Die Freunde werden nicht müde, in Szenen philosophische Botschaften zu entdecken
Von einem seltenen Fall subversiven Widerstands unter den für gewöhnlich nicht unbedingt als rebellisch verschrienen Fernsehzuschauern berichtet das deutsche Serienportal serienjunkies.de.
Seit einer Woche läuft im US-TV auf ABC die letzte Staffel der vielschichtigen Abenteuerserie Lost. Die Anteilnahme des Publikums ist groß: Die Auftaktfolge wurde von zwölf Mio. gesehen und konnte sich gegen die höchst beliebte Popstarnachwuchssuche in American Idol eindrucksvoll behaupten.
Um Lost existiert ein virtuelles Paralleluniversum, in dem mit Internetlexikon Lostpedia, Facebook und Twitter die Möglichkeiten sozialen Netzwerkens ausgeschöpft werden. 1,7 Millionen Fans zählt die Serie auf Facebook. Die Freunde werden nicht müde, in Szenen philosophische Botschaften zu entdecken: Die Serienmacher streuen gezielt Mysterien, über die nicht einmal die Schauspieler restlos aufgeklärt sind. Spiegel Online begleitet die letzte Staffel mit eigenem Blog. Das Abo-TV zeigt sie ungewöhnlich zeitnah zur US-Ausstrahlung ab 17. März auf Fox bei Sky.
Entsprechend entsetzt dürften die ABC-Manager gewesen sein, als unlängst im Netz Szenen von unveröffentlichten Lost-Folgen auftauchten, was der Communitystimmung gar nicht gut täte. Doch siehe da: Nur wenige hundert User schauten sich die Youtube-Version der nicht zur Veröffentlichung bestimmten Szenen an. Die Losties ließen sich den Spaß nicht verderben und verweigerten den Zugriff. Als sei es ein Ehrenkodex: Mit dem Lesen beginnt man ja auch nicht auf der letzten Seite. Nichts ist bekannt darüber, welche Seelenqualen sie ausgestanden haben. Doch Respekt darf man ihnen zollen, den widerstandsfähigen Losties. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 9.2.2010)