Die SPÖ hat die Wahl zum ORF-Publikumsrat vergeigt und sucht die Gründe - Die könnten bei Laura Rudas liegen, bei Günther Kräuter oder auch bei Josef Ostermayer - Oder ganz woanders - Je nach Sichtweise
Keiner will es gewesen sein. Und jeder deutet auf den anderen. Fest steht nur, dass die SPÖ die Wahl zum ORF-Publikumsrat komplett in den Sand gesetzt hat. Von sechs Mandaten gingen gleich fünf an die ÖVP. Für die SPÖ, die bisher kraft ihrer Mobilisierung die sechs Publikumsräte traditionell für sich entscheiden konnte, bedeutet das eine heftige Niederlage. Jetzt wird Ursachenforschung betrieben - und ein Schuldiger gesucht.
Diese peinliche Niederlage lässt auch den schon lange schwelenden Konflikt zwischen den beiden SPÖ-Bundesgeschäftsführern Laura Rudas und Günther Kräuter wieder aufbrechen. Im Büro von Kanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann ist man der Ansicht, für die ORF-Publikumsratswahl wäre die Bundesgeschäftsführung der Partei zuständig gewesen. Im Umfeld von Laura Rudas wird aber darauf hingewiesen, dass sie selbst mit dem ORF-Publikumsrat „gar nichts" zu tun hat. Sie sei nicht zuständig, war weder mit der Mobilisierung noch mit der Kandidatenerstellung befasst, da sei die Aufgabenaufteilung ganz klar: Zuständig sei Günther Kräuter.
Dieser sieht das freilich anders und nimmt deshalb auch nicht die Verantwortung auf sich. Am Montag sagte er zum Standard, dass man die ORF-Wahl mit einem zentral gesteuerten SPÖ-Wahlkampf "nicht vergleichen" könne. Die verschiedenen Organisationen, die ihre Kandidaten delegieren, seien für die Mobilisierung der Publikumsrats-Wähler hauptverantwortlich: "Das verlief teilweise enttäuschend."
Schwarze lachende Dritte
Auch einen anderen Grund für die Niederlage nimmt Kräuter nicht auf seine Kappe: In fast allen Wahlkategorien waren gleich mehrere rote Kapazunder angetreten. Die SP-Kandidaten machten sich gegenseitig Stimmen abspenstig - lachende Dritte waren die schwarzen Konkurrenten. Kräuter dazu: "Meine strategische Entscheidung war das nicht."
Im Kanzlerbüro ist man angesichts dieses "Kommunikationsproblems" in der Parteizentrale ratlos - und verärgert. Um von einem Kommunikationsproblem zu sprechen, müsste es immerhin eine Kommunikation geben. Zum Teil reden die beiden SPÖ-Geschäftsführer aber nicht einmal mehr miteinander.
Andere in der Partei schieben die Schuld im konkreten Fall auf die Chefetage: Medienstaatssekretär Josef Ostermayer soll entschieden haben, jeweils mehrere SP-Kandidaten aufzustellen.
Das rote Stimmen-Splitting reiht auch Seniorenbund-Obmann Andreas Khol (ÖVP) unter die drei Gründe für den schwarzen Erfolg: keine Doppelkandidaten (mit einer Ausnahme), Werbung per Internet und „Namen und Ansehen" von Gerhard Tötschinger, dem Stimmenstärksten.
Tötschinger selbst bezeichnete das aktuelle ORF-Programm am Montag als „Mumpitz" und möchte dieses seniorenfreundlicher gestalten. Khol strebt für die nächste Wahl eine Änderung an: Er möchte im ORF-Gesetz die Briefwahl für Publikumsräte einführen. Die Faxwahl lehnt er ab, da kaum noch jemand privat ein Faxgerät besitze. (jo, spn, völ, DER STANDARD; Printausgabe, 9.2.2010)