. Von der Szene werden in tratschando die Favoriten für die Nachfolge von Mumok-Direktor Edelbert Köb bereits Länge mal Breite durchdekliniert, doch aus dem Ministerium kommt kein Mucks. Wobei: Kandidaten mit internationalem Renommee haben sich nach der KHM-Erfahrung praktischerweise nicht mehr beworben. Fast möchte man auch glauben, die beiden Festspiele finden sonst wo in der Welt, nur nicht in Salzburg statt, so ausdauernd hält die Ministerin zum Finanzskandal still. Dabei wäre es doch für die Hauptsponsoren, nämlich die Steuerzahler, durchaus interessant zu wissen, wie der Bund die Sache sieht.

Manchmal bricht die Ministerin ihr Schweigen. Redenschreiber produzieren viel heiße Luft, und so kommen viele, viele nette, banale Wortblasen aus ihrem Mund. Zum Beispiel: Kultur nicht mehr für alle, sondern mit allen, sagt sie.Und dass es ihr erklärtes Ziel sei, mehr Menschen an Kunst und Kultur teilhaben zu lassen. Fein. Wäre also richtig super, wenn Frau Schmied selbst teilhaben würde an den Kulturveranstaltungen, für die zuständig zu sein sie doch so sehr schätze, wie sie beteuert; wenngleich es kaum einen Bereich gäbe, in dem so viel über Geld geredet würde. Nachdenkhilfe: Weil die überwiegende Mehrheit der Kunstschaffenden am oder unter dem Existenzminimum lebt?

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, sagte einmal sinngemäß ein österreichischer Spitzen-Sozi. So gesehen braucht die amtierende Kulturministerin leider ganz gewiss keinen ärztlichen Beistand. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 09.02.2010)

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Franz Altenberger
00
25.2.2010, 16:03

Bei ihrer Ernennung hatte sich doch Frau Minister Schmied bei einem Interview in dem Sinne geäußert, sie gehe gerne ins Burgtheater und in die Oper - und leitete daraus ihre Befähigung für den Job ab.
Als Morak sie mal anschnauzte, verfiel sie in indigniertes Schweigen, ließ sich jüngst beim Kampf ums Budget, indigniert schweigend über den Tisch ziehen.
Aber solch ein schönes Büro hätte sie in ihrer Bank nie bekommen.

Franny Glass
00
13.2.2010, 13:24
wer visionen hat

soll zum arzt gehen, stammt nicht von einem österreichischen sozi, sondern vom deutschen altbundeskanzler helmut schmidt.

Michael Holzermayr2
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Und was kann Frau Schurian?

kellerabteil.org
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und was kann michael holzer... ach, forget it.

Honzoo
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Einen Schönheitschirurg auch nicht???

ValieImport
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Mehr (junge)Menschen an Kunst teilhaben lassen

Ich hoffe doch sehr, dass Frau BM damit meint, die musischen Fächer in allen Schultypen mehr zu unterstützen- neben der täglichen Turnstunde wäre auch die tägliche Musik- oder Zeichenstunde als PersönlichkeitsBILDUNG angesagt!

1116er
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wenn Frau Schmied selbst teilhaben würde an den Kulturveranstaltungen

bitte nicht diesen pseudo-aktionismus fordern!

ein minister muss nicht überall dabei sein. im gegenteil: distanz ist sogar förderlich.

und wenn ein minister mal zeit hat, fände ich es wichtiger er/sie liest mal ein buch, entspannt sich bei dingen, die spaß machen, anstatt auch noch spätabends weitgehend unwichtige kulturtermine wahrzunehmen (ausser es besteht tatsächlich interesse daran).

ubu roi
01

der spruch von den visionen ist von helmut schmidt, den hat vranz nur abgekupfert.

Sophist1
00
Vor 100 Jahren sprach schon der amerikanische Präsident Thomas Wilson von Visionen:

"Wer keine Visionen hat, vermag weder große Hoffnungen zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen."

Ohne Visionen gibt eine keinen Fortschritt. Visionen sind Hoffnungen oder Ziele, die dem Fortschritt dienen. Dazu dient eine graphische Lösung: Auf einer Achse werden chronologisch und konkret die einzelnen Etappen beschrieben, die der Zielerreichung dienen. Auf der anderen Achse sind die Termine festgehalten, bis was die einzelnen Handlungsetappen erreicht werden müssen. Am Kreuzungspunkt der beiden Achsen, läßt sich dann genau ablesen, ob man im Zeitplan liegt - oder verstärkte Aktivitäten erforderlich sind.

Morpheus
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Der Output zählt, nicht schöne Reden!

Schmied hat bereits ein paar wichtige Reformen durchgebracht: Freier Eintritt für alle unter 18 in die Museen, eine Rahmenzielvereinbarung für die Museen ab 2011 ... Eines nach dem anderen!

Und "Kultur mit allen statt Kultur für alle" ist eine wichtige strategische Ausrichtung, die u.a. auch Oliver Scheytt ganz aktuell in Deutschland fordert.

1 Wolfgang 1
01

naja, für 2 Jahre ist das aber ein bisserl dürftig. Oder hat Schmied einen 10 Wochenestunden-Vertrag?

bitte nicht
17
tschuldigung

aber wenn die ehemalige lebensgefährtin von herrn scholten in einem artikel schwärmen lässt, wie toll er gewesen ist, dann ist das schon ein wenig degoutant. und war nicht auch frau schurian immer dabei, wenn es für die spö wahl zu kämpfen galt? auch und vor allem bei der bundespräsidenten wahl?

wronskys ohren
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visionär

ist recherche wirklich gänzlich aus der mode gekommen?

Susanne_B
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Ganz ehrlich wäre ich - im Nachhinein betrachtet - vor zwei Wochen auch lieber Eisstockschießen gegangen statt ins Burgtheater. Was dort nämlich geboten wurde, war bestenfalls eine Frechheit (Antonius und Cleopatra)...

johann potakowskyj
 
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schöne nacherzählung vom Ioan Holender

also wozu muss man das auch noch vom herrn schurian lesen. mach ich sicherlich nicht, obwohl mir wahrscheinlich einiges an einrötung verpasse, so wird der politisch milde operndirektor, der aus einem kürzlichen interview die urgeberrechte haben könnte, verschwiegen und stattdesseb der bravsozialistische herr Peymann zitiert.

ja ihr roten seits ja überhaupt keine a-löcher!

ja und die rote kulturpäsenz hat man deswegen zurückgeschraubt, weil sie ins schussfeld des wortgewaltigen joerg haider und im windschatten in das der övp geraten ist.

obwohl wir der roten kulturförderung dankbar sein müssen. denn da hat es wenigstens noch eine gegeben. die schwarzen sehen ja auch das kulturbudget nur als ihren anteil im familienbetrieb der funktionär

Sepp Maier
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mit einem journalisten würd ich auch nur über das wetter und neuerscheinungen auf dem automobilmarkt sprechen, und schon gar nichts "off the records"...

Queen of Sheba
 
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So entzieht man sich dem Vorwurf "si tacuisses ...".

mauflo
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DANKE!!

Liebe Frau Schurian!
Danke für den Artikel. Vielleicht könnte man die Restauratoren der Nationalbibliothek ins Ministerium schicken. Die Studie über die soziale Lage der Künstler wurde wahrscheinlich auf nicht säurefreiem Papier gedruckt und ist sie möglicherweise schon zerfallen! Ha, Kulturnation Österreich - dass ich nicht lache! Kann man eigentlich einer permanent untätigen Ministerin nicht das Ressort entziehen? Sie tät's eh nicht merken!

Ich gebs zu
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Also, wirklich, untätig ist die nicht!

Die permanente Schulreform hält sie wahrscheinlich Tag und Nacht in Betrieb, dann sind da noch die Konzerte mit der Christl Stürmer und x Fototermine, Schminkorgien usw.

Da muss ich meine Ministerin wirklich in Schutz nehmen. Die ist eher hyperaktiv.

Renzo Pasolini
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Schurian sudert?

Wo ist hier bitte der Ausgang?

Terence Lennox
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no geh..

..vor zwei jahren war sie noch der held, weil sie den gusi widersprochen hat..

reinhold reiterer
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Deutscher Spitzensozi


Der ehemalige Unterrichts- und Kulturminister Herbert Moritz hielt seinen ehemaligen Kollegen bei einer Salzburger Tageszeitung (Thomas Bernhard) für einen Fall für "die Medizin". Er meinte Psychiatrie, sprach das Wort aber nicht aus.

"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.", sagte hingegen der bundesdeutsche Altkanzler Helmut Schmidt über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980.

Terence Lennox
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und..

..ursprünglich war das von wehner..

Ava Tar
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nur ned auffallen

schön geduckt bleiben und das Geld nehmen - so bringt man's bis zum EU-Kommissar

zumindest krähen das die Hähne von sehr flachen Dächern

lagerhaus1
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Der Hahn ist zwar in Brüssel, aber der Hühnerhof ist in Österreich geblieben und kann noch viele Eier legen.
Dichtete Willie Dixon:
I am the little red rooster
too lazy to crow for day...
red bitte durch black ersetzten!

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