"Wir sind das kreative Aushängeschild"

  • Schauplatz Kunst: das in Manhattan von Raimund Abraham erbaute österreichische Kulturforum (NYAF).
    foto: apa/david sundberg

    Schauplatz Kunst: das in Manhattan von Raimund Abraham erbaute österreichische Kulturforum (NYAF).

  • Andreas Stadler, Österreichs Mann für Kultur im Big Apple.
    foto: apa/dragan tatic

    Andreas Stadler, Österreichs Mann für Kultur im Big Apple.

Seit Herbst 2007 leitet Andreas Stadler das österreichische Kulturforum in New York. Im Standard-Interview spricht er über sinkende Budgets, den Einfluss der Zentrale in Wien und Vernetzungen vor Ort

Standard: Wie geht es den Kulturforen? Einerseits heißt es, die Budgets bleiben gleich, werden nur anders verteilt. Andererseits spricht man von drastischen Kürzungen. Was stimmt nun?

Stadler: Die Kulturforen mussten 2009 mitten unterm Jahr um 30 Prozent kürzen und bereits vereinbarte Projekte verschieben oder sogar absagen. Ich habe dennoch großes Verständnis für Minister Spindelegger, der sich sehr dafür einsetzt, dass wir zusätzliches Geld aus der Wirtschaft bekommen. Denn Schließung von Kulturforen oder Kürzung von Entwicklungshilfe ist sicher keine Alternative.

Standard: Kann sich Österreich die Präsentation seiner Kultur nicht mehr leisten?

Stadler: Das Hauptproblem ist, dass Kulturforen "Ermessensausgaben" sind und keine fixierten Globalbudgets bekommen wie etwa die ausgelagerte Diplomatische Akademie oder die Bundesmuseen. Stellen Sie sich den Aufschrei vor, wenn es im Belvedere oder Mumok eine 30-prozentige Kürzung gäbe. Wir müssen also Stabilität in das System bekommen. Wir können nur deswegen damit leben, da Künstler und Künstlerinnen und Koveranstalter in die Bresche springen.

Standard: Wie sehr nimmt die Zentrale in Wien Einfluss auf das Programm?

Stadler: Ich bin sogar sehr dafür, dass die Zentrale dreinredet! Die Kultur- und Wissenschaftsarbeit ist die dritte Säule der Außenpolitik. Nur wenn diese Identifikation von ganz oben kommt und das Außenministerium dies durchzieht, wird auch das Geld stimmen. Kultur ist in Österreich ein der Wirtschaft und Politik gleichrangiges Thema für Minister, Ressortführung bis hin zu den Botschafter/-innen und Generalkonsuln. Unsere heutige kulturelle Stärke ist ein wesentliches Asset.

Standard: Was konkret heißt das für Ihre Planung?

Stadler: Ein gute alte Regel ist, dass etwa ein Drittel der Programmimpulse aus Österreich kommen: aus der Kultursektion des Außenministeriums, Museen, Galerien, Konzerthäusern, Universitäten; ein Drittel aus dem Gastland, und ein weiteres obliegt unserer eigenen Kreativität. Unser Programm bedarf immer der Genehmigung der Zentrale, die aber sehr viel Spielraum lässt.

Standard: Das Gebäude des NYAF gilt als architektonisch großartig, gleichzeitig als sehr schwer bespielbar.

Stadler: Wir arbeiten verstärkt mir New Yorker Koveranstaltern. Konzerte, Theater und Ausstellungen kann man nicht aus dem Büro heraus selbst produzieren. Vernetzen müssen wir sowieso. Für mich ist das Haus oft ein Fluch, weil es mich zu sehr bindet. Andererseits bietet es enorme Vorteile und Wirkung.

Standard: Sie haben fünf Jahre das Kulturinstitut in Warschau erfolgreich geleitet. Nun soll das Gebäude in zentraler Lage verkauft werden. Österreichische Intellektuelle laufen Sturm dagegen.

Stadler: Mir ist es 2002 gelungen, das Gebäude auf Kosten des Vermieters, der Stadt Warschau, komplett umbauen und renovieren zu lassen. Daher hängt auch mein Herz an diesem Haus. Es gibt dort ein gutes Team, und ich bin zuversichtlich, dass dieses auch in Zukunft seine Rolle spielen wird. Vielleicht nicht auf Ewigkeit in diesem Haus - das gemietet ist und sich nicht, wie fälschlich behauptet wird, im Eigentum der Republik befindet. Entscheidend ist, dass es weiterhin ein unabhängiges Kulturforum mit einem klaren Auftrag zur zeitgenössischen Kultur geben wird.

Standard: Sind Kulturforen in Zeiten von Internet und Facebook überhaupt noch zeitgemäße Präsentationsformen?

Stadler: Wir sind das kreative Aushängeschild des heutigen Österreich. Meine Aufgabe ist es, führende österreichische, amerikanische und internationale Künstler, Künstlerinnen, Denker und Denkerinnen zusammenzubringen, um damit unsere kreative Kraft zu zeigen. Ich bin sicher, dass dies zur Internationalisierung Österreichs nach Hause zurückwirkt. (Andrea Schurian, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2010)

Zur Person:

Andreas Stadler (geb. 1965), promovierter Politologe, war 1999 bis 2004 Leiter des Kulturinstituts in Warschau, 2004 bis 2007 Kunstberater von Bundespräsident Heinz Fischer.

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