Rüstungsverkäufer schielen nach Indien, aber auch Europa kauft weiter ein
Wien - Der Weltmarkt für Kampfflugzeuge schrumpft - aber umso geschäftiger sind die Verkäufer und Lobbyisten in jenen Bereichen, wo noch Flugzeuge gebraucht werden. Die größten Aufrüstungsprogramme verfolgen derzeit China und Indien. Während die Chinesen eine eigene Kampfflugzeugindustrie aufgebaut haben (die ihrerseits bereits Exportmärkte in Afrika beackert), gilt Indien als lohnendster Markt.
Im MRCA, dem Beschaffungsprogramm der indischen Luftwaffe, sind die französische Rafale von Dassault, der Eurofighter Typhoon, der Lockheed-Martin-Jet F-16C/D, die F/A-18E/F von Boeing, der schwedisch-britische JAS 39 Gripen und die russische MiG-35 miteinander im Wettbewerb.
Allein in diesem Programm sollen 250 veraltete MiG-21 durch 126 moderne Flugzeuge ersetzt werden. Der Luftfahrexperte Georg Mader rechnet: "Dazu kommt ein laufender Auftrag über 120 russische Sukhoi Su-30-MKI und eine Beteiligung am neu entwickelten russischen Tarnkappen-Flieger PAK-FA."
Das amerikanische Projekt des Joint-Strike-Fighters JSF F-35 (den die US-Regierung auch Österreich schmackhaft machen wollte) steht in Indien nicht zur Diskussion - denn Lockheed-Martin gerät mit dieser Entwicklung stark in Verzug. Und nicht nur die Obama-Administration drängt darauf, dass das Programm wieder auf Schiene kommt: Der JSF soll nicht nur in den USA die älteren Modelle von F-15, F-16 und F-18 ersetzen, sondern auch in den Export gehen: Die Türkei will 116, Australien 100, Kanada 88, die Niederlande 85, Norwegen und Dänemark je 48 des neuen US-Jets, dessen erste Serienflugzeuge 2012 ausgeliefert werden sollten - dafür müsste die Serienfertigung heuer beginnen.
Dazu kommt, dass auch die Eurofighter-Nationen Großbritannien und Italien insgesamt 281 Stück JSF bestellt haben, um sich nicht nur auf das europäische Flugzeug verlassen zu müssen. Daher haben sie auch die Eurofighter-Produktionspläne zurückgeschraubt: Großbritannien wird nur 160 statt 220 abnehmen. 24 der ursprünglich für Großbritannien geplanten Eurofighter sollen nach Saudi-Arabien gehen, das weitere 48 Eurofighter in Lizenz bauen will. Vom schwedischen Gripen gehen 29 Stück nach Südafrika und zwölf nach Thailand. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2010)