Deutsche Studie

Nachteile für Bewerber mit türkischen Namen

12. Februar 2010, 10:39
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    foto: apa/sebastian widmann

Trotz Antidiskriminierungsgesetz und allgemein wachsender Integrationsbereitschaft werden Stellenbewerber mit ausländischen Wurzeln auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch immer eklatant benachteiligt

Forscher der Universität Konstanz haben in einem Feldversuch über 1000 Bewerbungen auf Praktikumsstellen für Wirtschaftsstudenten verschickt. Dazu verwendeten sie inhaltlich gleichwertige Bewerbungsunterlagen, denen per Zufall ein Name eindeutig deutscher oder türkischer Herkunft zugeordnet wurde. Die fiktiven Bewerber hatten nicht nur vergleichbare Qualifikationen und Fähigkeiten, sondern waren zudem ausnahmslos deutsche Staatsbürger und Muttersprachler. Das Ergebnis: Bewerber mit türkischen Namen erhielten insgesamt 14 Prozent weniger positive Antworten. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist.

In kleineren Unternehmen war die Ungleichbehandlung sogar noch ausgeprägter: Hier hatten Bewerber mit türkisch klingenden Namen trotz gleicher Qualifikation eine um 24 Prozent geringere Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Die Autoren führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass Großunternehmen häufiger standardisierte Auswahlverfahren mit weniger Raum für subjektive Einschätzungen nutzen.

Weltweiter Vergleich

Im internationalen Vergleich stehen deutsche Arbeitgeber dennoch nicht so schlecht da: Ähnliche Studien belegen für Länder wie die USA, Großbritannien oder Schweden eine deutlich größere Benachteiligung ethnischer Minderheiten. Allerdings wurden im Feldversuch der Konstanzer Ökonomen ausschließlich Stellen für hochqualifizierte Bewerber untersucht. Es ist also denkbar, dass in Branchen, die weniger vom Fachkräftemangel betroffen sind, auch in Deutschland noch stärker diskriminiert wird.

Ein weiteres interessantes Resultat der Studie: Wurden Empfehlungsschreiben früherer Arbeitgeber mit der Bewerbung eingereicht, hatten die türkischstämmigen Bewerber annähernd gleiche Chancen. Die Ökonomen werten diesen Befund als Beleg für "statistische Diskriminierung", die darauf beruht, dass Personalmanager die Persönlichkeitseigenschaften von Bewerbern türkischer Herkunft schlechter einschätzen können. Diese Beobachtung zeigt, wie wichtig es ist, den "Teufelskreis" der Diskriminierung zu durchbrechen. Erst wenn benachteiligten ethnischen Gruppen die Gelegenheit gegeben wird, sich auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen, können sie die Vorurteile gegenüber ihrer vermeintlich geringeren Eignung ausräumen. Im Sinne einer vollständigen Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern ist daher ein Umdenken seitens der Arbeitgeber notwendig, das sich durch Gesetze allein nicht erzwingen lässt. (red, derStandard.at)

Links zur Studie

Die englischsprachige Studie kann auf der Homepage des Instituts zur Zukunft der Arbeit kostenlos downgeloaded werden.

Leo Kaas, Christian Manger:
Ethnic Discrimination in Germany's Labour Market: A Field Experiment
IZA Discussion Paper No. 4741

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Banal Grande
00
14.10.2010, 14:59
Da sieht man es wieder

wir müssen uns besser integrieren.

hexe caracas
01
13.2.2010, 10:34
es sollte nur Qualifikation entscheiden

Bewerbungen sollten vor Diskriminierung schützen und gehören reformiert... (ohne Namen, Geschlecht, Religion, Hautfarbe...)

chelene chirsch
03
13.2.2010, 14:47

und wie arbeitet xxx dann mit anderen ?

mrsoul
02
12.2.2010, 21:33
europäischer standard

die internationale arbeitsorganisation macht solche untersuchungen seit jahren in verschiedenen europäischen staaten - und das ergebnis ist immer ähnlich wie bei dieser studie; menschen mit "fremdem" namen werden seltener auch nir zum gespräch eingeladen.
ein armutszeugnis für personalistInnen, die entweder (a) bewusst rassistische vorurteile ausleben oder (b) noch immer nicht erkannt haben, dass gerade bei der bewertung von bewerberInnen eigene blinde flecken besonders gravierende folgen haben und sich deshalb mit diesen nicht auseinandersetzen. dass sie einen guten teil der bewerberInnen gar nicht erst genauer anschauen schmälert den pool. ergebnis: ich bekomme nicht die besten, sondern die, die mir am ähnlichsten sind.

van.der.stiege
00
13.2.2010, 10:30
ist halt dann die frage....

... inwieweit fuer das firmenklima homogenität wichtig ist.

kann mir gut vorstellen, dass es branchen gibt wo mehr teamarbeit gefragt ist und da ist es wichtiger vielleicht nicht die kluegsten köpfe zu haben, jedoch leute die sich untereinander gut verstehn und miteinander "können".

mrsoul
00
13.2.2010, 23:20
wann können leute miteinander?

wenn sie miteinander arbeiten und gemeinsam etwas erreichen wollen. mitvielfalt umgehen lässt sich lernen.

gk76
01
8.10.2010, 14:33
ja, kann man

muss man aber nicht.

Wenn ein Unternehmer keine Türken, Chinesen oder Frauen einstellen will soll man ihn doch nicht zwingen. Letztlich muss er ja mit dem Mitarbeiter zurecht kommen.

Salz Burger
00
14.10.2010, 14:06

Man kann in eh nicht zwingen. Ich hab einen Bekannten, der stellt keine Leute ein, die geschieden sind oder rauchen. Das würde er den Bewerbern natürlich niemals sagen.

super web checker
04
12.2.2010, 16:01

Die Beurteilung eines Menschen nach seinem Namen mag unsachlich sein, ist aber nicht neu und schon gar nicht auf Türken beschränkt.
Falco wirkt halt besser als Hansi Hölzl.
Und Hojac ist als Sympathieträger eben für manche Zielgruppen ungeeignet.

Mousthapha Kant
13
12.2.2010, 16:15

Es sind aber schon immer die IQ nackerten, für die der Name wichtig ist. Pop Konsumenten und FPÖ Anhänger halt.
Von Personalchefs muss man mehr erwarten können.

Andreas N
00
12.2.2010, 17:53
Tja und unter intelektuellen...

.... gilts zum Teil bsonders cool, wenn was einen englischen Namen hat, deutsch ist wohl zu profan.
Soviel zum Thema IQ-nackerte...
'City-Bike' , 'Gender-Mainstreaming' , 'Nightline' usw usw ....
Und Üzgur klingt halt für manche anders als Franz, man wirds vielleicht bei ersterem an einen Ottakringer Jungmacho erinnert

Mucosaprolaps
12
12.2.2010, 17:08

In Österreich?

Bei einem Lokalisierungsprojekt in England sind Leute gegangen worden, weil sie auf die Frage "You're the german resource?" mit "No I'm Austrian not bloody German" geantwortet haben.

In Österreich habe ich erlebt, wie ein Geschäftsführer einer AG einen schwarzen Mitarbeiter in aller Öffentlichkeit, aber in dessen Abwesenheit, als "seinen Bimbo" und dergleichen bezeichnet, er hält das wohl für Humor. Dieselben Leute fanden es auch "lustig", einen Moslem zum Schmalzbrot zu nötigen zu versuchen ...

--> Wir sind hierzulande auf einem geistigen Entwicklungsniveau, wie es die meisten Länder schon seit den 1950er Jahren überwunden haben. Rassismus gilt als "normal", Verhetzung als "Spaß".

chelene chirsch
01
13.2.2010, 11:15

na solang die engländer eh amerikaner, die moslems quasi ja auch juden und überhaupt alle menschen offen und tolerant sind - kein problem.

das ganze toleranzgebrabbel wird von denen angeführt, die selbst die kränksten auswüchse zeitigen. es ist ja auch schon fast "normal", dass weihnachten eine quasi unerklärliche "ferienzeit" ist - importierte unkultur in reinform.

chelene chirsch
20
12.2.2010, 16:34

naja... ich habe selbst keinen hiesigen namen (und herkunft), würde mir aber wohl keinen djihad oder cem als mitarbeiter nehmen...

oder meinens, mein freund adolf hat es bei den "schöngeistigen" leichter ? im gegenteil, je mehr eingebildet und pseudo-intellektuell, desto blöder im umgang...

das ist einerseits natürlich; zum zweiten liegts an der plausibilität (e.g. bei 25% berliner hartz-IV-ern kommt ein Hakan mit doppelstudium komisch vor) und zuletzt sind fast 90% "egal" kein schlechter wert.

dieDritteGeneration
13
12.2.2010, 15:14

14 %...das heißt, bei 86 % aller Unternehmen ist es egal, ob jemand einen deutschen oder türkischen Namen hat. Das sind doch gute Zahlen. Ich hab so meine Zweifel, ob in der Türkei auch 86 % aller Unternehmen keinen Wert darauf legen, ob jemand einen deutschen oder türkischen Namen hat.

HisHasH
00
12.2.2010, 17:01
86%


Selbstverständlich, 86% aller Unternehmen ist es egal, dass ....
Blödsinn!

Haben Sie diesen Artikel nicht gelesen, nicht verstanden oder haben Sie gar andere Quellen, die belegen, dass es 86% aller Unternehmen gleich ist, ob der Bewerber einen türk. oder dt. Namen hat?

chelene chirsch
01
12.2.2010, 16:28

WILL man diese zahlen wirklich haben ?

die kombination ausländisch klingender name + katholik könnte da manch eine interessante frage aufkommen lassen.

aber klar, wenn die türkei mal in der EU sein wird, wird alles besser. *rofl*

Blanc de Blancs
33
12.2.2010, 15:00
Aha

Also deshalb sitzen bei uns die ganzen Hoch-Qualifizierten im Ottakringer Beserlpark herum...

fuchstritt
51
12.2.2010, 14:58

türke in der 3. gen? dann wirds aber echt mal zeit für eine öster. staatsbürgerschaft. u ich rede hier vom vornamen, nicht vom nachnamen

exbmu
08
12.2.2010, 14:49

wenn ich solche comments lese, wird mir schlecht... Bin selbst ein Türke, aus der dritten Gen. und mir glaubt keiner dass ich türkischer Abstammung bin, bis ich mich Ausweise ...

Man kann solche Vorurteile mit dem Auftreten, der Person und seiner Redegewandtheit wieder wet machen.

Wie kommt man auf die Idee, eine Aussage zu formulieren indem du Leute Kritisierst, wie Sie ihre Kinder zu nennen haben ?

Sprich wenn mein Kind Luke heißt, hat es höhere Chancen als der Jubikuli ???

chelene chirsch
31
13.2.2010, 11:16

du würdest also vorurteilsfrei deinem bewerber adolf begegnen ? ganz sicher ?

Immanuel Cunt
06
12.2.2010, 15:23

Zur Psychologie der Namensvorurteile gibt es mittlerweile ja etliche Untersuchungen, vor allem auch zu den sog. "Unterschichten-Namen" (vgl. "Kevinismus", "Chantalismus").


Es liegt halt auch viel bei den Eltern, ob sie den Kinder eben mehr (Erkan, Yusuf...) oder weniger (Mohammed, Mustafa...) mehrheitsgesellschaftlich kompatible Namen geben. Interessant zum Thema übrigens auch:
http://www.sueddeutsche.de/service/9... 3422/text/

klausenpown
01
12.2.2010, 16:47

Erwähnt auch kürzlich in der Zeit:

http://www.zeit.de/online/20... e-vornamen

Da gabs noch einen anderen Artikel, der statistische Zuordnungen von Namen zu Einkommen und akademischen Abschlüssen zuordnete. Essenz daraus ziemlich klar:

Maximilians und Alexanders verdienen besser und sind besser ausgebildet als Chantals und Kevins und erst recht als Erkans und Mohammeds.

Ist halt die Frage was was bedingt. Sicher ist aber wohl, Menschen die ihren Kindern 'Unterschichtennamen' geben, ihre Kinder auch weniger zu Bildung bewegen. Statistisch gesehen. Bei 'Hallo ich bin Maximilian' hat man es sehr viel wahrscheinlicher mit einem Akademiker zu tun als bei 'Hallo ich bin Chantal' oder 'Hallo ich bin Yusuf'...

Mousthapha Kant
00
12.2.2010, 15:47

Vielen Dank für den Beitrag. Jetzt sind schon die postings sachlicher als die Artikel.
@Standard: Diskriminierung ist ein ernstes Problem und betrifft sicher nicht nur Türken. Der Titel verhindert eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Gerhard Eigner
01
12.2.2010, 14:51
nein

weil Luke, Kevin, Marcel, Jennifer, Beverly etc sind HartzIV Namen, da gibts Untersuchungen dazu.

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